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Montag, 21.10.2019

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Fall Peggy und geklaute Teppiche waren sein Fall

Leitender Oberstaatsanwalt Herbert Potzel geht in den Ruhestand, Martin Dippold wird sein Nachfolger - 16.05.2019 09:20 Uhr

Herbert Potzel geht jetzt in den Ruhestand. © Foto: Andreas Harbach


Mit Herbert Potzel geht einer der bekanntesten Leitenden Oberstaatsanwälte in Bayern. Zu seinen Aufsehen erregendsten Fällen zählt die am 7. Mai 2001 verschwundene Schülerin Peggy aus Lichtenberg. Erst Ende vergangenen Jahres präsentierte Potzel mit dem Verdächtigen Manuel S. eine völlig neue Bewertung des Falles.

Falsche Spur

Als 2016 beim Auffindeort von Peggys sterblichen Überresten eine DNA-Spur des Rechtsterroristen Uwe Böhnhardt auftauchte, war Potzel einer der eindringlichsten Mahner. Und er sollte recht behalten, die Spur erwies sich als Trugspur.

Doch auch andere Fälle sind ihm in Erinnerung geblieben. Schon als Gruppenleiter musste er sich mit 72 Kilogramm Heroin beschäftigen. 1996 hatte ein Bayreuther über den Iran und Afghanistan diese Menge an hochreinem Heroin eingeführt, das Beamte im Landkreis sicherstellten. Verkaufswert bei entsprechender Streckung damals: zwischen 30 und 50 Millionen Mark.

Martin Dippold wird neuer Leitender Staatsanwalt. © Foto: Andreas Harbach


In den 1990er Jahren beschäftigte Potzel sich als Richter beim Landgericht mit dem sogenannten Teppichfall. Eine Bande verkaufte eine Vielzahl geklauter Teppiche, auch an Prominente. An mehr als 30 Verhandlungstagen mussten diese auch als Zeugen aussagen. Und standen natürlich am nächsten Tag in der Zeitung.

Potzel verbrachte fast seine gesamte juristische Laufbahn an den Gerichten in Bayreuth und in Kulmbach, wo er im Jahr 2000 auch Direktor des Amtsgerichts war. Danach war er am Amtsgericht Bayreuth einige Jahre als dessen Direktor tätig und kümmerte sich, "damals schon ganz modern" mit elektronischer Unterschrift, um das Registergericht.

Brand der Therme

Begonnen als Leitender Oberstaatsanwalt hat er in Bayreuth vor sechs Jahren und einem Monat. Damals musste er sich noch mit dem Brand der Fichtelberger Therme beschäftigen. Er war der Nachfolger von Thomas Janovsky. Gefragt, was er lieber mochte, die Verbrechen und Verbrecher als Staatsanwalt zu jagen oder als Richter zu urteilen, sagt Potzel: "Der Staatsanwalt hat tiefere Einblicke in die Persönlichkeiten der Täter, beim Gericht gibt es andere Sachen, die reizen können." Ende Mai hat er den letzten Arbeitstag. Und ab dann mehr Zeit für seine Hobbys: "Wandern, Reisen, Lesen und die Beschäftigung mit den Naturwissenschaften."

OTTO LAPP.

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