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Die Liebe zu den Franken lässt sich lernen

Die Niederländerin Hermien Stellmacher erzählt in ihrem neuen Roman einen Teil der eigenen Geschichte - 10.10.2014 23:31 Uhr

Längst ist sie angekommen und möchte nirgendwo anders mehr leben: Die Niederländerin Hermin Stellmacher aus Püttlach. © Foto: Ralf Münch


Als Hermien Stellmacher aus Amsterdam nach Franken zog, war sie 13 Jahre alt, trug weite Pullis, hohe Stiefel und hörte Musik, die ältere Menschen wohl als Lärm bezeichnen würden. Wie eine Außerirdische landete sie im 70er-Jahre-Franken.

Dass sie bis 0.30 Uhr nachts wegbleiben durfte, nutzte ihr in Naila wenig. „Ich konnte allein im Wald sitzen.“ Heute, 42 Jahre später, würde sie nirgendwo anders leben wollen als in Franken.

Aus der Großstadt aufs Land, von Berlin nach Wiestal – dorthin schickt Stellmacher ihre Protagonistin Nina Lindner. Auf der Flucht vor einem cholerischen Ex-Mann und einem anhänglichen Ex-Liebhaber landet diese in der Fränkischen Schweiz.

Wie der literarische Zufall so spielt, erbt die alleinerziehende Mutter ein altes Gasthaus.

Aber nicht alles in dem fiktiven Örtchen Wiestal ist so idyllisch wie seine Lage zwischen Pottenstein und Pegnitz. „Dorf-Tratschen gibt es überall“, sagt die Autorin. Im echten Leben wie im Buch.

„Als mein Mann und ich geheiratet haben, sagten wir es einer Frau. Am nächsten Tag wussten es alle.“ Was im realen Püttlach nachbarschaftliche Flüsterpost ist, wächst sich im fiktiven Wiestal zu einem unangenehmen Spießrutenlauf für die Zugezogene und ihre Tochter aus. Als Fremder seinen Platz in einer gewachsenen Dorfgemeinschaft zu finden, ist nicht leicht. Arroganz und Zurückhaltung schaffe eine schier unüberbrückbare Distanz. „Wir Städter denken ja, wir seien mehr wert als die Leute auf dem Land und wir verstünden mehr von der Welt“, sagt Stellmacher.

Die Franken auf der anderen Seite seien mit ihrer „reduzierten Form der Begeisterung“ nicht leicht zu knacken. Dann trifft auch noch Hochdeutsch auf Dialekt. „Das kann unschöne Szenen geben.“ Unverständnis, üble Nachrede, Missgunst. Der Roman trägt aber nicht umsonst ein heiteres Sommer-Garten-Bildchen mit Schnörkelschrift, die suggeriert: Hier wird alles gut.

„Die lustigsten Passagen im Buch sind auf Fränkisch, mit Übersetzungshilfe für Neu-Franken. „Der Roman hat weiß Gott keine Message, aber wie vielschichtig ein Dorf ist und wie großartig die Menschen dort sind, finde ich doch eine wichtige Botschaft.“

Der Rowohlt-Verlag hat die Fortsetzung des Romans veröffentlicht, den Stellmacher mit einer Kollegin unter Pseudonym veröffentlicht hat. Das Pseudonym sei Wunsch des Verlags gewesen. Denn Stellmacher gilt in der Szene als Kinderbuchautorin. „Deshalb schrieb ich die Romane als Fanny Wagner“, sagt Stellmacher.

Im Rowohlt-Verlag sind „Garantiert wechselhaft“ und „Überwiegend fabelhaft“ , von Fanny Wagner und Carolin Birk erschienen. Lesungen: Freitag, 7. November, in der Gaststätte zur Wolfsschlucht in Muggendorf; am Mittwoch, 19. November, im Brot & Buch in Pegnitz und am Donnerstag, 20. November, in der Brauereigaststätte Herold in Büchenbach.

CHRISTINA KNORZ

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