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Auf der Bühne in Breitenlesau daheim

Versierte Handwerker Albert Hümmer tritt mit 81 etwas kürzer - 04.01.2018 17:08 Uhr

Eine Paraderolle für den Breitenlesauer Albert Hümmer war sein letzter Auftritt als Opa in dem Theaterstück „Brotsuppe und Champagner“. © Dieter Jenß


Gemeint ist die Theaterbühne des Gesangvereins Breitenlesau, auf der er sich sowohl in jungen Jahren vor seinem Ortswechsel nach Aschaffenburg und auch seit seiner Rückkehr 2003 in die alte Heimat pudelwohl fühlte. Dort wurde er zu einem Inbegriff für beste komödiantische Unterhaltung.

In diesem Jahr beendete Albert Hümmer — sehr zum Leidwesen seiner Fans — im Alter von 81 Jahren seine schauspielerische Laufbahn. Letztmals stand er beim Theaterstück "Brotsuppe und Champagner" in einer Paraderolle auf der Bühne. Als Opa. Bei dieser herrlichen Theaterkost stellte er einen wunderbar agierenden Laienspieler dar.

Bei der Feier zum 110—jährigen Bestehen des Gesangvereins, verbunden mit 70 Jahre Theaterbühne Breitenlesau, wurde Albert Hümmer durch Theaterleiter und Regisseur Heinrich Richter mit den Worten "Wir ziehen den Hut vor Deiner Leistung", verabschiedet. Bereits als junger Bursche spielte der Breitenlesauer in den 50er Jahren auf der Bühne mit.

Damals unter der Regie des unvergesslichen Konrad Stenglein im neu erbauten Saal der Gastwirtschaft Krug, in dem bis zu 500 Gäste Platz fanden. Zur Aufführung kamen ernste Stücke, wie etwa "Der Wildschütz von Bayrischzell". Gespielt wurde immer an Weihnachten, so Albert Hümmer, der bis 1968 dabei war. Mit dem "Schuster", so der Spitzname von Konrad Stenglein, trat er vor allem in den 60er Jahren als Gesangsduo, auch Bänkelsang genannt, in der ganzen Region bei größeren Events auf. Bekannt wurden sie als "Max und Waldemar". Schmunzeln muss Albert Hümmer beim Erzählen einer Anekdote aus dem Jahr 1968.

Er befand sich damals zur Vorbereitung auf die Meisterprüfung für den Beruf des Bau- und Möbelschreiners in Garmisch. Etwa drei Wochen vor der Prüfung kam ein Anruf an den Schulleiter vom damaligen Ebermannstädter Landrat Franz-Josef Kaiser, "Albert Hümmer wird dringend gebraucht. Er möge ihn wegen eines Auftritts am Wochenende zusammen mit Konrad Stenglein freistellen".

Gesagt, getan. Der Breitenlesauer fuhr — Kilometergeld wurde ihm erstattet — von Garmisch in die Fränkische Schweiz. Die Zeit mit Konrad Stenglein ist für ihn unvergesslich. Wie überhaupt das Jahr 1968 einen neuen Lebensabschnitt einläutete.

Denn Albert Hümmer’s neuer Mittelpunkt wurde durch die Heirat Aschaffenburg. Dort setzte er sein berufliches Wirken fort, das stets in Verbindung mit Holz stand. "Ich musste alles ausprobieren."

Als Restaurator tätig

Dazu passt auch, dass er in den 60er Jahren mehrere Jahre als Restaurator arbeitete und sich auch als Bildhauer mit Holzfiguren beschäftigte. In Aschaffenburg war er zunächst als Meister in einem Betrieb tätig. Eine besondere Vorliebe entwickelte er für Holzintarsien- und Furnierarbeiten.

So schuf er für seine kleine Tochter Isabell, die er im Alter von eineinhalb Jahren mit Unterstützung der Oma mütterlicherseits alleine aufzog, einen kleinen Puppenschrank mit Intarsienarbeiten. Auch erfüllte er in den 70er Jahren den Wunsch der Tochter, "ihr einen großen Schrank zu bauen". Für den ausschließlich aus kunstvollen Furnierarbeiten bestehende Schrank bot ihm ein Geschäftsmann damals eine unglaubliche Summe an.

Als aber seine kleine Tochter sich vor das Kunstwerk stellte und betonte "Papa das ist mein Schrank", war die Sache abgehakt, so Albert Hümmer.

Er musste auch die Erfahrung machen, dass das Leben nicht nur von Sonnenschein begleitet wird. Ein schwerer Schicksalsschlag war 1981 der Tod seiner damals zehnjährigen Tochter, die an einer unheilbaren Krankheit litt. Neuen Lebensmut schöpfte er danach beim Bau eines Hauses in seinem Heimatort Breitenlesau. Alles wurde von ihm selbst gebaut, einschließlich sämtlicher Einrichtungsmöbel. Sein Haus ist vor allem durch die vielen Intarsienarbeiten, ob bei Tischen oder Bildern, ein einziges Kunstwerk. Hierzu gehört auch der Bamberger Reiter. Seine Weisheit hierzu "Kunst kommt vom Können und das muss man lernen".

Die letzten 20 Jahre seines Berufslebens war er zudem mit der Montage von Küchen quer durch Europa, von St. Peter-Ording bis zum Gardasee und von Paris bis Wien im Einsatz.

In Aschaffenburg setzte Albert Hümmer eine weitere Leidenschaft fort: Singen im Chor. Bereits im Alter von 16 Jahren nahm ihn in Breitenlesau sein Vater zum Singen mit.

Musik hält Jung, so seine Devise. Beim 110-jährigen Gründungsfest wurde er für 65-jähriges aktives Singen geehrt, nachdem er in Aschaffenburg durchgehend beim dortigen Gesangverein Sängerkranz Damm mitwirkte.

Seit seiner Rückkehr ist sein Haus, in dem er vier Gästezimmer mit zehn Betten einrichtete und die Einrichtung natürlich selber baute, zum Teil bereits in zweiter Generation mit Gästen aus seiner alten Heimat mehrmals im Jahr belegt. Und wenn noch Zeit bleibt, dann ist Albert Hümmer als "z.b.V" im Brauereigasthof seines Neffen, Conny Krug, im Einsatz.

DIETER JENSS

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