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Plastikfrei leben: "ZeroHero"-Gründer gibt Tipps

Nach Nürnberg bekommt auch Erlangen einen Unverpackt-Laden - 22.02.2019 09:28 Uhr

Unverpackt ist in! Wie hier im Unverpackt-Laden "ZeroHero". © Roland Fengler


38 Kilogramm Plastikverpackungen schmeißt jeder Bundesbürger pro Jahr in die Tonne – und damit 14 Kilo mehr als der EU-Durchschnitt. Ein Problem, dass auch die EU verstanden hat. Bis 2021 muss Schluss sein mit zahlreichen Kunststoffprodukten. Dann werden unter anderem Wattestäbchen, Trinkhalme und Plastikgeschirr vom Markt verbannt.

Auch immer mehr Unternehmen und regionale Arbeitgeber sagen Kunststoff den Kampf an und verzichten auf Becher und Behältnisse in Kantinen und Kaffeeküchen. Doch auch jeder Einzelne kann etwas gegen das weltweite Plastikproblem unternehmen, findet Thomas Linhardt. Er hat Nürnbergs ersten plastikfreien Laden gegründet und plant nun den nächsten in Erlangen.

Die Plastikfalle lauert bereits gleich nach dem Aufstehen, genauer: beim Zähneputzen. Dabei gibt es eine einfache Alternative, erklärt Linhardt. Zahnbürsten aus Bambus mit Borsten aus Naturfasern seien komplett kompostierbar. Während von der Bürste nach dem Wegwerfen in wenigen Wochen nichts mehr zu sehen ist, braucht das Pendant aus Plastik rund 500 Jahre, um zu verrotten..

Dafür ist die pflanzliche Alternative etwas teurer: Zwischen drei und sechs Euro kostet eine Bürste im Schnitt. Wer sich vom Frühstückstisch ein paar belegte Brötchen für die Mittagspause einpacken möchte, dem empfiehlt der Experte eine Edelstahlbox statt einer Plastikbrotdose mitzunehmen.

Thomas Linhardt in seinem Unverpackt-Laden in Nürnberg. Nun folgt eine Filiale in Erlangen. © Roland Fengler


Auf dem Weg zur Arbeit noch schnell einen Kaffee mitnehmen? Keine gute Idee, findet Linhardt. Es sei denn, man ist entsprechend ausgestattet. Millionen To-go-Kaffeebecher landen jährlich im Müll. Viele Unternehmen haben sie mittlerweile aus Küchen und Kantinen verbannt. Alleine die N-Ergie spart pro Jahr rund eine halbe Million Becher, weil sie das Plastikprodukt durch Porzellantassen ersetzt hat.

Viele wollen Becher nicht mehr

Auch viele Leser wollen die Becher nicht mehr sehen: Von knapp 500 Menschen, die sich an unserer Online-Umfrage beteiligt haben, stimmten 92 Prozent dafür, Plastikprodukte aus jeder Kantine zu verbannen.

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Wer auf den Nebenbei-Kaffee nicht verzichten möchte, dem rät Linhardt zu einem Mehrwegbecher. Den könne man bei Cafés und Läden auffüllen lassen. Doch funktioniert das wirklich? "Mittlerweile tut sich was, die meisten Geschäfte nehmen das an", ist seine Erfahrung. Manche Verkäufer lehnen aber aus hygienischen Bedenken ab. Die sieht der Experte ganz und gar nicht. "Da ist oft Unwissenheit im Spiel, die Leute müssen sich einfach trauen zu fragen."

Manche Unternehmen geben hingegen sogar einen Rabatt, verpflichtet sind sie aber nicht, den Becher aufzufüllen. Wem das Nachfragen zu unangenehm ist, kann sich auch eine Thermoskanne von zu Hause mitnehmen.


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Unverständlich ist für Linhardt, wieso sich manche Leute Plastikwasserflaschen kaufen. "Wir haben gutes Leitungswasser in Nürnberg, das spart Müll und Geld." Wer mit einer eigenen Flasche in der Stadt unterwegs ist, kann sich außerdem in mittlerweile knapp 100 Geschäften kostenlos Wasser abzapfen. "Refill Nürnberg" heißt die Aktion, die der Verein Bluepingu ins Leben rief.

Was bringt der Verzicht?

Dass Plastikbecher oder Trinkhalme nicht gut für die Umwelt sind, dürfte jeder wissen. Bei einigen Produkten denkt man jedoch nicht sofort an schädliches Plastik. Auch in Kleidung kann Kunststoff verarbeitet sein, warnt der Gründer des Unverpackt-Ladens. Wer auf Nummer sicher gehen will, solle im Geschäft Klamotten aus 100 Prozent Baumwolle – am besten Bio-Qualität – aussuchen.

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Doch was bringt der persönliche Verzicht, der Versuch, die eigenen 38 Kilo Müll schrumpfen zu lassen, wenn weltweit Aberhunderte Tonnen Plastik verbraucht werden? "Wenn jeder so denkt, ändert sich freilich nichts", so Linhardt. Man müsse kein Moralapostel werden, es reiche aus, wenn man einigen Freunden zeigt, was man macht, findet er. "So wird der Kreis immer größer." Und weiter: "2021 kommt ein EU-weites Verbot, aber angefangen hat alles mit ein paar Leuten, die etwas anders machen wollten." 

Kilian Trabert Volontär der Nürnberger Nachrichten E-Mail

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