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Bitte an Lehrer: "Hau’n Sie mir lieber eine runter!"

Ärger mit der Jugend gab es auch "in der guten alten Zeit" - "Blinder Passagier" auf der Stoßstange - 24.03.2019 12:17 Uhr

Als "blinder Passagier" fuhr ein Fünfjähriger aus Plech vor 50 Jahren auf der Stoßstange an Mutters Auto kilometerweit über die Autobahn. © Putschky


Wir hätten die Geschichte nicht geglaubt, wenn es nicht sogar ein Bild dazu gäbe. Da ist doch glatt ein fünfjähriger Knirps aus Plech 1969 fast sieben Kilometer auf der Stoßstange sitzend als "blinder Passagier" über die Autobahn mitgefahren.

Wie es dazu kam? Die 27-jährige Mutter hatte das Auto aus der Garage geholt und der Bub durfte bis zur Hofausfahrt mitfahren. Anschließend sollte er zur Oma laufen. "Ich bringe dir auch einen Osterhasen mit", verabschiedete sie ihren Jüngsten. Während sie noch kurz mit dem Postboten sprach, machte es sich der Fünfjährige jedoch unbemerkt auf der hinteren Stoßstange des VW-Käfers bequem.

Die Mutter, nichtsahnend losgefahren, wunderte sich, dass sie auf der Autobahn mehrmals angeblinkt wurde. Als sich an der Ausfahrt Veldensteiner Forst plötzlich ein Pkw quer vor ihr Auto stellte, reagierte die Plecherin noch unwirsch: "Sind sie denn verrückt?" Als sie aber ihren Knaben erblickte, der sich verzweifelt an der Stoßstange festgeklammert hatte, wurde sie totenblass. Statt ihn zu bestrafen, schloss sie ihn in die Arme, überglücklich, dass ihm nichts passiert war.

Schlagzeilen in den NN machte zur nämlichen Zeit auch ein Schreiner-Lehrling aus Pottenstein, der nach der Schule in Bayreuth nicht in seine Heimatstadt zurückgekehrt ist.

Als der Jüngling auch am nächsten Tag noch nicht aufgetaucht und auch die polizeilichen Ermittlungen im Sande verlaufen waren, fuhr der Lehrmeister selbst nach Bayreuth. Er entdeckte dort seinen Azubi und brachte ihn nach Pottenstein zurück. Warum der Junge von zu Hause ausgerissen war, verriet er nicht, wohl aber, dass er im Wald genächtigt habe.

Barbarische Strafe

Warum dagegen ein 15-Jähriger aus Neuhaus/Pegnitz daheim "getürmt" war, wurde bei der polizeilichen Vernehmung schnell klar. Weil er in der Schule einen Verweis bekommen hatte, bestrafte ihn der Vater barbarisch: Der Bub wurde erst mit einem Spazierstock verprügelt und sollte sich dann eine Stunde lang auf ein Holzscheit mit rostigen Nägeln knien.

In einem unbewachten Augenblick konnte der gequälte Jugendliche jedoch ausreißen. Mit einem am Bahnhof gestohlenen Rad fuhr er bei Schneetreiben, nur mit einer langen Unterhose, Hausschuhen und einer Jacke bekleidet, 24 Kilometer bis nach Hainbronn, wo ihn Bewohner in der Dämmerung völlig durchgefroren entdeckten.

Der Polizei erzählte er, dass er auf dem Weg zu seinem Onkel überfallen und seiner Hose beraubt worden sei. Erst bei der "Tatort"-Suche rückte er mit der Wahrheit heraus. Im Einvernehmen mit den Eltern wurde er schließlich von Amts wegen zum Onkel gebracht. Das beweist, dass – anders als heute – Schulverweise damals noch gefürchtet waren, vor allem wegen der Folgen daheim. Ein pensionierter Pegnitzer Lehrer erinnert sich: "Als ich damals einmal einen Verweis gegeben habe, kam der Übeltäter reumütig zu mir mit der Bitte: ,Herr Lehrer, hau‘n Sie mir doch lieber eine runter‘. Gesagt, getan – und Ruhe war."

rr

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