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25 Jahre Einbahnregelung am Pegnitzer Marktplatz

In Hauptstraße wurde durch das Konzept vieles besser, doch ein paar Schwachpunkte blieben - 16.06.2019 17:00 Uhr

Durch die Hauptstraße in Pegnitz wird seit 25 Jahren nur noch in einer Richtung gefahren. Die Idee hatte Bäckermeister Heinrich Pflaum, der dazu heute noch steht. Einige Nebenwirkungen des Konzepts sorgen allerdings heute noch für Unmut. © Foto: Martin Burger


Es gab viele Konzepte für die Innenstadt, doch keines war so überzeugend, wie jenes von Heinrich Pflaum. "Es war in der Tat nicht so einfach. Wir haben viel mit den Einzelhändlern gesprochen, aber es kam nichts dabei raus. Bis Bäckermeister Pflaum seinen Vorschlag vorgebracht hat", erinnert sich Alt-Bürgermeister Manfred Thümmler.

Den großen Wunsch, dass eine Verkehrsberuhigung eintritt, gab es schon lange. "Der Marktplatz war zugepflastert mit Autos. Zudem fuhren um die 300 Laster pro Tag zu den Firmen im Industriegebiet. Das belastete die Innenstadt", erklärt Thümmler. Damit aus der Hauptstraße eine Einbahnstraße werden konnte, musste eines passieren: der Bau der Guyancourtbrücke. Das sei die Grundlage der Planungen gewesen.

Vor 50 Jahren war der Marktplatz noch total zugeparkt. © NN-Bildarchiv


Im Herbst 1994 war es dann soweit und die Brücke wurde eingeweiht. Der Schwerverkehr fuhr nun nicht mehr durch die Innenstadt und das Konzept von Heinrich Pflaum konnte umgesetzt werden. "Der Hintergrund, dass ich aktiv wurde, war, dass man eine Fußgängerzone einrichten wollte", erzählt Heinrich Pflaum, Bäckermeister der gleichnamigen Bäckerei an der Hauptstraße. "Das konnte ich so nicht akzeptieren, denn so eine Fußgängerzone funktioniert einfach nicht in jeder Stadt."

Pflaum wollte auch, dass die Fahrzeuge aus der Innenstadt verschwinden, aber Kunden trotzdem die Möglichkeit haben, in der Nähe zu parken. "Ich bin Pragmatiker. Es sollte wenig kosten und schnell umzusetzen sein", erklärt Pflaum. "Durch meine Idee konnte ohne große Mühe der Verkehr um 50 Prozent verringert werden." Freilich hätte man die Flächen schöner gestalten können, doch seine Idee sollte "keinen Schönheitswettbewerb gewinnen, sondern funktionieren".

Neben der Einbahnstraßenregelung unterstützte Pflaum auch die Idee eines Parkhauses. Doch das Projekt scheiterte aus mehreren Gründen. "Soweit ich weiß, hat sich das Wasserwirtschaftsamt eingeschaltet und angemerkt, dass es befürchtet, dass das untere Parkdeck bei Hochwasser unter Wasser stehen könnte", erinnert sich Pflaum. Zudem war er für die Anbringung von schrägen Parkplätzen. Seitliche Längsparker wären keine gute Lösung gewesen. "Ich bin trotzdem zufrieden. Irgendeinen Tod muss man immer sterben", sagt Pflaum. Auch die Einzelhändler sind zufrieden mit dem Konzept. Nach 25 Jahren gibt es kaum Punkte, die sonderlich stören. "Der Verkehr ist beruhigter", sagt Margit Ponfick Inhaberin des Lederwarengeschäfts Voit, "dafür ist die Brauhausgasse zum Schwachpunkt geworden." Diese werde nun stärker befahren.

Schallschutzfenster eingebaut

Die Familie Ponfick lebt selbst in der Brauhausgasse und berichtet somit aus erster Hand. "Wir mussten Schallschutzfenster einbauen, damit unsere Mieter und wir überhaupt dort weiterhin leben konnten. Das wurde einfach schlecht geplant", erklärt sie. Ihr Mann geht noch einen Schritt weiter und sieht die Innenstadt "bereits ausgestorben": "Mittlerweile ist die Innenstadt so unattraktiv geworden", sagt Fritz Ponfick, "es finden sich kaum noch Mieter. Die Konzentration der Einkaufszentren hat dazu beigetragen." Die Parkplatzsituation sieht er als "recht entspannt". Lediglich die großen Laster hätten ihre Schwierigkeiten. So könnten höchstens Sprinter auf dem Kurzzeitparkplatz parken – große Siebeneinhalb-Tonner würden alles blockieren. "Wir hatten Lieferanten, die sind drei Mal im Kreis durch die Einbahnstraße und Brauhausgasse gefahren, bis sie entnervt einfach angehalten haben", erzählt er, "damit war die Straße dicht." Zudem bemängelt er das Kopfsteinpflaster, das eine große Geräuschbelastung darstelle – einfacher Asphalt hätte auch gereicht.

Rundum zufrieden ist auch die Stadt Pegnitz. Natürlich gebe es immer Dinge, die man besser machen könnte, sagt Zweiter Bürgermeister Wolfgang Nierhoff und weiter: "Wir haben relativ wenig Beschwerden zur Einbahnstraßenregelung. Das ganze Konzept entstand ja in Zusammenarbeit mit den Einzelhändlern." Die Idee ein Parkhaus zu bauen, sei zum damaligen Zeitpunkt ein überlegenswerter Vorschlag gewesen – anhand der aktuellen Haushaltslage sei dies aber aktuell "absolut kein Thema".

MARTIN BURGER

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