Samstag, 14.12.2019

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Silverbacks wollen nicht mehr Nürnbergs Nummer drei sein

Neben dem Aufstieg plant der Football-Verein auch ein eigenes Sport-Elite-Zentrum - 10.06.2019 15:09 Uhr

Hiergeblieben! Die Silverbacks entrissen den Herzogenaurach Rhinos kurz vor Schluss noch den Sieg. © Ralf Rödel


Es sind keine zehn Minuten, die Sven Kelly seinen Jungs gönnt. Während die Fans noch feiern, die Kapelle noch spielt, trommelt er schon seine Mannschaft zusammen. Und die, die eben noch jubelnd über den Platz gerannt sind und ihrem Coach eine Dusche mit dem großen Wasserkübel verpasst haben, sitzen nun ziemlich ehrfurchtsvoll vor genau diesem. „Ich bin noch nicht an dem Punkt angekommen, wo ich verstehe, dass wir heute gewonnen haben. Denn ich bin immer noch ziemlich sauer, wegen der 50 Minuten vorher“, sagt er.

Das ist verständlich: Denn so wirklich hatte in diesem Spiel keiner mehr an die Silverbacks geglaubt. Bis kurz vor Schluss lagen sie mit 2:21 gegen die Herzogenauracher Rhinos zurück, die ihr erstes Spiel überhaupt in der Aufbau-Liga bestritten.

"Wir sind keine Anfänger mehr"

Daran erinnerten sich dann auch die Silverbacks. Es waren keine fünf Minuten mehr auf der Uhr, als die Nürnberger beschlossen, es allen noch einmal richtig zu zeigen. Mit drei Touchdowns – der letzte gerade einmal drei Sekunden vor Schluss – drehten sie das Spiel und siegten mit 22:21.

Kelly, der mit Trikot und Strohhut 60 Minuten lang an der Linie auf und ab marschiert war, reißt beide Arme hoch. Doch sein eigener Ehrgeiz bremst den Jubel schnell aus. „Wir sind keine Anfänger mehr. Unser Anspruch ist es, für klare Entscheidungen zu sorgen. Wenn ein Spiel so knapp ausgeht, ist es Zufall, ob man gewinnt oder verliert“, sagt er einige Minuten später. „Das ärgert mich, auch weil Herzogenaurach vor dem Spiel eine richtig große Klappe hatte, obwohl es ihr erstes Spiel war.“ Und dabei ist es noch gar nicht so lange her, dass sein Team selbst der Neuling war.

Erst im April 2017 gründeten acht Footballer um Sven Kelly den Verein, schon ein Jahr später startete die Mannschaft in ihre erste Saison in der Aufbau-Liga. Von vorne anfangen, ist für ihn nichts Neues. Für die Rams spielte er in der ersten Bundesliga. Danach ging Kelly in die USA, spielt am College und als Semi-Profi.Nach einem Sportmanagementstudium arbeitete er für die Miami Dolphins in der großen NFL. „Ich sehe Football nicht als Hobby, sondern als Beruf“, sagt er. Da ist es nur konsequent, dass er auch in Nürnberg Großes aufbauen will. Dass er dabei immer wieder aneckt auch. Bei den Hawks, die Kelly mit aufgebaut hat, trennt man sich schnell von ihm. Seine Methoden seien nicht mehr zeitgemäß, er zu alt, hieß es.

Mit den Silverbacks hat sich Kelly nun schon wieder seinen eigenen Traum gebaut. „Es ist unheimlich viel Arbeit, in Nürnberg ein drittes Football-Team zu erschaffen. Aber wenn ich nichts mehr mit Football machen würde, wäre das doch Materialverschwendung“, sagt er schmunzelnd. Seine Jungs dabei nicht an seinem eigenen Ehrgeiz verzweifeln zu lassen, ist eine schwere Aufgabe: „Die machen das Ganze ja als Hobby. Ich kann mit ihnen nicht so streng sein, wie ich es mit mir bin – sonst kommt keiner mehr zum Training.“

"Jetzt schon nicht mehr Nummer drei"

Doch er hat noch viel mit dieser jungen Mannschaft vor. „Wir wollen jedes Spiel gewinnen. Wenn der Aufstieg kommt, nehmen wir ihn gerne“, sagt er. Und wenn es nach Kelly geht ist Football nur der Anfang: Mit seinem Verein will er in Nürnberg eine Stätte für Sport und Bildung nach amerikanischem Vorbild errichten, in der „junge Menschen ihre Visionen verwirklichen können“ und die gute Athleten hervorbringt. Dafür will Kelly sogar einen eigenen Kindergarten und eine Schule bauen. Die Gespräche mit der Stadt laufen, noch sei aber alles „sehr festgefahren“, so Kelly.

Ob die Silverbacks langfristig die Nummer drei in Football-Nürnberg bleiben werden? Jetzt sprechen doch noch die Verbitterung, die alten Wunden – zumindest ein bisschen: „Ich sehe uns jetzt schon nicht mehr als Nummer drei, zumindest im sozialen Umgang. Die Rams kommen zum Training und schweigen sich zwei Stunden an. Unsere Jungs fahren sogar zusammen in den Urlaub.“

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