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Fränkische Schweiz: Borkenkäfer kommt zurück

Fachleute warnen vor der unkontrollierten Massenvermehrung der Tiere - 16.03.2019 16:50 Uhr

Nachdenkliche Mienen angesichts der Borkenkäfer-Bedrohung: Johann Steger, Erika Steger, Forstdirektor Georg Dumpert und Forstamtmann Robert Lindl (von links) bei der Waldbegehung. © Rosi Thiem


"Es ist allerhöchste Zeit, die Sturmschäden der letzten Wochen aufzuarbeiten", drängt Georg Dumpert. Waldbesitzer, die schon die Durchforstung hinter sich haben, sollen nach Bruch- und Schadfichten schauen.

"Es ist nicht nur die Region hier um Plech, sondern der ganze Landkreis Bayreuth betroffen, bis hoch zum Fichtelgebirge", warnt Dumpert. Punktuell gibt es im Landkreis überall Befallsherde, ohne Ausnahme. Es haben nach den warmen Sommern ab 2015 auch die Kiefern gelitten und zeigen Trockenschäden auf. Doch der Borkenkäferbefall durch die Dürre der letzten Jahre betrifft die Fichten.

2018 gab es laut Dumpert vier Generationen an Buchdruckern. Ein einzelnes Weibchen kann über 100 000 neue Käfer pro Jahr in die Welt setzen. Das erschreckt. Robert Lindl erklärt: "Unter günstigen Bedingungen kann die Nachkommenschaft, die sich in einer befallenen und übersehenen Borkenkäferfichte entwickelt hat, den Befall von mehr als 20 Fichten zur Folge haben, und das mehrfach im Jahr."

Auch macht sich ein Borkenkäfer nichts aus dem Frost. Der Buchdrucker überwintert in befallenen Bäumen als Larve, Puppe oder Käfer in der Rinde. Zudem kann er seine Winterruhe als Käfer im geschützten Waldboden verbringen. Borkenkäfer vermehren sich nur an lebenden Fichten mit noch frischer Rinde. An dürrem Totholz, so Lindl, haben die Tiere kein Interesse.

Der Forstdirektor Georg Dumpert nennt die zwei Arten, die auch heuer erneut gefährlich werden können, da ein gefährlich hoher Grundbesatz aus dem Dürrejahr 2018 vorhanden ist. Zum Einen die Kupferstecher, sie bohren sich in junge, zarte Fichtenrinden oder in die Kronen älterer Fichten ein.

Fraßgänge in dicken Borken

Die andere Gattung sind die Buchdrucker. Sie befallen meist jahrzehntealte Fichten und legen ihre Fraßgänge in die dicken Borken. "Die Larven unter der Rinde ernähren sich von den Saft führenden Schichten des lebenden Baumes. Ist das als Lebensader der Fichte bezeichnete Bastgewebe zerstört, führt dies unweigerlich zum Tod des Baumes", erklärt Lindl. "Im Moment ist kein frisches Bohrmehl zu sehen, aber wenn die Käfer wieder loslegen, ist es oft am unteren Stamm zu finden", so Dumpert. Der Borkenkäfer hat auch keine natürlichen Feinde.

"Wir gehen alle 14 Tage durch unseren Wald", sagt Erika Steger aus Ottenhof. Sie und ihr Mann bewirtschaften fünf Hektar und hatten im Herbst 2018 selbst einen Schaden. Hier hat der Borkenkäfer im Grenzbereich von den Stegers und dem Nachbarwald Fichtenbäume befallen. "Die Borkenkäfer kennen keine Grenzen", bekräftigt Johann Steger. "Am besten ist es, gleich Randbäume mitzunehmen." Er berichtet, dass er im Herbst sofort und gewissenhaft befallene Fichten entfernte. Als er wenige Tage später wieder zurück kehrte, musste er erschrocken feststellen, dass sich vermeintlich gesunde Nachbarbäume auch krank zeigten. Es war fast ein Viertelhektar, der über zwei Grundstücke hinweg betroffen war. Die Stegers räumten selbst die Fichten aus dem Wald.

Die Nachbarn ließen sich durch den Revierförster Lindl beraten und wurden Mitglied bei der Fortbetriebsgemeinschaft Pegnitz, die es organisierte, das befallene Holz zu ernten und für den Besitzer zu vermarkten.

"Für Waldbesitzer, die eine Unterstützung benötigen, gibt es den Förster vor Ort. Dieser berät unabhängig, neutral und kompetent", betont Lindl. Im Landkreis Bayreuth gibt es acht Forstreviere. Darüber hinaus sind örtliche Selbsthilfeeinrichtungen wie die Forstbetriebs-Gemeinschaften und Waldbesitzer-Vereinigungen ansprechbar. "Mehr als die Hälfte des Waldes in Bayern gehört Privatpersonen wie der Familie Steger", führt Lindl aus. "Der Beratungsbedarf steigt, weil der Anteil der bäuerlichen Waldbesitzer zurück geht. Die Zahl derer, die Waldarbeiten noch selbst verrichten können und Zeit für ihren Wald haben, wird immer geringer." Daher ist es ihm und Dumpert auch sehr wichtig, dass die Waldbesitzer nicht nur nach ihrem Holz schauen, sondern ein wachsames Auge auf die übrigen Fichtenschläge des Forstes haben, um Käferbefall zu melden.

"Es muss gehandelt werden"

"Um eine Massenvermehrung und einen Flächenbrand zu vermeiden, muss spätestens jetzt gehandelt werden." Hier sind sich beide Fachleute mit ihrem eindringlichen Appell einig. Größere freie Waldflächen müssen aufgeforstet werden. Zur Wiederaufforstung gibt es für Mischbestände und Laubwälder Fördermittel. Reine Nadelbestände werden nicht gefördert. Der Forst der Zukunft ist nicht der Wald von heute: Behördenleiter Dumpert, Förster Lindl und ihre Kollegen in den Landkreisrevieren vor Ort sind die Ansprechpartner für den Zukunftswald. Hier gibt es inzwischen ein bayerisches Waldinformationssystem und eine Risikoeinschätzung auf alle Waldflächen. Auch angepasste Wildbestände helfen, dass der Jungwuchs bessere Startchancen bekommt. Vitale Zukunftswälder – eine Herausforderung der Gegenwart. 

ROSI THIEM

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