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Donnerstag, 18.07.2019

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Die "Uhrmachers Liesl" feierte 90. Geburtstag

Elisabeth Strehl verbrachte die meiste Zeit zwischen Stall, Küche, Metzgerei und Acker - 10.06.2019 18:30 Uhr

Elisabeth Strehl (sitzend) wird als zufrieden und fleißig beschrieben. Sohn Heinrich Strehl, Tochter Grete Schuster, Pfarrer Christoph Weißmann, die Töchter Marie Luise Daut und Babette Herrmann und Bürgermeister Karlheinz Escher (v.l.) gratulierten.


Die rüstige Jubilarin strahlt, wenn sie von früher erzählt. Gut erinnert sie sich auch noch an ein Pflichtjahr in einem Lebensmittelladen in Creußen, während des Krieges. "Sie werden lachen, wir fällt gar nichts ein, was ich sagen soll, was ich in einem 90-jährigen Leben ungerne gearbeitet hätte. Ich habe mich immer angepasst, gerne gearbeitet und gesungen."

Das Arbeitspensum entpuppte sich auch 1950 — nach der Heirat mit ihrem Hans — als wahrhaft nicht geschmälert, sondern sie hatte in der eingeheirateten Landwirtschaft, dem Gasthof und der Metzgerei alle Hände voll zu tun. Jeden Morgen, egal ob Sonntag oder Werktag, lieferte sie die Milch ab, die sie anfangs noch mit der Hand zuvor gemolken hatte und brachte sie stolz zur Milchsammelstelle.

Die bescheidene Elisabeth Strehl denkt gerne zurück und hat auch nichts vergessen. "Mein Gedächtnis ist sehr gut. Hören kann ich zwar nicht mehr so, aber sonst bin ich zufrieden. Einfach nur zufrieden", sagt sie und schaut dankbar zu ihrem Sohn Heinrich und ihren Töchtern Grete, Marie Luise und Babette.

Sie sind alle zum Feiern gekommen und hatten sich etwas ganz Besonderes ausgedacht: Mit einem Bus unternahmen sie eine Geburtstagstour durch die vertraute Gegend und sangen nach Melodien von Freddy Quinn, von dem die Jubilarin schon immer ein Fan war. Zum Schluss ging es zurück zu Plechs Weidenkirche, um inne zu halten und danke für die wunderbaren Jahre zu sagen. Die Plecher Stubenmusik, die Kartler und alle Nachbarn waren bereits am Morgen bei ihr im Gasthof "Zur Traube", um sie zu beglückwünschen. Das entstandene Blumenmeer an den zwei bereitgestellten Tischen zeugt davon.

Was ihr ein besonderes Glück bereitet: Die vier Kinder sind ebenso da wie die acht Enkel und die 15 Urenkel. "Sie sind mir alle lieb und herzlich willkommen", sagt sie und genießt, dabei blitzen links und rechts die kleinen Wangenknochen freudig errötet.

Urlaub gab es in den ersten Ehejahre nicht, erst als sie älter war, genehmigte sie sich mit ihrem Ehemann Hans Erholung in Bad Füssing. Ihr Mann verstarb 2017, vorher feierten sie zusammen noch Eiserne Hochzeit. "Für meinen Mann Hans strickte ich immer Kniestrümpfe mit einem extra Gummi versehen. Er hat keine anderen angezogen."

Wenn tägliche Arbeiten anfallen, die sie noch erledigen kann, ist sie auch jetzt noch schnell zur Stelle. Egal ob es um das Geschirreinräumen geht, Abspülen, Kartoffeln schälen oder Zwiebeln schneiden, sie ist stets flink dabei. "Wenn Knöpfe fehlen, sage ich zu meiner Tochter: Ich oder du, einer muss es reparieren. Ja, und dann habe ich es auch schon gemacht", sagt sie fast etwas unschuldig verschmitzt. Sie ist glücklich. Vier Generationen wohnen im Haus und sie ist zufrieden, dass sie sich noch selbst versorgen kann.

Von der Marktgemeinde überbrachte Karlheinz Escher die Glückwünsche und Pfarrer Christoph Weißmann sang ein Geburtstagslied. Einmal am Abend gönnt sich die bescheidene Seniorin ein kleines Glas Weizen, meist am Stammtisch. Dabei genießt sie den Abend und kann den vergangenen Tag noch einmal glücklich Revue passieren lassen. 

ROSI THIEM

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