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Freitag, 03.07.2020

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Plage oder süßes Beiwerk? Gänse zurück am Wöhrder See

Die Wasservögel bevölkern Wiesen und Wege in Scharen - 30.06.2020 05:54 Uhr

Auf der Suche nach Futter sehen sich die Gänse auch ungeniert auf den Handtüchern und in den Picknick-Behältern von See-Besuchern um. © Hartmut Voigt


Rückblick: Vor zwei Jahren wurden sie zum Abschuss freigegeben. Dann wurden den Tieren Eier aus ihren Nestern entnommen, um die Population zu dezimieren. Auch Gänse-Attrappen ließ die Stadt aufstellen, um sie vom Wasser wegzulocken. Geholfen hat das alles nichts. Es sind mehr denn je. Jetzt kacken sie wieder alles voll.


Wöhrder See: Gänse scheren sich einen Dreck um Sör


Wie viele Gänse es derzeit genau sind, weiß weder die Stadt noch der Landesbund für Vogelschutz (LBV). Es gibt keine offiziellen Zählungen. So schön sie auch anzuschauen sind, vor allem die Jungen, so unangenehm ist der Dreck, den sie hinterlassen. Rund zwei Kilo Kot in etwa 170 Portionen scheidet eine ausgewachsene Gans pro Tag aus, heißt es beim LBV. Das ist auch nicht zu übersehen: auf Grünflächen, auf Wegen rings um den Wöhrder See und vor allem an den beiden, neu angelegten Stränden, dem Sandstrand am Nordufer und dem in der Norikus-Bucht. Wer hier barfuß durch den Sand stapft und nicht aufpasst, dem quillt der Dreck zwischen den Zehen durch. Ein Ärgernis.

Saugwürmer im Wasser

Aber auch ein gesundheitliches Problem für diejenigen, die im Wasser des Sees Abkühlung suchen. Ulrich Fitzthum, Leiter des Wasserwirtschaftsamtes Nürnberg, erinnert auf Anfrage an "Zerkarien". Diese Larven von Saugwürmern können die Ursache für ungefährlichen, aber üblen Juckreiz auf der Haut sein. Nach Angaben des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) gelangen Wurmeier über den Kot von wurmbefallenen Wasservögeln ins Wasser. "Sie sind nicht schädlich, aber unangenehm auf der Haut", sagt Fitzthum. Sonneneinstrahlung und Wärme beschleunigen die Aktivität dieser Tierchen. Die Übertragung könne man aber nicht nur Gänsen anlasten, alle Wasservögel geben diesen Erreger ab.

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Beim städtischen Servicebetrieb öffentlicher Raum (Sör) sieht man mit Sorge auf die jetzt stark wachsende Population der Kanada- und Graugänse. Vor zwei Jahren schlug das Thema kräftig ein, nachdem sich Bürgermeister Christian Vogel (SPD) für den Abschuss der Tiere entschieden hatte. Der ging gewaltig nach hinten los. Der 30-minütigen Jagd folgte monatelanger Ärger. Acht Kanada- und Graugänse wurden erlegt, ein Tier hatte lange noch um sein Leben gerungen. Tierschützer waren empört, eine Flut von Hass-Botschaften aus ganz Deutschland landete beim Bürgermeister, darunter auch Morddrohungen. Der Vorfall geriet zu einem Krimi, an dem bundesweit auch überregionale Medien mitschrieben.


"Todeskampf" am Wöhrder See: Erste Gänse abgeschossen


"Wir müssen damit leben"

Doch die Stadt wollte den Kampf gegen die "Gänseplage" nicht aufgeben – und griff auf eine unblutige Methode zurück: die Ei-Entnahme. Experten suchten die Nester auf, und tauschten die Gelege gegen Beton-Eier aus. Das klang vielversprechend. Und laut Sör-Sprecher André Winkel wirkte das im vergangenen Jahr auch. "Allerdings musste heuer die Ei-Entnahme wegen Corona ausfallen", sagt er. In den Monaten März und April hätten die Eier stibitzt werden sollen — der Zeit also, in der verschärfte Infektionsschutz-Regeln galten. "Da war klar, die Tiere werden an den Standorten bleiben. Wir müssen jetzt mit der Vielfalt der Gänse leben", sagt er. In der nächsten Saison wolle die Stadt wieder anknüpfen und Eier entnehmen. "Wir hoffen, dass wir das Problem dann wieder in den Griff kriegen."

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Um aber die Hinterlassenschaften wegzuräumen, habe Sör einen speziellen Traktor angemietet, der in der Lage ist, den Gänse-Kot aufzunehmen. Winkel: "Der kommt normalerweise auf Plätzen des Pferdesports zum Einsatz, um die Pferdeäpfel einzusammeln. Bei Gänsekot hat sich die Maschine schon bewährt."

Die umstrittenen Wasservögel fühlen sich am Wöhrder See und anderen bayerischen Seen einfach wohl. In diesen Tagen hört man auch verstärkt Klagen aus der Region Tegernsee im südlichen Oberbayern. Der Abschuss wird dort diskutiert. Doch davor schrecken die Bürgermeister in den Gemeinden rund um den Tegernsee zurück. Schon jetzt gibt es Proteste von Tierschützern. Den blanken Hass, wie ihn Christian Vogel erleben musste, scheut man jetzt auch dort. Dem Vernehmen nach findet sich auch kein Jäger für diese unliebsame Aufgabe.

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