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Volksfest: Betreiber großer Fahrgeschäfte haben Zukunftsangst

Schausteller beklagen Personalmangel und neue Sicherheitsanforderungen - 02.09.2019 06:05 Uhr

Für die einen kann es gar nicht wild genug sein, anderen wird schon beim Zuschauen mulmig. Spektakuläre Fahrgeschäfte ziehen nicht nur auf dem Nürnberger Volksfest das Publikum an. Doch die Betreiber der Attraktionen klagen über eine Vielzahl an Problemen, die ihnen das Leben zunehmend schwer machen. © Foto: Stefan Hippel


"Wo soll ich denn da anfangen?", fragt Maximilian Müller und kann sich ein sarkastisches Lachen nicht verkneifen. "Das Personal ist eine Riesenproblem", sagt der Betreiber des "XXL Kraken". Aktuell besteht sein Team aus sechs Rumänen. Die Sprachbarriere sei hoch, ein Interesse, die Sprache zu lernen, oftmals nicht erkennbar.

"Hartz IV war ein schwerer Schlag für die Branche", sagt Müller. Viele, die sich früher mit einem Job bei Schaustellern über Wasser zu halten versuchten, würden heute vom Staat aufgefangen. Der Mindestlohn habe die Situation weiter verschärft. Seit Polen und Rumänien der EU angehören, werde es noch schwieriger, geeignetes Personal zu finden. Immer wieder, das bestätigen andere Schausteller, verschwinden Mitarbeiter über Nacht in die Heimat. Manche kommen zurück, andere nicht.

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Es gibt (fast) nichts Schöneres, als an einem lauen Sommerabend über das Nürnberger Volksfest zu schlendern. Ob im Autosccoter, im Riesenrad oder flanierend in den Gassen - die Volksfest-Besucher hatten am Samstagabend viel Spaß. Unser Fotograf hat eindrückliche Bilder vom Dutzendteich mitgebracht.


Max Johannes Eberhard, seit über 50 Jahren auf Tour, moniert, dass in Europa kaum noch qualifizierte Fachkräfte zu finden seien, die auf Reisen gehen wollen. Darüber hinaus beobachtet der Inhaber der "Wilden Maus XXL" ein weiteres Phänomen: Noch nie seien so viele Fahrgeschäfte und Attraktionen binnen einer Spielsaison von Volksfestplätzen verschwunden. Zahlreiche Anlagen seien ins Ausland verkauft worden.

Betreiber springen plötzlich ab

Wie nahezu alle Betreiber großer Fahrgeschäfte kritisiert er immer neue sicherheitstechnische Auflagen. Viele Schausteller haben sich mittlerweile in Gruppen zusammengetan, um Tüv-Prüfungen bezahlen zu können. Andernfalls droht vielen, deren Attraktionen sich über Jahre ohne Beanstandungen bewährt hatten, der Ruin.

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Dass verstärkt Geschäfte im Ausland ihr Glück suchen und auf feste Standorte setzen, erlebt Lorenz Kalb hautnah. Immer wieder hat der Vorsitzende des Süddeutschen Schaustellerverbands damit zu kämpfen, dass Betreiber plötzlich abspringen. Mal hat einer einen dauerhaften Platz auf dem Wiener Prater ergattert, mal sieht einer seine Zukunft in Dubai. Damit Nürnberg für die Schausteller als Standort attraktiv bleibt, unterstützt Kalb sie bei der Suche nach Veranstaltungsorten vor und nach dem Volksfest.

Bürokratische Hürden

Nur für ein Ereignis eigens aus Berlin anzureisen, würde sich etwa für Müllers "XXL Kraken" nicht rechnen. Ohnehin wird die Anfahrt für Unternehmen immer schwieriger, wie er beklagt. Wenn sich seine drei Tieflader, ein Schwertransporter, zwei Lkw und ein Kranfahrzeug auf den Weg machen, können je nach Bundesland unterschiedliche (Ausnahme-)Genehmigungen fällig werden. Von Begleitfahrzeugen der Polizei einmal ganz abgesehen.


Volksfest: Schausteller warten oft Jahre auf einen Platz


Nürnberg ist für Müller dank der guten Anbindung und stets hoher Besucherzahlen trotzdem ein attraktives Pflaster. Ihm imponiert der Mix aus Gastronomie und Fahrgeschäften. Die Anforderungen seien allerdings deutlich gestiegen: "Früher waren die Leute schon begeistert, weil ein Fahrgeschäft da stand." Heute spiele der Unterhaltungsfaktor eine zentrale Rolle. Es kommt laut Müller auch auf Musik, Lichteffekte und eine witzige Ansprache an.

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