21°

Sonntag, 21.07.2019

|

Bunte-Liga-Fußball statt DFB-Gekicke

Nach 20 Jahren als Organisator des Turniers Fussstock hört Andy Conrad auf und sucht einen Nachfolge - 18.06.2019 09:00 Uhr

Die Deportivo Domingo gewannen das Fußstock-Hobbyfußballturnier 2019. Andy Conrad (li.) hört nach 20 Jahren als Organisator auf. Auf Platz zwei kam das Team Footless, gefolgt von den International Kickers, den Bengasi Bombers und Bayer Leberhusten. © Foto: privat


Einst hat Conrad die legendären Bengasi Bombers gegründet, eine Hobby-Fußballmannschaft. Früher haben sie bei Turnieren mitgespielt – zum Beispiel bei den Flembach-Kickern – eine Kegel- und eine Eisstockmannschaft ist dann auch noch daraus erwachsen. Und irgendwann kam die Idee, ein eigenes Turnier zu organisieren.

Gegenentwurf zum Vereinsfußball

Dieser Bunte-Liga-Fußball liegt Conrad mehr, als das DFB-Organisierte. Es geht viel familiärer zu, sagt er. Und im Laufe der Jahre hat er viele verschiedene Teams kennengelernt. "Wir haben Ende der 90er Jahre mit den Bengasi Bombers beim Plärrer-Cup in Nürnberg mitgespielt", erzählt er. Da habe man viele andere Mannschaften kennengelernt.

Der älteste und der jüngste Spieler: Siggi Lang und Paul Winkelmaier.


Bei Fußstock, das anfangs in Hainbronn am Sportplatz stattfand und jetzt am FC-Gelände gespielt wird, sind türkische, tschechische, italienische und albanische Spieler dabei. Seit ein paar Jahren spielen auch die International Kickers mit, eine Mannschaft mit Flüchtlingen. "Die vergangenen zwei Jahre haben sie ausgesetzt, weil Ramadan zu der Zeit war", berichtet Conrad. Heuer habe man das Turnier extra so gelegt, dass diese Mannschaft wieder mitmachen kann. Ein wenig kurios wirkte es, als sich beim Fußstock am vergangenen Samstag das Team mit Flüchtlingen aus Afrika und Afghanistan in einer Spielpause auf Deutsch unterhielt. "Einer von ihnen ist total engagiert und meldet sich immer als Schiedsrichter", ist Andy Conrad begeistert.

Neben den vielen Nationalitäten sind die Mannschaften auch so bunt gemischt. Da spielen Männer und Frauen zusammen, Junge und Alte. Der älteste Spieler diesmal ist Siggi Lang mit 57 Jahren, der jüngste Paul Winkelmaier mit acht Jahren.

Warum er Fußstock ins Leben gerufen hat? "Ich wollte den Hobby-Fußball pflegen", erklärt Conrad. Er konnte mit dem Vereinsfußball noch nie wirklich etwas anfangen, und es sind auch kaum Vereinsfußballer bei den Mannschaften dabei. "Es können bei uns alle mitspielen, es geht einfach darum, gemeinsam einen schönen Nachmittag miteinander zu verbringen."

Gewinnen ist Nebensache

Das Sportliche steht nicht im Vordergrund, nicht das Gewinnen. Es spielt jeder gegen jeden, zwei Mal zehn Minuten auf dem Kleinfeld. Am Schluss tritt noch mal der Erste gegen den Zweiten an. Und der Gewinner bekommt dann den berühmten Bengasi-Pokal für ein Jahr – eben bis zum nächsten Fußstock.

Den Pokal hat Andy Conrad seinerzeit selbst gebastelt. Ein Elefant, der mal ein Kerzenständer war, ein Stück grüner Teppich, ein Tischtennisball und goldene Farbe. "Es geht mehr um die Ehre, diesen Pokal zu gewinnen", betont Andy Conrad.

Ob er selbst noch mitspielt? "Nein", sagt Conrad. "Früher war ich ja bei den Bengasi Bombers dabei, aber jetzt macht mein Knie nicht mehr mit." Das ist für ihn auch einer der Gründe, mit der Organisation von Fußstock aufzuhören. "Das sollte jemand machen, der selbst mitspielt", findet er.

Conrad ist zuversichtlich, dass es weitergeht mit dem Hobbyfußballturnier. Es brauche ein neues Konzept, aber er glaubt, dass es beim Waldstockverein genügend Leute gibt, die das auf die Reihe kriegen. Doch erst müsse der Verein mit dem neuen Vorstand sich selbst neu sortieren.

Musik statt Sport

"Ich bin schon traurig, aufzuhören, aber nach 20 Jahren wird es immer schwieriger, die Veranstaltung zu organisieren, wird es langsam eine Belastung", fasst Conrad zusammen. Langweilig wird ihm nicht werden. Denn neben seinem Beruf spielt er noch in vier Bands mit. 

FRAUKE ENGELBRECHT

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Pegnitz