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Nach OB-Aus: Maly über Nachfolger und Kulturhauptstadt

Der Nürnberger Oberbügermeister über seine überraschende Entscheidung - 22.03.2019 06:00 Uhr

Im Interview spricht Nürnbergs Oberbürgermeister Ulrich Maly über seinen Rückzug. © Horst Linke


NN: Herr Maly, Sie haben vor wenigen Tagen erklärt, dass Sie bei der Kommunalwahl 2020 nicht mehr antreten. Fühlen Sie sich erleichtert, weil die Nachricht endlich raus ist?

Ulrich Maly: Nein, erleichtert ist das falsche Wort. Ich fühle mich wie immer, ich bin ja noch derselbe wie vor einer Woche. Aber es macht natürlich einen Unterschied, ob alle Welt über so ein Thema redet oder du ganz normal in der Mühle bist. Die Nachricht hat auch eine Menge Missverständnisse produziert: Es gab Leute, die meinten, ich hätte den Koffer gepackt und das Rathaus schon verlassen. Ich bin aber noch 13 Monate da und gedenke nicht, jetzt 13 Monate lang Abschiedsreden zu halten (lacht). Ich mache so weiter wie bisher. Aber mir ist völlig klar, dass sich das Interesse auch wenden wird. Bei manchen Terminen wird jetzt schon lieber der neue OB-Kandidat angefragt und nicht mehr ich.

NN: Wann war die Entscheidung für Sie persönlich klar?

Maly: Ich denke schon lange darüber nach. Meine Frau Petra und ich haben letztes Jahr im Sommerurlaub lang darüber geredet. Wir haben es dann für uns beschlossen, und in den Wochen danach habe ich es den Genossen erzählt. Klar haben mir die Wahlergebnisse der SPD bei der Landtagswahl die Entscheidung schwergemacht. Und ich bin ja nicht frei von Eitelkeit: Kurz nachdem ich mich entschieden hatte, kam diese Pressemeldung mit Deutschlands beliebtestem Oberbürgermeister rein. Anders als viele denken, dass man da jubelt, habe ich mir gedacht: Auch das noch! Aber ursprünglich wollte ich nur zwei Amtszeiten machen, zu Beginn 2002. Wobei du ja keine Ahnung hast, was wirklich auf dich zukommt als OB. Was es bedeutet, bekannt wie ein bunter Hund zu sein, kann man sich abstrakt nicht vorstellen.

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NN: "Deutschlands beliebtester Oberbürgermeister" - Sie hinterlassen große Fußstapfen, die ein Nachfolger erst einmal ausfüllen muss.

Maly: Wenn man Thorsten Brehm oder einen anderen Kandidaten mit mir aus dem Jahr 2019 vergleicht, ist das natürlich grandios ungerecht. Ich bin ja auch nicht erst politisch zu voller Größe gewachsen und dann OB geworden, sondern habe mich im Amt entwickelt. Diese Chance muss man jedem geben. 

NN: Kulturreferentin Julia Lehner (CSU) ist davon ausgegangen, dass Sie weitermachen - und war fassungslos, weil Sie es nicht tun. Was bedeutet Ihr Abschied für die Kulturhauptstadt-Bewerbung?

Maly: Nix.

NN: Der Chef des Bewerbungsbüros, Hans-Joachim Wagner, wünscht sich, dass Sie nach Ihrer OB-Zeit in einer gemeinnützigen GmbH mitmischen.

Maly: Über Anschlussverwendungen sprechen wir erst nach dem 1. Mai 2020 (lacht).

NN: Schließen Sie es aus?

Maly: Ich schließe es nicht aus, habe aber auch nicht aktiv vor, das zu machen. Die dann Handelnden müssten sich überlegen, ob sie es wollen, dass der Alte mit weit gespreizten Flügeln oben drüber schwebt. Ich würde jeden Nachfolger verstehen, der sagt, ich möchte das nicht. Es gibt ja unterschiedliche Verhaltensweisen von Alt-Oberbürgermeistern. Manche halten sich komplett raus, andere können nicht wirklich loslassen. Da halte ich es mit Günther Beckstein: "Ratschläge von Vorgängern sind immer mehr Schläge als Rat."

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NN: Thorsten Brehm soll Ihr Nachfolger werden. Der junge SPD-Chef wirkte bislang sehr zurückhaltend. Noch kennt ihn kaum jemand. Warum setzt die SPD nicht auf Bürgermeister Christian Vogel?

Maly: Das war eine interne Entscheidung. Ich halte die beiden für ein ideales Team. Christian Vogel ist ein sturmerprobter Bürgermeister, der auch wieder für das Bürgermeisteramt zur Verfügung steht. Das wird mit dem Generationenwechsel kombiniert, den Thorsten Brehm repräsentiert. Er ist Mitte 30, hat genügend Erfahrung und ist in allen städtischen Themen zuhause. Das Erstwahlalter für politische Spitzenfunktionen wird immer jünger. Das finde ich nicht schlimm, weil einem der Job auch körperlich einiges abverlangt. Alt wird man von selber in dem Amt (lacht).

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NN: Worauf freuen Sie sich am meisten, wenn Sie Ihr Amt abgegeben haben? 

Maly: Auf die Selbstbestimmung. Auf die ganz kleinen Dinge, im Sommer auf der Terrasse sitzen zum Beispiel. Ich brauche sicher eine Strukturierung. Die Arbeitsteilung zuhause muss neu austariert werden. Das Rundum-Sorglos-Paket wird einer gerechteren Aufteilung weichen. Letzte Woche war zum Beispiel eine Anzahlung für das Leihauto unseres Island-Urlaubs fällig. Seitdem ich Kämmerer war, mache ich zuhause keine Geldgeschäfte mehr. Ich kann wahrscheinlich nicht mal eine Online-Überweisung ausfüllen. Ich habe zu meiner Frau gesagt: "Schatz, kannst Du das bitte bezahlen?" Sie hat gesagt: "Ja, heuer schon noch." (lacht)

NN: Haben Sie keine Angst, dass sich irgendwann doch ein Loch auftut? Das geht ja vielen so, die zu 100 Prozent ihre Arbeit leben und dann aufhören.

Maly: Doch, ich habe die Befürchtung, aber ich kann hoffentlich dagegen ankämpfen. 

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