Sonntag, 08.12.2019

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Trotz Jubiläum: Boxdorfer Kärwa heuer ohne Festzug

"Der Zug war in der relativ kurzen Zeit nicht mehr zu stemmen" - 17.07.2019 19:23 Uhr

Kiss zu Gast in Boxdorf — das gibt es nur beim Kärwazug. Doch der fällt in diesem Jahr aus.


Das halbe Knoblauchsland schien gekommen zu sein, um die Stadtverwaltung bei der Bürgerversammlung zur Rede zu stellen – und sich für Kirchweihen und Kärwazüge starkzumachen.

Fast ein halbes Jahr später geben die Böllerschützen auf dem Festplatz direkt gegenüber der Turnhalle den Startschuss für die Boxdorfer Kirchweih. Die feiert heuer Jubiläum, seit 50 Jahren findet die Zeltkärwa hier im Nürnberger Norden statt. In diesem Jahr aber ohne einen Umzug.

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"Das tut mir in der Seele weh", sagt Andreas Riedl. Weil der Alt-Kärwabursche damit nicht allein ist, hat er Flyer gedruckt. Auf denen wollen die Kärwaburschen den Boxdorfern erklären, wieso der Zug ausfällt. Obwohl die Stadt nach mehreren Gesprächsrunden zugestimmt hat, Kosten für Ordner und Sachverständige zu übernehmen, ist "die Motivation der Kärwawagenbauer durch die überbordenden Vorschriften stark belastet", heißt es dort.

Abstimmung vorm Weißbierfest

Ergebnis ist eine "nicht mehr vorhandene Euphorie und eingeschränkte Kreativität in der Gestaltung der Motivwägen", schreibt Riedl. Nach den Gesprächen mit der Stadt hatte der Boxdorfer zu einer Info-Veranstaltung am Kärwaplatz eingeladen. "Ich habe dort einen Bulldog und einen Wagen aufgestellt, um zu erklären, worum es genau geht, welche Vorschriften einzuhalten sind", sagt er.

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Federspaß und Paukenschlag: Die Poppenreuther Kärwa

Volle Straßen am Sonntag in Poppenreuth: Ob in Tracht, im Hühnerkostüm oder als gefährliche Piraten verkleidet, der Fürther Stadtteil stach in diesem Jahr beim traditionellen Kirchweihumzug wieder mit einfallsreichen Kostümen und Themenwagen heraus. Da bekam natürlich auch Trump sein Fett weg. Für die jungen Leute ging's im Anschluss zum Wettstreit der Kärwaburschen.


Vor dem Boxdorfer Weißbierfest wurde abgestimmt. Von den Teilnehmern gab es ein klares Nein zum Umzug, sagt der Kärwabursche. Wohl auch, "weil der Zug in der relativ kurzen Zeit nicht mehr zu stemmen war". Zumindest nicht in der Qualität, die Riedl sich vorstellt. "Nur Fußgruppen, das machen wir nicht." Mancher Zug habe ihm deshalb in diesem Jahr nicht so gefallen, der in Almoshof dagegen sehr gut.

Vergangenes Jahr, zum 50. Jubiläum der Kirche "Zum Guten Hirten", habe man noch etwas richtig Großes auf die Beine gestellt. Auch da aber habe der Zug wegen der Auflagen kurz gewackelt, hat dann aber doch stattfinden können.

Kutschfahrten als Ersatz

Doch auch heuer soll den Kirchweihbesuchern am Sonntag viel geboten werden. Zwischen 13 und 16 Uhr finden Kutschfahrten durch Boxdorf statt. Mit auf dem Wagen: Andreas Riedl. Der Alt-Kärwabursche wird dann über die Geschichte des Dorfes und der Kirchweih sprechen: "Früher hat es in Boxdorf drei Wirtshäuser – und deshalb auch drei Kirchweihbäume – gegeben", verrät er.

Nach den Rundfahrten findet um 17 Uhr ein Armdrücken der Knoblauchsländer Kärwaburschen im Zelt statt. Dort wird am Vormittag um 10 Uhr bereits der Gottesdienst gefeiert. Die Kirchweih geht von Freitag bis Dienstag, am Samstag ab 16 Uhr wird der Kärwabaum aufgestellt, am Montag findet um 10.30 Uhr der Frühschoppen und um 17 Uhr das Betzenaustanzen statt. Dienstag ist Kinder- und Familiennachmittag (15 Uhr).

Und was ist 2020? "Das lasse ich komplett offen", sagt Riedl. Er hätte gerne, dass die Stadt den Kärwaburschen noch mehr entgegenkommt. Weil "Brauchtum braucht‘s", so steht es auch auf dem Flyer. Bürgermeister Christian Vogel aber macht auf Anfragen noch einmal deutlich: "Dort, wo ein Umzug gemacht werden will, findet er auch statt."

In Boxdorf hat man sich aber dagegen entschieden.

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