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Die Angst vor der Schweinepest geht um

Im Landkreis sind Schweinehof-Besitzer nach wie vor sehr besorgt - 28.01.2018 07:56 Uhr

Auf dem Schweinehof der Geschwister Meyer in Zips will man mit rigorosen Verboten das Eindringen der Schweinepest verhindern. Ob das gelingt, ist allerdings nicht sicher. © Ralf Münch


Die beiden Geschwister besitzen in Zips einen großen Schweinehof. Zusammen haben sie rund 3300 Tiere. "Es wünscht sich natürlich niemand, dass die Krankheit zu uns kommt. Aber, wenn man es logisch betrachtet, dann ist das nur eine Frage der Zeit. Alle Landwirte gehen davon aus, dass die Krankheit nach Mitteleuropa kommt", sagt Andreas Meyer und fügt hinzu, "ich schätze etwa in zwei Jahren, wenn das so weitergeht".

Seine Schwester Iris kann aus eigener Erfahrung berichten, was passiert, wenn irgendwo die Schweinepest ausbricht. 2009 war sie auf einer Informationsreise in Russland. "Dort wollten wir uns Schweinezuchtbetriebe anschauen. Als wir ankamen, war die Schweinepest ausgebrochen und hat dort gewütet. Alle Ställe wurden geschlossen, wir durften nicht mehr rein. Die haben das jahrelang einfach nicht in den Griff bekommen."

Rund um die Ställe der Meyers sind Zäune angebracht. Mit Hinweisschildern, dass das Betreten verboten ist. Keiner, außer den Besitzern und dem Tierarzt, darf hier rein. Meyer: "Es wird ja oft gesagt, dass die Schweinehalter etwas zu verbergen hätten, weil sie niemanden in den Stall schauen lassen. Das ist Blödsinn. Hier geht es lediglich um die Sicherheit des Bestandes" – und damit auch um einen Existenzhintergrund. "Wir sind zwar versichert, wenn hier der gesamte Bestand gekeult werden müsste. Aber der Verlust und der Zeitaufwand, alles wieder neu aufzubauen, wäre enorm. Außerdem leben wir ja auch mit den Tieren", betont Iris Meyer.

Die beiden Schweinehalter können selbst nicht einfach so, ohne Vorsichtsmaßnahmen, in ihre Ställe marschieren. Zuerst wird in einem Vorraum ein Overall angezogen, werden die Schuhe gewechselt und die Hände desinfiziert. Dort steht auch eine Waschmaschine, in der die Overalls gewaschen werden. Weder die Schuhe noch die Bekleidung verlassen diesen Raum. Und wenn, dann darf die Kleidung nicht mehr im Stall verwendet werden. Eine Dusche, in der sich der Tierarzt erst duschen muss, um in den Stall zu gelangen, gibt es außerdem auch. Man achtet sehr genau auf größtmögliche Reinlichkeit.

Die Sicherheit, dass der Betrieb keinesfalls kurzfristig still gelegt werden muss, gibt es allerdings deswegen auch nicht. Selbst dann, wenn hier überhaupt kein Krankheitsfall auftritt. Den Grund dafür erklärt Andreas Meyer auch: "Das Problem ist, wenn etwa im Veldensteiner Forst ein Wildschwein an der Schweinepest erkrankt, dass 15 Kilometer rund um diesen Fundort ein Sperrbezirk eingerichtet wird. Das nennt sich gefährdeter Bezirk. Dann gilt ein Transportverbot für Schweine."

Frühestens nach sechs Monaten kann dieses Verbot nach dem letzten Nachweis der Afrikanischen Schweinepest bei Wildschweinen vom Veterinäramt wieder aufgehoben werden. "Jetzt muss man bedenken, dass die Sauen vier Monate trächtig sind. Wenn in dieser Zeit Ferkel geboren werden, dann wüssten wir gar nicht, wohin mit den Tieren. Es wäre einfach nicht der nötige Platz vorhanden. Wie das dann gemacht werden sollte, weiß noch niemand so genau", erzählt Iris Meyer. Ihr Bruder legt noch einen Fakt nach: "In Deutschland produzieren wir 115 Prozent unseres Verbrauchs an Schweinefleisch. Also 15 Prozent mehr als benötigt. Diese 15 Prozent gehen ins Ausland. Sogar bis nach China. Selbst, wenn in Norddeutschland ein Krankheitsfall auftaucht und unser Gebiet seuchenfrei ist, will niemand mehr Schweinefleisch aus Deutschland kaufen. Egal, woher aus Deutschland."

Krankheit nicht aufzuhalten

Die Angst vor der Afrikanischen Schweinepest ist groß und sie wird immer größer, je näher sie Deutschland kommt. Aufzuhalten wird sie nicht sein, denn ein Wildschwein kennt nun einmal keine Grenzen. Auch der Servicestellenleiter der Bayerischen Staatsforsten Pegnitz, Gerhard Steininger, der zuständig für das Wildgehege Hufeisen ist, hat nach eigenen Worten "größte Bedenken": "In freier Wildbahn kann man keine Wildschweine wegen der Krankheit untersuchen. Wie soll das gehen?"

Ein Krankheitsfall könne erst dann diagnostiziert werden, wenn ein totes Wildschwein gefunden werde, bei dem die Schweinepest eindeutig festgestellt wird. "Was unsere etwa 20 Wildschweine in den Gehegen betrifft, so muss ich sagen, dass wir die Gehege dreifach mit Zäunen abgesichert haben. Von außen kann kein Wildschwein in die Gehege kommen. Und raus können sie auch nicht", erklärt Steininger.

Die Tiere in den Gehegen können also von Artgenossen aus der freien Wildbahn nicht angesteckt werden. Sehr wohl allerdings von Menschen. Und zwar dann, wenn Wurstbrötchen in die Gehege geworfen werden. In der Wurst können sich die Erreger befinden und auch Monate überdauern. "Ich kann da nur an die Vernunft der Besucher appellieren, das nicht zu tun. Das wäre äußerst wichtig." 

Ralf Münch

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