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Montag, 15.07.2019

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An der Hand von Niklas Süle ins Stadion

Der achtjährige Michelfelder Moritz Speckner lief mit dem Bayernstar beim DFB-Pokalfinale ins Berliner Olympiastadion ein. - 31.05.2019 17:27 Uhr

Moritz Speckner (4. Kind v.l.) lief beim DFB-Pokalfinale an der Hand von Bayernspieler Niklas Süle in das Berliner Olympiastadion ein. Der junge Michelfelder war von der Gesängen und Schlachtrufen der 75000 Zuschauer so beeindruckt, dass er sich nicht mehr erinnern kann, was der Nationalspieler mit ihm gesprochen hat.


Im Wohnzimmer saßen Mutter, Brüder und Großeltern vor dem Fernsehgerät. Aber dann war der Moment ganz schnell vorbei. Bei der Nationalhymne richteten sich die Fernsehkameras ausschließlich auf die Spieler, nicht auf die Kinder. "Kurz gesehen haben wir Moritz schon beim Einlaufen in das Stadion", freuten sich die Daheimgebliebenen.

Markus Speckner war näher dran. Er war mit seinem ältesten Sohn am Freitag nach Berlin gefahren und saß bereits auf seinem Platz auf der Gegentribüne, als die Mannschaften des FC Bayern München und des RB Leipzig das voll besetzte Olympiastadion betraten. Er war vor allem gespannt, mit welchem Spieler Moritz aus der Kabine kommen würde. Wer mit wem gehen würde, war erst kurz vor dem Einlaufen ausgelost worden.

Der Michelfelder marschierte an der Hand von Nationalspieler Niklas Süle ein. Der Mann mit der Rückennummer 4 sprach mehrfach mit dem Jungen. Davon weiß Moritz Speckner im Nachhinein gar nichts mehr. Die Kulisse im Stadion mit fast 75 000 lautstark jubelnden Fans mit ihren Gesängen und Schlachtrufen beeindruckte ihn und lenkte ab vom Small-Talk mit dem Bayern-Spieler, den er als immerhin "sehr witzig" in Erinnerung hat.

Insgeheim sympathisiert die Familie zwar eher mit dem 1. FC Nürnberg – Mama Carolin hat dort selbst in ihrer Jugend gespielt, drei Jahre meist im Mittelfeld – aber beim Pokalfinale feuerten die Speckners natürlich das bayerische Team an. Moritz, der am Donnerstag Geburtstag hatte, spielt in der F-Jugend der SG Auerbach Fußball. Ansonsten ist er gerne in robuster Kleidung unterwegs und spielt im Garten.

"Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin!" Was der Wunsch vieler Fußballteams ist, wurde für Moritz Speckner Realität. Die Möglichkeit, als Einlaufkind beim DFB-Pokalfinale dabei zu sein, hat der Junge seiner Mutter zu verdanken. Sie hatte im Internet ein Gewinnspiel entdeckt und für ihren ältesten Sohn eine Bewerbung mit Begründung in Reimform geschickt.

Und tatsächlich wurde Moritz Speckner mit einer Begleitperson eingeladen. Ein Wochenende für zwei Personen mit Übernachtung, Stadtführung und Stadionbesuch waren der Preis. Die Wahl der Begleitperson fiel auf den Papa. "Ich hatte offenbar die besseren Argumente", lacht Markus Speckner, dem die beiden Tage ebenfalls Spaß gemacht haben.

Spannend wurde es am Samstagabend, als die beiden Michelfelder mit den anderen im Hotel untergebrachten Einlaufkindern zum Stadion gebracht wurden. Die Eltern wurden auf die Tribüne geschickt, die Kinder in die "Katakomben" geführt, wo ein interessanter Blick hinter die Kulissen möglich war.

Eine Generalprobe des Einzugs habe es nicht gegeben, sagt Moritz. "Es waren ja schon viele Leute da, als wir kamen." Es sei schon spannend gewesen, als das Tor aufging und die Spieler mit den Kindern, die eine derart stimmungsvolle Kulisse nicht erwartet hatten, auf den Rasen traten.

Vom Sponsor des Gewinnspiels wurden die Kinder auch eingekleidet. Von Kopf bis Fuß in den roten Farben des FC Bayern München. Trikot, Hose, Stulpen und Fußballschuhe gehörten dazu. Selbstverständlich durften die Einlaufkinder die Kleidung mit nach Hause nehmen. Von einem Fanfest haben Vater und Sohn noch eine Fahne des RB Leipzig mitgenommen.

Ansonsten habe ihm in Berlin der schöne Lego-Shop gut gefallen, erklärt der Achtjährige. Viel Zeit am Wochenende war zwar vorgeplant, doch ein wenig Freizeit blieb Vater und Sohn doch. Unter anderem waren sie in diesem Spielzeuggeschäft. Ansonsten beeindruckten natürlich die großen Häuser und das Großstadtflair als solches. Das Hotelzimmer lag im 20. Stockwerk.

Ein Mann, der am Straßenrand jongliert hat, ist dem Jungen gut in Erinnerung geblieben. "So etwas sieht man in Michelfeld natürlich nicht", sagt Papa Markus. Als die Gruppe zum Stadion gefahren wurde, umrundete der Bus fünfmal die Siegessäule, lachen beide. Es wurde nämlich ein Film von der Fahrt gedreht und die Säule war offenbar als Hintergrund sehr willkommen.

Auch einige Klassenkameraden haben das Finale im Fernsehen verfolgt. Moritz hatte nicht überall herausposaunt, dass er nach Berlin fährt. "Das ist nicht seine Art", sagen die Eltern. Trotzdem sickerte die Nachricht durch, nachdem ein Freund es anderen Kindern erzählt hatte. Moritz weiß genau, wer das Spiel ganz oder nur eine Halbzeit gesehen hat.

Geduldig zählt er im NN-Interview Namen und Adressen seiner Klassenkameraden auf. Ob auch die Lehrerin das Spiel gesehen hat, weiß er nicht. "Da musst du Frau Schatz fragen", meint Moritz. Sicher ist er sich nur, dass sein Trainer zugesehen hat. Und wenn er selbst das Einlaufen mit Niklas Süle mal wieder ansehen will, gibt es zu Hause eine Aufnahme der Fußballübertragung.

Es waren ja schon viele Leute da, als wir kamen. 

BRIGITTE GRÜNER

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