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Dienstag, 23.07.2019

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48-Jährige agierte im Rausch wie enthemmt

Frau stand wegen Körperverletzung und tätlichen Angriff auf Polizeibeamte vor Gericht - 13.04.2019 12:11 Uhr

Die Beschuldigte sagte aus, dass sie sich nur bruchstückhaft an den Vorfall erinnern könne. Sie habe zu ihrer Tochter gesagt, dass sie mit ihren Freunden, mit denen sie nicht einverstanden gewesen sei, rausgehen solle. Auf einmal sei die Polizei in der Wohnung gestanden, vermutlich weil ihre Tochter sie gerufen hatte.

Zu dem Zeitpunkt saß sie mit einem Bekannten auf ihrem Balkon. Sie tranken Bier und Schnaps. Durch den Alkoholkonsum sei es wahrscheinlich zu den Beleidigungen gegen den Beamten gekommen. "Ich war selbst entsetzt, als ich den Brief mit der Anklage las", erklärte die 48-Jährige.

Als erster Zeuge wurde ein Polizeibeamter gehört. Er war mit einer Kollegin zur Wohnung der Angeklagten gekommen. Anlass sei ein Streit zwischen Mutter und Tochter gewesen. Die Tochter sagte am Telefon, ihre Mutter habe Alkohol getrunken und Tabletten genommen. Die Angeklagte hatte zuvor gesagt, dass sie vom Arzt verschriebene Antidepressiva einnehme. Als die Angeklagte die Polizisten in ihrer Wohnung sah, fing sie an, diese zu beleidigen. Die Stimmung der Frau schwankte zwischen aggressiv und weinerlich. Als sie aber begann, mit den Fäusten auf einen Glastisch zu schlagen, beschlossen die Beamten, sie ins Bezirkskrankenhaus einzuweisen und riefen einen Krankenwagen.

Tritt noch abgewehrt

Draußen wollte sie rauchen, was der Polizist ihr verweigerte. "Plötzlich versuchte sie, mich zu treten, ich konnte sie aber abwehren", sagte der Beamte aus. Weil sie so alkoholisiert war, fiel sie auf den Boden. Die Frau sollte dann fixiert werden, weigerte sich aber vehement. Auf dem Weg ins Krankenhaus entschuldigte sie sich für ihr Verhalten.

Rechtsanwalt Martin Böhmer fragte noch einmal nach dem Anlass des Einsatzes. Worauf der Polizist noch einmal den Anruf der Tochter angab. Richter Eik Launert und die Staatsanwaltschaft waren sich einig, dass das für die Polizei reiche, um zu kommen. Der Zeuge betonte, dass sie nicht wie das SEK die Wohnung gestürmt hätten, sondern erst an die Balkontüre geklopft und ruhig mit der Angeklagten gesprochen hätten.

Als zweite Zeugin wurde eine Polizistin gehört. Ihre Ausführungen entsprachen denen ihres Kollegen. Sie konnte sich erinnern, dass die Angeklagte einen Alkoholspiegel von etwa zwei Promille hatte. Zudem sei sie beim Zusammenpacken ihrer Kleidung extrem beleidigend geworden. Bei dem Versuch die Frau zu fixieren, erlitt sie außerdem ein Hämatom.

Als dritte Zeugin kam noch die 66-jährige Nachbarin zu Wort. Sie beobachtete die Situation auf der Straße und konnte den Tritt gegen den Polizeibeamten bestätigen. "Ich habe sie schon öfter betrunken gesehen und andere auch", sagte die Zeugin vor Gericht.

Der Staatsanwalt betonte in seinem Plädoyer, dass das Verhalten der Beamten vollkommen richtig gewesen sei. Durch die zwei Promille Alkohol im Blut und die Medikamente habe sich die Angeklagte in einem Zustand verminderter Schuldfähigkeit befunden.

Für die Frau spreche, dass sie durch den Alkohol erheblich enthemmt gewesen sei, zudem seien die Verletzungen sehr gering gewesen. Gegen die Angeklagte spreche, dass sie schon einschlägig vorbestraft sei. Er forderte eine Haftstrafe von neun Monaten auf Bewährung. Die Angeklagte darf in der Bewährungszeit von drei Jahren keinen Alkohol trinken und bekommt eine Geldauflage von 400 Euro.

"Das ist wie mit Kanonen auf Spatzen schießen von Seiten der Staatsanwaltschaft", so begann Rechtsanwalt Böhmer mit seinen Ausführungen. Seine Mandantin habe sich in einer Ausnahmesituation befunden und sei mit dem Auftauchen der Polizei überfordert gewesen. Auch die Unterbringung im Bezirkskrankenhaus überfordere sie. Wegen der Erinnerungslücken aufgrund des Alkoholkonsums sprach der Anwalt von mindestens einer "verminderten Schuldfähigkeit, wenn nicht gar von einer Schuldunfähigkeit".

Angeklagte entschuldigt sich

Er forderte eine Haftstrafe von nur drei Monaten auf Bewährung, sollte es überhaupt zu einem Urteil kommen. Als letztes Wort sagte die Beschuldigte, dass ihr das alles Leid tue.

Richter Eik Launert verurteilte die 48-Jährige zu einer Freiheitsstrafe von sieben Monaten auf Bewährung. Zudem muss sie einen Bewährungshelfer kontaktieren, eine Suchtberatung aufsuchen und 100 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. 

VON NADINE GEBHARD

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