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Immer mehr Widerstand gegen Vonovia-Pläne für die Gartenstadt

Anwohner fühlen sich schlecht informiert und sammeln Unterschriften - 21.05.2019 05:55 Uhr

180 Unterschriften gegen die Nachverdichtung haben Yeliz Yesildag (li.) und Venezia Schütz bei ihren Nachbarn bereits gesammelt. © Volkan Altunordu


Die Experten bewerteten den Entwurf nach eingehender Prüfung nicht nur als "städtebaulich bedeutsames und vielversprechendes" Projekt. Lob gab es auch für die frühzeitige Information und Beteiligung der Anwohner.

Doch in diesem Punkt besteht offenbar Nachholbedarf, wie sich vor Ort in der Gartenstadt zeigt. "Ja, da waren zwei Herrschaften von der Vonovia hier ", berichtet Claudia Berger. "Aber da ging es um Grünanlagen, um Zufriedenheit mit den Wohnungen und die Lebensqualität im Viertel und so. Davon, dass die Häuser bauen wollen, war keine Rede", ist die 60-Jährige überzeugt. Auch ihre Nachbarin von Gegenüber, die 82-jährige Paula Günter, pflichtet ihr bei: "Wir wussten von nichts."


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Wie die beiden Damen weiß auch Andreas Pernet nichts von der anstehenden Nachverdichtung. "Da war mal eine Postkarte im Briefkasten", berichtet er, während er seinem zweijährigen Sohn beim Bobbycar-Fahren zuschaut. "Davon, dass da ein Haus hinkommt", sagt er und deutet auf den Grünstreifen direkt vor seiner Tür, "stand da nichts drauf."

Anwohner fühlen sich schlecht informiert

An Besuch von Vonovia kann er sich nicht erinnern. "Aber vielleicht waren wir gerade nicht zu Hause", vermutet er, ebenso wie Alex Müller (Name geändert), der eine Häuserzeile weiter wohnt. Immerhin kann sich der 22-Jährige etwas besser an den Flyer erinnern, der vor Wochen im Briefkasten lag: "Ich habe ihn leider weggeschmissen, aber ich glaube, dass da auch irgendetwas stand wie 'neuen Wohnraum schaffen'".

Den vom Baukunstbeirat gelobten Entwurf der Vonovia für sieben neue Häuser (rot und grün) an der Sebald-Heyden-Straße finden nicht alle Anwohner gut.


Reaktionen, die Siegfried Berg, Stadtplaner bei der Vonovia, wundern. Denn das Unternehmen hat nicht nur alle Haushalte mit Postkarten und Aushängen über die Nachverdichtung informiert. "Wir haben einen Dienstleister beauftragt, der Ende Februar/Anfang März im Viertel unterwegs war, um Fragen dazu zu beantworten und die Wünsche aufzunehmen," berichtet Berg.

Offene Kommunikation

Persönlich erreicht habe man dabei immerhin 176 von 390 Wohneinheiten, betont er. Trotz des eindeutigen Fazits - laut Berg sehen 72 Prozent der Befragten das Projekt "positiv" oder "neutral" - werde man es nicht bei der Aktion belassen. Auch im weiteren Planungsprozess will man Ideen und Wünsche der Bewohner berücksichtigen: "Die offene Kommunikation wird fortgesetzt", verspricht er. Wer Infomaterial zum aktuellen Stand will, könne dieses über den Hausverwalter oder das Vonovia-Büro vor Ort anfordern.

Venezia Schütz bringt das wenig. Sie und ihre Nachbarn waren auch nicht unter den Adressaten der Aktion im Februar/März. Der Grund: Sie sind keine Mieter der Vonovia, sondern Eigentümer im Häuserblock Sebald-Heyden-Straße 45/47. Und weil der auf der gegenüberliegenden Seite der Straße liegt, gelten sie baurechtlich als nicht direkt betroffen.

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Was die potenziellen Auswirkungen neuer Wohnungen angeht, sieht das natürlich anders aus. Schütz und ihre Nachbarin Yeliz Yesildag fürchten, dass die Parkplatzsituation im Viertel massiv verschlechtert wird. "Seit die Vonovia die Dachgeschosse ihrer Häuser ausbaut, ist die Not ohnehin unerträglich", berichtet Yesildag. "Abends sind sogar Feuerwehrzufahrten oft zugeparkt."


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Obwohl Vonovia als Bauherr nicht nur ein innovatives Mobilitätskonzept verspricht, sondern auch ausreichende Stellplätze nachweisen muss, werde das kaum helfen, sagt sie: "Viele nutzen zahlungspflichtige Stellplätze gar nicht". Zudem würden eine Reihe der ohnehin knappen öffentlichen Stellplätze auch noch den Zufahrten zu diesen neuen Parkflächen zum Opfer fallen.

Wohnungen regelmäßig unter Wasser

Das dementiert Siegfried Berg zwar auf Anfrage des Stadtanzeigers und versichert, dass sich die Zahl der Zufahrten nicht erhöhen wird, da bei der Planung des Areals auch einige bestehende Zufahrten wegfallen. Doch das ist nicht das einzige Problem, dass viele Bewohner mit dem neuen Vonovia-Projekt haben. Venezia Schütz etwa ist auch besorgt, dass die Infrastruktur in der Straße endgültig in die Knie geht. "Schon jetzt ist die Kanalisation bei Starkregen überfordert. Die Wohnungen im Erdgeschoss stehen regelmäßig unter Wasser", sagt Schütz und zeigt zum Beweis eindrucksvolle Handyvideos.

Vor allem aber fürchten die Bewohner um den grünen Charakter ihres Stadtteils, da dem Vorhaben zwangsläufig Bäume, Sträucher und Grünflächen zum Opfer fallen werden. "Die Gartenstadt wird kaputtverdichtet", schimpft ein Nachbar von Schütz und Yesildag, die bereits mehr als 180 Unterschriften gegen das Projekt gesammelt haben. Die junge Mutter, die in dem Viertel groß wurde und seit 2014 ihre eigene Wohnung hat, sieht es ähnlich: "Da hätte ich mir gleich etwas in der Südstadt kaufen können." 

Volkan Altunordu

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