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Donnerstag, 22.08.2019

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Bayreuth: Ohne Fund ist es ein schlechter Tag

Auf der Autobahn fahndet die Polizei in zivil nach Waffen, Drogen und Diebesgut. Wir haben sie begleitet. - 09.07.2019 09:54 Uhr

Verkehrspolizist Michael Pickel überprüft ein Fahrzeug an der Rastanlage Fränkische Schweiz bei Pegnitz. Doch weder hier noch bei einer anderen Kontrolle werden die Beamten an diesem Tag fündig. © Julian Seiferth


Vor dem Einsatz lesen sich Krüger und sein Kollege Michael Pickel in die Lage ein: Was ist am vorherigen Tag vorgefallen, welche Fahrzeuge werden gesucht? "Diebe versuchen oft, gestohlene Fahrzeuge im Berufsverkehr mitfließen zu lassen", erklärt Michael Krüger. Dass der Verkehr an diesem Dienstagmittag ruhig ist, müsse noch gar nichts bedeuten.

Um 11.45 Uhr steuert Michael Pickel das Zivilfahrzeug auf die Rastanlage Sophienberg bei Bayreuth. "Wir fahren in jede Raststätte hinein", erklärt Pickel. "Da fühlen sich die Leute manchmal unbeobachtet und packen dann schon mal einen Joint aus." Also fährt er mehrere langsame Runden um die Parkbuchten des Rastplatzes, bis die beiden zufrieden sind und das Fahrzeug wieder auf die A 9 in Richtung Nürnberg lenken.

Auf dem Weg in Richtung Pegnitz fällt auf, dass die Verkehrspolizisten beim Überholen in fast jedes Fahrzeug hineinschauen. "Man lernt irgendwann, nach was man suchen muss. Da gewöhnt man sich dran", sagt Pickel.

Gegen halb eins, nachdem Krüger und Pickel an der Ausfahrt Hormersdorf, dem südlichen Ende ihres Dienstbereiches, umgedreht haben, fahren sie in nördlicher Richtung auf den Parkplatz Sperbes. Dort stehen vier junge Frauen in bunten Kleidern, sie tragen auffällige Frisuren. Sie sind, wie sich später herausstellt, auf dem Weg zu einem Musikfestival in Mecklenburg-Vorpommern. Die Beamten stoppen ihren Wagen vor einer Wiese, auf der die Frauen es sich mit einer Decke bequem gemacht haben.

Verabschiedung ohne böses Blut

Nach einem kurzen Gespräch beginnen die Polizisten, die Taschen und das Auto der Freiburgerinnen zu durchsuchen. Diese geben sich zwar entspannt, aber doch verwundert: "Bei uns in Baden-Württemberg dürfte die Polizei das nicht. Da muss es immer einen Anfangsverdacht geben." Die Durchsuchung ergibt nichts, man verabschiedet sich ohne böses Blut, wie Michael Pickel betont: "Die Damen waren sehr entspannt, da gab es für uns keinen Grund, uns anders zu verhalten." Warum die jungen Frauen ausgewählt wurden? "Nennen wir es mal Gesamterscheinung", sagt Pickel. Allerdings könne man sich auf diese auch nicht immer verlassen.

Wie eben beschrieben, ist die Kleidung nicht immer gleich ein Zeichen dafür, was man bei einer Durchsuchung finden kann. Die Hippies auf dem Weg zum Festival waren sauber, andererseits hätten die beiden auch schon den adrettesten Leuten Drogen abgenommen, wie sich Pickel erinnert: "Wir hatten schon mal einen alten Mann, bei dem wir zehn Gramm Kokain gefunden haben. Der hat uns erzählt, dass er eigentlich nur ein Gramm kaufen wollte, aber das Zeug in Berlin einfach unschlagbar günstig gewesen sei." Den neunjährigen Enkel habe der Mann damals auch dabeigehabt. Die Drogenfunde würden sich durch alle Altersgruppen ziehen.

Je kooperativer, desto gnädiger

Ein junger Mann mit Pfaffenhofener Kennzeichen reagiert auf seine Durchsuchung weniger entspannt als die jungen Frauen – auch bei ihm ist nichts zu finden. Als die Zivilstreife den Rasthof Fränkische Schweiz bei Pegnitz verlässt, erklärt Pickel: "Das war einer aus der ,Warum gerade ich?‘-Fraktion. Nicht alle sind gleich freundlich." Das könne er prinzipiell nachvollziehen, immerhin halte die Kontrolle die Leute ja auf. Manche würden versuchen, so freundlich wie möglich zu sein, um die Begegnung möglichst kurz zu halten. Andere seien sehr wortkarg. "Es ist ja so", erklärt Pickel: "Je kooperativer die Leute sind, desto gnädiger ist der Staatsanwalt. Das gilt natürlich nur, wenn wir etwas finden."

Verkehrspolizist Michael Pickel überprüft einen polnischen Lastwagen. Doch auch hier findet sich nichts Verbotenes. © Julian Seiferth


Auf dem Weg zurück in Richtung Bayreuth fällt den Polizisten ein Fahrzeug auf. "Wir haben uns entschieden, diesen Seat zu kotrollieren." Dafür überholt Pickel das Auto zunächst auf der linken Spur, während Markus Krüger das Kennzeichen in sein Tablet eingibt. Das spuckt innerhalb von Sekunden unter anderem die Infos aus, wer der Halter ist und ob das Fahrzeug als gestohlen gemeldet ist. Nach dem Überholmanöver lässt Pickel sein Auto auf der rechten Spur zurückfallen, um auch von der anderen Seite einen Blick zu erhaschen. Während Pickel dann vor den Seat zieht, beginnt Krüger das Tablet zu bedienen, bis sich kurz vor der Raststätte Sophienberg hinter der Heckscheibe ein Schild aus der Fahrzeugdecke klappt. Darauf steht eine Anweisung: "Polizei – bitte folgen!" Auch die Durchsuchung des Seats ergibt nichts, die jungen Menschen setzen ihren Weg nach Kulmbach fort.

Bei der Gelegenheit erhält auch ein junger Franzose sein Nummernschild zurück. Das hatten ihm Krüger und Pickel am Tag zuvor abgenommen, nachdem sie bei ihm Marihuana sowohl im Blut als auch in der Tasche gefunden hatten. "Der effektivste Weg, ein Fahrverbot durchzusetzen ist, das Nummernschild einzukassieren", sagt Krüger. Um 13.30 Uhr bekommt er es nun zurück, versehen mit einer Warnung von Krüger: "Aber erst ab zwei Uhr wieder losfahren!" Dann sind die 24 Stunden Fahrverbot vorbei. Ein längeres Verbot kommt erst nach Auswertung der Blutwerte sowie der Zustellung des Strafbefehls auf ihn zu – das kann gut und gerne zwei Monate dauern. Am sinnvollsten, finden zumindest die beiden Polizisten, wäre es direkt im Anschluss an die Kontrolle.

Hitze ist schlimmer als Kontrolle

Weiter geht es an Bayreuth vorbei bis Himmelkron, wo Pickel wendet und wieder in Richtung Süden auf die A 9 fährt. Zwischen den Abfahrten Bayreuth Nord und Süd fällt den Beamten ein schwarzer Kleinbus auf. Die Überprüfung des Kennzeichens ergibt, dass es sich um das Fahrzeug eines Getränkeherstellers handelt. Die Beamten überholen und entscheiden, dass sie den Wagen überprüfen wollen. Wieder klappt Krüger das Schild aus, der Fahrer folgt und der Transporter wird an der Ausfahrt Bayreuth Süd kontrolliert. Der Fahrer, ein Brite, und seine beiden Mitfahrer, ein Franzose und ein Spanier, sorgen sich dabei eher um die Hitze als um die Kontrolle, denn ihre Klimaanlage ist auf der Fahrt von einem Event in Halle nach München ausgefallen. "Da drin könnte man Eier kochen", sagt der Spanier in gebrochenem Deutsch.

Im großen Laderaum des Kleintransporters haben die drei Insassen nicht nur ihre, sondern auch die Reisetaschen einiger Kollegen dabei. Michael Pickel hat einen Verdacht: "Hier sind überall Longpapes (langes Zigarettenpapier, Anmerkung der Redaktion) dabei. Irgendwo sollte Marihuana sein." Und tatsächlich: In der Tasche eines der Mitfahrenden findet der Beamte eine kleine, durchsichtige Tüte. Er riecht daran und sagt: "Hier war mal Gras drin, zu 100 Prozent." Doch mehr findet sich in den Taschen nicht. Markus Krüger testet noch eine weiße Substanz, die sich als harmlos herausstellt. Den Beamten bleibt nur, den dreien eine gute Fahrt zu wünschen. "Schon wieder umsonst geschwitzt", murmelt Pickel. Inzwischen ist es früher Nachmittag, die Temperaturen sind auf über 30 Grad geklettert.

Gegen 15.30 Uhr bringen die Polizisten das Auto zurück zur Verkehrspolizeiinspektion. "Heute war kein guter Tag", sagt Krüger, "auch am Funk war es sehr ruhig." Bei der Hitze würde niemand auf die Autobahn gehen, der nicht muss. Wer allerdings ein gestohlenes Auto oder einen Wagen mit Diebesgut, Waffen oder Drogen bewegen wolle, der würde lieber im dichten Verkehr mitfließen. Dann ist die Zivilstreife der Verkehrspolizei gefragt, so Krüger: "Wenn jemand zu schnell fährt, ist das nicht unsere Aufgabe. Dafür gibt es andere Einheiten. Wir sind dafür da, Diebesgut und verbotene Gegenstände von der Straße zu bringen." 

JULIAN SEIFERTH

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