Sonntag, 08.12.2019

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Gesamtschüler auf Spurensuche des Uropas

Sebastian Friedmann gewinnt Landespreis - Originalschmiede steht im Tüchersfelder Museum - 14.07.2019 12:08 Uhr

Sebatian Friedmann zeigt die Originalschmiede seines Urgroßvaters, die seit Jahrzehnten im Fränkische-Schweiz-Museum in Tüchersfeld ausgestellt ist. © Foto: Rosi Thiem


2300 Schüler aus ganz Bayern hatten teilgenommen. Sebastian Friedmann gewann nun den ersten Landespreis in der Kategorie Gymnasium Jahrgangsstufe 5 bis 9. "Bei der Ausarbeitung meines Heftes halfen mir Playmobilfiguren als Rahmenhandlung weiter."

Szenen mit Playmobilfiguren

Das Besondere daran: Der Uropa erzählt Sebastian aus seinem Leben und den historischen Ereignissen lebensnahe Szenen mit Playmobilfiguren, gemischt mit historischen Bildern und Dokumenten. "Da werden die Erzählungen lebendiger und kurzweiliger", sagt Sebastian stolz.

Der Schüler, der in seiner Freizeit Saxophon und Klavier spielt, resümiert: "Es hat mir sehr viel Zeit gekostet. Aber ich fand das Thema interessant." Er durchstöberte mit seiner Familie den Dachboden. Der Urgroßvater war Schmied, Landwirt und Bürgermeister. Der Schüler, der in die Gesamtschule Hollfeld geht, wurde neben dem Familienarchiv auch im Rathaus fündig.

Dabei tauchte er in das Leben seines Urgroßvaters ein und entdeckte die Schauplätze der Geschichte parallel dazu. Der 1876 geborene Uropa setzte die Tradition im Hause Friedmann fort und wurde Schmied und Landwirt. Er war Hufschmied, fertigte Wagenräder, reparierte Werkzeuge und dängelte Sensen.

Sebastian fand heraus, dass im Wohnhaus des Uropas sich alles abspielte: Neben der Schmiede lebten Schweine und Kühe im Haus. Das Wohnzimmer war die Amtsstube des Bürgermeisters und der Eisenwarenladen gleich rechts im Nebenraum.

Insgesamt zehn Kinder hatte der Uropa. Seine erste Frau Anna Grau starb jung. Die zweite Frau hieß Kunigunda Plank.

Holzhacken, mit dem Kuhgespann Heu heimfahren, mühsames Kartoffellesen und mit der Sense mähen zeichneten den bäuerlichen Alltag von Urgroßvater aus. "Es war alles harte Handarbeit", stellt Sebastian andächtig fest. "Der Stall war im Haus. Der Mist musste durch den Flur zur Haustür hinaus zum Hof in der Sutte gebracht werden."

Im Ersten Weltkrieg diente Georg Friedmann als Soldat in einer Garnison. In einem Protokoll von 1919 steht er als Bürgermeister. 1911 berichtete der Wiesent-Bote, dass er als Rat wiedergewählt wurde. "Hier lagen mir nicht alle Unterlagen mehr vor", ergänzt Sebastian in seinem verfassten Geschichtsheft.

Bauer der Wasserleitung

Dabei erwähnt er, dass 1908 Bestrebungen liefen - zwar ohne Erfolg - dass Waischenfeld an die Eisenbahnlinie angebunden wird. Seit 1909 gab es auch die elektrische Straßenbeleuchtung für den Ort. 1929 folgte der Bau der Wasserleitung.

Der Uropa war von 1919 bis 1933 Bürgermeister von Waischenfeld. Von 1933 bis 1945 war Benedikt Spörlein eingesetzt. Im April 1945 herrschte große Angst vor den näher rückenden amerikanischen Truppen. Es wurde die Zerstörung Waischenfelds befürchtet, da bis 1939 eine österreichische SS-Gruppe stationiert war. 1945 bis 1946 war erneut Friedmann als Bürgermeister eingesetzt – bis zu seinem Tod am 30. Juni 1946.

Sebastian schreibt: "Als am 14. April 1945 aus Nankendorf die US-Truppen anrückten, wurde mit einer weißen Fahne Waischenfeld übergeben." Eine kleine Anekdote hat Sebastian noch aus dieser Zeit, die ihm erzählt wurde: Damals fungierte Michael Mehrlich als Dolmetscher, weil er schon einmal in Amerika war. Bürgermeister Friedmann hörte sich den Dialog zwischen Mehrlich und dem amerikanischen Offizier an, verstand nichts und fragte resolut: "Wöllns etz Ärpfl oder wöllns kaa?"

Sein Nachfolger war bis 1966 Hans Schroll. Dann folgte Hans Schweßinger bis 1998. Seit 1998 hat Edmund Pirkelmann das Bürgermeisteramt inne. Sebastians Recherchen dauerten neun Monate, die er immer wieder wegen schulischen Arbeiten unterbrechen musste.

Aber eines weiß er sicher: "Ich mache im nächsten Landeswettbewerb auf jeden Fall wieder mit." Bei einer Seniorenveranstaltung mit seinem Vortrag stellte Sebastian fest, dass viele Zuhörer sich gerne an früher erinnerten und rege austauschten. Das gefiel ihm auch.

Originalgetreu aufgebaut

Die Original-Schmiede des Urgroßvaters steht seit Jahren im Fränkische-Schweiz-Museum Tüchersfeld und kann dort originalgetreu mit allen Schmiedeutensilien besichtigt werden.

Museumsleiter Jens Kraus begrüßt das Engagement von Sebastian: "Bei diesem Einzelprojekt findet ein Austausch der Generationen statt. Wir – als Fränkische-Schweiz-Museum – wurden somit zur Preisverleihung mit der ausgestellten Schmiede mit nach München getragen, das erfüllt uns mit Stolz. Von der Museumsseite her wünsche ich mir noch mehr Jugendliche, auch Schulen, die mit uns ein spannendes Projekt unternehmen möchten."

Sebastian Friedmann gibt einen Vortrag über seine Arbeit am Mittwoch, 17. Juli, um 16 Uhr im Fränkische-Schweiz-Museum Tüchersfeld und zeigt auch die Schmiede. Dabei kann das preisgekrönte, von ihm erarbeitete Heft für sieben Euro erworben werden.

ROSI THIEM

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