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Erfolgreicher Nordischer Kombinierer aus Pegnitz

Der Adler ist gelandet: Manfred Tietze gehörte einst zu den besten Deutschen in dieser Disziplin - 09.12.2019 06:55 Uhr

Für das Foto schnallt sich Manfred Tietze noch einmal die Rollskier aus den 1960ern, mit denen er damals im Sommer trainiert hatte, unter die Füße. Im Hintergrund sieht man den Hainbronner Berg, auf dem bis Ende der Sechziger die Schanze stand.

© Ralf Münch


Der 73-Jährige sitzt am Tisch in seiner Küche. Ein paar Urkunden hat er herausgeholt. Auch ein paar Anstecknadeln, auf denen seine sportlichen Erfolge dokumentiert sind, etwa sein persönlich größter Erfolg, als er in der Nordischen Kombination in Winterberg bei den Deutschen Meisterschaften den dritten Platz schaffte. "Das Meiste habe ich weggeschmissen. Die ganzen Sachen lagen hier 50 Jahre herum. Und ich brauche nichts, um mich an die Zeit erinnern zu können." Mit der "Zeit" meint er den Anfang und das Ende seines Sports.

"Ich war schon immer fasziniert vom Wintersport", sagt Tietze. Egal, ob Skispringen, Langlauf oder Abfahrtslauf. Damals, als er mit neun Jahren angefangen hatte, zu springen, hatte der Skiclub Pegnitz immer die Jugendskitage veranstaltet und oberhalb der jetzigen Realschule eine Naturschneeschanze gebaut. Provisorisch aus Brettern, Balken und Naturschnee – den gab es damals vor Ort noch. Dort konnte man schon bis zu 15 Meter weit springen, "das habe ich dann immer mit meinen normalen Skiern gemacht."

Ausgleich möglich

Ihm wurde vom Skiclub aber empfohlen, dass er sich nicht nur aufs Skispringen konzentrieren sollte. Sondern eben auf die Nordische Kombination, also Langlauf gepaart mit Skispringen. "Das war ein guter Tipp. Denn eigentlich war Langlauf immer meine bessere Disziplin. Und bei Meisterschaften kann man einen schlechteren Sprung durch einen besseren Langlauf ausgleichen. Und natürlich auch umgekehrt."

Anfang der 1950er Jahre baute man auch eine Jugendskischanze gegenüber der Justizakademie, dort, wo jetzt der Aquarienverein beheimatet ist. Der Auslauf war beim heutigen Parkplatz des Gymnasiums. "Dort gab es auch eine Nachtbeleuchtung. Abends zu springen, war spannend und man flog auch schon bis etwa 25 Meter", erinnert Tietze sich.

Mit 13 Jahren hat er sich schließlich auf die "große Schanze" getraut. Die stand am Hainbronner Berg, eine kleine Schneise durch den Wald kann man noch immer erkennen. Und dort konnte man, wenn man es denn konnte, bis zu 55 Meter weit springen. Die Schanze sei ein Highlight gewesen. Beim Skispringen seien jedes Mal gut 1000 Zuschauer gekommen, um den Sportlern zuzuschauen. Heiner Zapf aus Bischofsgrün hielt ab 1960 den Schanzenrekord mit einer Weite von etwa 53 Metern", erzählt Tietze. "Ich selbst sprang damals mit 13 Jahren zwischen 39,5 und 42,5 Meter."

Skier geschenkt

Vom Skiverein bekam er schließlich Sprungski, weil die "vermutlich für meine Familie einfach zu teuer gewesen wären". Es war sein Vater, der ihn immer gefördert hatte und ihn teilweise auch ermutigte, weiterzumachen. Ermutigt deshalb, weil es auch genügend Stürze gab. Es gibt ja die Aussage, dass man lebensmüde sein muss, wenn man auf einer Schanze ins Tal rast. Ob Manfred Tietze nie Angst hatte bei seinem Sport? "Eigentlich nicht. Denn ich hatte mich auf den Schanzen immer Stück für Stück nach oben gearbeitet. Ich bin da reingewachsen."

Allerdings gab es dann doch einmal einen Moment, als er gezweifelt hat. Das war in Mönchröden. Auf einer Schanze, die gar nicht so groß war und bei der man nur etwa 40 bis 50 Meter springen konnte. "Das war ein echt sakrischer Sturz. Ich hatte mich ein paar Mal überschlagen und die Sanis kamen gerannt. Ich war etwas benommen und hab mich wieder aufgerappelt. Eigentlich wollte ich nicht noch einmal rauf. Aber dann kam mein Vater zu mir, hat mich wieder rauf gescheucht und sagte: "Mit einem gestürzten Sprung darfst du nicht aufhören. Sonst wirst du immer Angst davor haben." Darauf hörte Tietze und wurde am Ende dann doch Erster.

Stück für Stück entwickelte er sich, nahm an immer mehr Wettbewerben in Deutschland teil und wurde immer erfolgreicher. "Dadurch bin ich schließlich zum Bayreuther Sportverein gekommen. Das war Ende 1961. Die hatten dort klasse Trainingsbedingungen. Und dann begann auch meine Glanzzeit. Zuerst war ich in der Oberfranken-Auswahl, dann hab ich mich für die bayerischen Meisterschaften und für die deutschen Meisterschaften qualifiziert." Er war in Winterberg, Ruhpolding oder Garmisch am Start – immer unter den ersten Zehn der Nordischen Kombination.

"Der weiteste Sprung meiner Karriere"

In Garmisch hatte er auch sein einschneidendstes Erlebnis: "Ich bin im Olympiastadion gesprungen. Das war auch der weiteste Sprung meiner Karriere mit 95 Metern." Er erzählt davon, wie sich die Zeiten gewandelt haben. Davon, als man ohne Aufwärmkabine oben an der Schanze stand und man manchmal erst einmal eine Dreiviertelstunde fror, bevor man dran kam. Oder davon, dass es damals noch keine Windmesser gab: "Aufwind, Rückenwind, Seitenwind, das war völlig egal. Da wurde keine Schanze deswegen gesperrt." Damals hieß es noch: Augen zu und durch.

Mit 19 Jahren hörte Tietze schließlich mit seinem Sport auf – trotz toller Prognosen hinsichtlich seiner sportlichen Zukunft. Warum? Tietze lacht: "Na ja. Meine Interessen haben sich dann doch etwas verschoben. Es wurde mir zu mühselig, es war zu anstrengend, die ganze Zeit unterwegs zu sein."

Bis auf die Urkunden und die wenigen Anstecknadeln hat er dann doch noch etwas im Keller stehen: Die Rollerskier aus den 1960er Jahren, mit denen er im Sommer trainierte – und ein paar ausgediente Langlaufskier: "Das Zeug muss auch noch weg."

RALF MÜNCH

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