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Reichswald: Große Sorge um trostlose Baum-Gerippe

Das Reichswaldfest soll die Sensibilität für den Wald steigern - 16.07.2019 05:56 Uhr

Wenn sich die Krone einer Kiefer rot verfärbt, dann ist der Baum dem Tode geweiht. © Foto: Ralf Straußberger


"Wir wollen nicht dramatisieren, aber die Lage ist dramatisch", sagt BN-Landesvorsitzender Richard Mergner. Es sind die Kiefern, die bedroht sind – das Gewächs, das dem "Steckerlaswald" seinen Namen gibt. 62 Prozent macht der Kiefernbestand im Reichswald aus, der Rest sind Fichten, Eichen, Buchen, Birken. Die Nadeln in den Kronen vieler Kiefern färben sich rot. Ein Pilz, der sich durch den Wald frisst. "Befallene Bäume sind dem Tode geweiht", sagt BN-Waldreferent Ralf Straußberger. Der Kiefernprachtkäfer gibt den geschwächten Bäumen dann den Rest.

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Was ist zu tun? Mergner fordert ein massives Umsteuern in der Klimapolitik. "Wir stehen am Scheideweg: Entweder wir schaffen es, den Klimawandel aufzuhalten oder wir stehen vor einem Waldsterben 2.0. In den 1980er Jahren gelang es noch, mit der Entschwefelung der Kraftwerke und der Kraftstoffe die Versauerung der Waldböden einzudämmen und zu einer Erholung der sterbenden Wälder beizutragen." Das aber werde diesmal viel schwieriger, weil der Klimaschutz alle Lebensbereiche betreffe und schmerzhafte Einschränkungen nötig seien. Um die Wälder zu retten, brauche es rasch politische Entscheidungen, auch auf globaler Ebene. Auch die Staatsregierung müsse sich da einsetzen. Zahlreiche, abgestorbene Kiefern hat der BN beispielsweise bei Kornburg, bei Rohr im Kreis Roth, in Cadolzburg-Schwadermühle oder bei Seukendorf (beide im Landkreis Fürth) entdeckt. "Das ist ein Teufelskreis. Je lichter die Wälder durch das Absterben werden, desto stärker kann die Hitze in den Forst eindringen", so Straußberger.

Weitere Projekte in der Warteschlange

Nagt der Pilz von innen an den Bäumen, so frisst von außen ein Bauprojekt nach dem anderen am Reichswald: Da ist der sechsspurige Ausbau der Autobahn 6 bei Schwabach (Rodung von sieben Hektar Wald), der riesige Umbau am Autobahnkreuz Nürnberg-Ost (A9/A6; 16 Hektar) und der Neubau einer Brücke am Autobahnkreuz Nürnberg (A3/A9; rund 35 Hektar). Hier sind Fakten geschaffen worden.

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Doch stehen weitere Projekte in der Warteschlange, die weitere Einschnitte im Reichswald fordern: Etwa die geplante Park- und WC-Anlage bei Moosbach (fünf Hektar), die derzeit auf Eis liegenden Pläne der Nordspange zum Nürnberg (40 Hektar) oder der vorgesehene Ersatzneubau der Stromtrasse Raitersaich-Ludersheim (135 Hektar). Bürgerinitiativen und der BN wehren sich gegen diese Vorhaben.

Um die Sensibilität für den Wald zu steigern, veranstaltet der Bund Naturschutz am kommenden Wochenende das 47. Reichswaldfest am Schmausenbuck in Nürnberg, oberhalb des Tiergartens. Am Samstag (13 bis 19 Uhr) und am Sonntag (10 bis 18 Uhr) steigt das Familienfest. Am Samstag stehen auch Vorträge auf dem Programm.

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