Mittwoch, 20.11.2019

|

ASV Pegnitz feiert zum 30. Mal Zeltkirchweih

Günter Bauer: "Was Besseres gibt es für uns nicht" - Erfolgsgeschichte, die nicht so gedacht war - 17.08.2019 11:20 Uhr

Diese Woche stellten die ASVler ihr Zelt für die Kirchweih auf. Auch A- und B-Jugendfußballer packten mit an — und konnten sich auf die Unterstützung und den Rat der erfahrenen Helfer verlassen. © Foto: Klaus Trenz


Wobei: "Es klappt nie so, wie wir uns das als Veranstalter vorgestellt haben", sagt Fußballabteilungsleiter Hans Mösch. Aber wichtig ist eben, dass die Helfer wissen, wo sie hinfassen müssen, wenn irgendwo eine Wasserleitung streikt oder nicht mehr genug Zehnerle in der Kasse zum Rausgeben sind. Mösch hat zusammen mit Roland Kral die Organisation der Zeltkerwa von Hans Layritz übernommen. Der hilft immer noch bis in die frühen Morgenstunden und ist manchmal mit Mösch der Letzte, der das Zelt verlässt.

Was aber noch viel bedeutender für den ASV ist: Layritz war einer der Männer, die die Zeltkirchweih ins Leben riefen. 1990 war das, ein Jahr, nachdem die Fußballer des Vereins den damaligen Wirtsleuten des Sportheims bei deren Kirchweih geholfen hatten. "Da haben wir gemerkt, dass wir es können", sagt Layritz. Wenigstens ein Mal, alleine als Fußballabteilung. "Im Juni 1990 entschieden sich nach längeren Debatten der damalige Abteilungsleiter Hans Layritz mit seinen Mitstreitern in der Vorstandschaft der Abteilung Fußball, Albert Meider, Josef Schwindel, Horst Kriegelstein, der bis Juni 1990 die Fußball-Abteilung leitete, und Jugendleiter Günter Bauer, die Ausrichtung der Pegnitzer Zeltkirchweih 1990 zu übernehmen", hat Layritz für die Festschrift zur 30. Auflage verfasst.

So war es 1990 und so ist es heute: Die Fußballer helfen zusammen, um den Kirchweihbaum aufzustellen. © Repro: Hans Layritz


Dass es überhaupt eine zweite Auflage geben würde, hatten die ASVler nicht gedacht. "Aber wir haben von Anfang an die Zustimmung der Stadt bekommen. Bürger haben sich gewundert, warum es im Zelt so voll ist. Und wir uns auch", sagt Günter Bauer. Eine Erklärung war schnell gefunden: Endlich hatte die Stadt ihr eigenes großes Fest. "Zuvor war ja nichts geboten, da musste man immer über die Grenze nach Auerbach rüber", erinnert sich Bauer an eine Zeit ohne Zeltkerwa.

Zusammenhalt in der Abteilung

Außerdem merkten die ASVler, dass so eine Kirchweih eine sprudelnde Einnahmequelle für die Vereinskasse sein kann. "Was Besseres gibt es für uns nicht", sagt Bauer. 1996 wurde der A-Platz umgebaut, später ein Kleinfeld angelegt, erst vergangenes Jahr leistete sich der Verein eine Flutlicht-Anlage mit LED-Lichtern — ohne die Zeltkerwa wäre das und mehr schwierig geworden. Doch bevor Neid aufkommt: "Reich werden wir mit der Kirchweih nicht."

Dritter Grund: Die Kerwa bringt die Abteilung zusammen. 200 bis 250 Helfer braucht es jedes Jahr, die meisten werden aus der Fußballabteilung und Angehörigen rekrutiert. Alle müssen mit anpacken, auch die Jüngeren. Dieses Jahr haben A- und B-Jugendfußballer beim Zeltaufbau geholfen. "Da sitzt natürlich noch nicht jeder Handgriff", sagt Hans Layritz. Aber der Wille ist da — und die Erfahreneren als Anweiser und Hilfe auch. "Durch die Kirchweih haben die Mitglieder mehr zu tun miteinander", sagt Günter Bauer.

Die stattliche Anzahl an Helfern haben die ASVler von Anfang an gebraucht, "aber der Aufwand und die Auflagen sind deutlich mehr geworden", sagt Mösch. Heute kommt das Gesundheitsamt und pocht darauf, dass jemand, der kassiert, kein Essen anfasst. In den 90ern war das noch nicht so wichtig. Früher passte der Verein selbst vor und im Zelt auf, seit 1998 gibt es eine Sicherheitsfirma. Geändert hat sich auch das Heiratsalter der Fußballer, was aus ASV-Sicht ein Problem ist: "Früher war es klar, dass die Ehefrauen mitkommen und helfen", sagt Mösch. Das Küchenteam ist nahezu dasselbe wie vor 30 Jahren.

600 Arbeitsdienste

Am Kirchweihsonntag verteilen die Frauen 700 Essen binnen zwei Stunden — klingt viel, macht aber nur einen Bruchteil von dem aus, was während der Kerwa geleistet werden muss. 600 Arbeitsdienste hat Mösch zu verteilen, manche sind noch unbesetzt. "Dass die Leute ehrenamtlich weniger machen wollen, merken wir natürlich auch", sagt Bauer.

Trotzdem wird es auch diesmal wieder irgendwie hinhauen. Auch wenn es gilt, die Pegnitzer Firmen zu bewirten. "Früher haben viele Arbeitgeber ihren Mitarbeitern am Montagnachmittag zur Kirchweih frei gegeben", sagt Layritz. Die Beschäftigten kommen schon immer noch — aber mit Chef. "Jetzt essen die Firmen bei uns und danach geht es wieder zurück an die Arbeit."

Über diesen Zuspruch aus der Pegnitzer Geschäftswelt sind die ASVler froh. Die Gegenseite bekommen sie vor allem in den sozialen Netzwerken zu spüren und zu lesen — wenn beispielsweise darüber geschimpft wird, dass sich der Verein erdreistet, Eintritt für einen Abend voller musikalischer Unterhaltung zu verlangen, weil die Band bezahlt werden muss. Oder weil das Bier zehn Cent mehr kostet als im Vorjahr. Günter Bauer nimmt es gelassen: "Das ist eine laute, kleine Minderheit. Die große Mehrheit ist zufrieden und stumm."

MARCEL STAUDT

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Pegnitz