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Mittwoch, 05.08.2020

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Fahrradkurse für Viertklässler fallen aus

Der Pegnitzer Verkehrserzieher Sebastian Schneider hofft auf Unterstützung der Eltern. - 30.06.2020 16:54 Uhr

Sebastian Schneider ist Verkehrserzieher der Polizeiinspektion Pegnitz. Corona-bedingt fielen heuer die Fahrradkurse für Schüler der 4. Klasse komplett aus.

© Foto: Klaus Trenz/Archiv


Vor besonderen Herausforderungen stehen die Verkehrserzieher der Polizei im Corona-Jahr. Bisher sind die für Viertklässler vorgeschriebenen und in den Vorjahren üblichen Fahrradkurse der "Jugendverkehrsschulen" ersatzlos ausgefallen, weiß Sebastian Schneider, Verkehrserzieher am Pegnitzer Polizeirevier. Nur für einen kleinen Teil der 4. Klassen im Inspektionsbereich fanden diese Fahrradkurse zum sicheren Verhalten junger Radfahrer im Straßenverkehr bereits im vorigen Herbst statt.

"Wir haben jetzt die Mitteilung vom bayerischen Kultusministerium erhalten, dass wir doch in den letzten vier Wochen des Schuljahres den Fahrradunterricht durchführen können." Sämtliche polizeilichen Verkehrserzieher des Präsidiums Oberfranken hätten sich aber gegen diese Möglichkeit entschieden. Schneider: "Das war in der Praxis nicht umsetzbar." Denn die Fahrradkurse bestehen aus insgesamt fünf Unterrichtseinheiten.

Als Notmaßnahme besuchte der Polizeibeamte die Viertklässler heuer nur an einem einzigen Tag, um ihnen die Gefahren des "Toten Winkels" deutlich vor Augen zu führen. Der Grund: Gerade Unfälle mit "Totem Winkel" hätten oft einen "schrecklichen Ausgang", weiß der Verkehrserzieher aus seiner polizeilichen Praxis.

Der Reihe nach durften sich die Schüler an diesem Tag ins Cockpit eines THW-Lasters setzen, um nachzuvollziehen, wie wenig von dort aus beim Abbiegen gesehen wird und wo genau der Tote Winkel ist. In Kirchahorn fand diese Übungseinheit mit Unterstützung eines örtlichen Busunternehmens statt.

Nach jedem Schüler gereinigt

Dieses wechselweise Probesitzen der Schüler war unter Corona-Bedingungen nicht ganz einfach, erinnert sich Verkehrserzieher Schneider: "Dazwischen hieß es: desinfizieren, desinfizieren, desinfizieren."

Außerdem hat der Polizist die Schulen gebeten, den theoretischen Teil des Unterrichts zu übernehmen. Themen waren "Verkehrssicheres Fahrrad", das "Verhalten an Stopp-Schildern" oder die "wichtigsten Verkehrsregeln".

Unter den aktuellen Ausnahmebedingungen hofft er nun, dass "viele Eltern mit ihren Kindern in den Ferien radfahren". Dieses Üben solle Teile des ausgefallenen Praxisunterrichtes ersetzen.

Schneider glaubt allerdings nicht, dass der ausgefallene Fahrradkurs im nächsten Schuljahr für Fünftklässler an weiterführenden Schulen nachgeholt werden kann. "Die haben andere Themen."

Die Fahrradseminare fanden bisher alljährlich auf dem Verkehrsübungsplatz hinter der Sammethalle in der Pegnitzer Lohesiedlung statt. Schneider erklärt: "Der Aufbau ist eigentlich ganz einfach." Inhaltlich geht es um das Rechtsfahrgebot, das Einfädeln in den fließenden Verkehr, aber auch ums Linksabbiegen oder um Baustellen. "In einer Unterrichtseinheit geht es um die Ampel."

Immer wieder hört Schneider — selbst Familienvater — von Schülern, dass deren Eltern mit dem Auto bei gelber Ampel "noch schnell durchfahren". Jugendliche Radler dürften sich solche Verhaltensweisen keinesfalls zum Vorbild nehmen.

Vorsicht bei Einbahnstraßen

Zu den häufigsten Fehlern bei der Praxis-Prüfung zum Abschluss des Fahrradkurses gehört das Nicht-Beachten des Abbiegepfeils oder verbotenes Einfahren in Einbahnstraßen. Dieses sei zwar in Großstädten für einzelne Einbahnstraßen erlaubt — in Pegnitz aber nicht. "Da darfst du niemals reinfahren", schärft der Verkehrserzieher aus Leidenschaft seinen Schützlingen ein.

Dennoch passiert es immer mal, dass ein Viertklässler durch die Fahrradprüfung rasselt. "Beim Nachholtermin sind dann die Eltern mit dabei, dann klappt es auch."

Ein Anliegen liegt dem Verkehrserzieher besonders am Herzen: "Radfahrer sollten unbedingt einen Helm tragen". Auch wenn das gesetzlich nicht vorgeschrieben sei. "Denn das kann Leben retten."

Immer mal wieder schauen die Pegnitzer Polizisten — meist auf Wunsch der Schulleitungen — auf Fahrradstellplätzen vor den Schulen vorbei. "Beim einen fehlt die Klingel, beim anderen die reflektierenden Katzenaugen." Oder das Licht geht nicht.

Strafen gibt es keine. Aber stattdessen polizeiliche Hinweiszettel für die Eltern des jugendlichen Radfahrers. Eigentlich braucht es diese gar nicht. "Die meisten Schüler wissen ohnehin Bescheid, was fehlt."

Grundsätzlich sollten Radfahrer und Autofahrer mehr Verständnis füreinander haben. Und die Fußgänger "rücksichtsvoller" behandeln. Radfahrende Erwachsene sollten stets ein "gutes Vorbild" sein. So seine Wunschvorstellung.

FRANK HEIDLER

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