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Fotos von Kindern im Netz posten: Das sollten Sie beachten

Das ein oder andere Foto kann durchaus für unangenehme Situationen sorgen - 16.06.2019 06:00 Uhr

Aufruf an Mama und Papa: Das Deutsche Kinderhilfswerk will mit seiner Facebook-Kampagne #ErstDenkenDannPosten, die Kinder in eher peinlichen Situationen zeigt, Eltern sensibilisieren. © Fotos: Deutsches Kinderhilfswerk e.V.


Nie war es einfacher, auch weit entfernt wohnende Verwandte und Freunde am Leben des Nachwuchses teilhaben zu lassen. Und gleichzeitig auch den Rest der Welt. Denn um soziale Medien wie Facebook, Twitter oder Instagram verwenden zu können, müssen die Nutzer umfangreichen Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) zustimmen – und da wird es schnell unübersichtlich, was mit den Daten passiert.

Oliver Jäger vom Nürnberger Kinderschutzbund bringt in seinen Workshops gerne das Plärrer-Beispiel: Er fragt die Kinder: "Wie würde es dir gefallen, wenn ein Plakat mit deinem Bild in der Größe von fünf mal fünf Metern am Plärrer hängt, samt Name, Adresse und Hobbys?" Die Schüler sollen so ein Gespür dafür bekommen, was es bedeute, wichtige Daten zu veröffentlichen. "Der Großteil findet das dann nicht so gut", sagt der Sozialpädagoge.

Von der Realität ist Jägers Beispiel nicht sehr weit entfernt: Der Messenger WhatsApp etwa verlangt, um seine "Dienste betreiben und bereitstellen" zu können, das uneingeschränkte Nutzungsrecht an allen Daten, die seine Benutzer hochladen, senden oder empfangen, heißt es in den AGB. WhatsApp interessiert sich etwa auch dafür, wie oft und wie lange die App genutzt oder welches Smartphone dafür genommen wird.

 

Der Messenger speichert Telefonnummer, Profilname und -bild, er hat Zugriff auf die Kamera des Handys und auf die Kontakte. Diese Nutzungsdaten sind so umfassend, dass sie Rückschlüsse auf Interesse und Merkmale der Nutzer zulassen, sagt Thomas Kranig, Präsident des Bayerischen Landesamts für Datenschutzaufsicht. Diese Informationen kann WhatsApp etwa für Werbezwecke einsetzen.

Bei dem Netzwerk Facebook ist es ähnlich: Auch hier bezahlen die Nutzer mit Daten. 2014 hat Facebook WhatsApp gekauft; die beiden Dienste tauschen die gesammelten Informationen über die Anwender untereinander aus.

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Weitaus mehr Sorgen bereitet den Datenschützern aber Folgendes: Wenn das Facebook-Profil öffentlich ist, kann sich jeder von dort Bilder herunterladen und auf anderen Plattformen hochladen. Auch Pädophile kommen über die sozialen Medien an Bilder von kleinen Kindern heran.

Das Gleiche gilt für WhatsApp-Profilbilder: Wie bei den Facebook-Freunden kann man auch hier schnell den Überblick verlieren, wer alles im Lauf der Jahre an die Nummer gekommen ist und sie vielleicht weitergegeben hat. "Das größte Problem bei Fotos im Internet ist jedoch: Es gibt de facto kein Löschen", sagt Bayerns oberster Datenschützer, Thomas Kranig.

Nach Berechnungen des Vereins kursieren in den sozialen Netzwerken Bilder und Informationen von fast vier Millionen Kindern und Jugendlichen aus Deutschland. © Fotos: Deutsches Kinderhilfswerk e.V.


Wer dennoch Fotos von sich oder seinen Kindern in den sozialen Medien posten möchte, sollte einige Punkte beachten. Elke Reiss von der Polizeiberatung Zeughaus rät, keine peinlichen oder unangemessenen Fotos hochzuladen.

Eltern mögen es niedlich finden, ein Bild ihres von oben bis unten mit Essen verschmierten Nachwuchses an die Verwandtschaft zu schicken. "Aber findet das Kind es auch im Teeniealter noch in Ordnung, wenn das Foto dann vielleicht im Internet landet?" Mobbing und Hetze könnten die Folgen sein.

Bilder von nackten Kindern gehörten ebenfalls nicht verbreitet, sagt die Polizistin. Schließlich könne man nie wissen, was im Netz mit den Fotos passiere – oder wer sie sich herunterlade und wo weiterverbreite. Auch sei es für die Bildaussage meist nicht nötig, dass ein Kind sein Gesicht frontal in die Kamera hält. "Wenn man einen schönen Tag im Tiergarten verbracht hat und das der Verwandtschaft mitteilen will, kann man das Kind auch von hinten vor dem Giraffengehege fotografieren." Alternativ könne das Gesicht verfremdet werden.

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So früh wie möglich sollte das Kind mit einbezogen werden. "Bei meinen Workshops sage ich zu den Eltern: Auch Ihre Kinder haben das Recht am eigenen Bild, Sie verwalten das nur", betont die Polizistin.

Wer fragt: "Ist es in Ordnung für dich, wenn ich dieses Bild an Oma schicke?", der lerne die Schamgrenze des eigenen Kindes kennen. "Und das Kind merkt: Das ist ein wichtiges Thema, bei dem meine Meinung gefragt ist." Eltern sollten auch nicht vergessen, dass sie Vorbilder sind. "Wenn sie sorgsam mit Bildern umgehen, lernen das die Kinder und machen das später eher auch so."

Datenschutz in den sozialen Medien – bei Michael Posset kommen Eltern meist mit anderen Themen an. "Ich beantworte eher Fragen zu Gewaltspielen oder wann zu viel am Smartphone hängen zu viel ist", sagt der Sozialpädagoge, der beim Jugendamt der Stadt Nürnberg zuständig ist für Jugend und Medienschutz. Wenn das Thema Datenschutz doch einmal nachgefragt werde, will Posset nicht mit erhobenem Zeigefinger kommen, "sondern ich will Eltern und Kinder sensibilisieren".

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Die meisten Menschen – auch die Kinder – wüssten ohnehin, dass sie von den Anbietern sozialer Medien benutzt werden. "Aber Facebook, WhatsApp und Co. sind eben einfach umsonst und praktisch." Ein gutes Beispiel sei, sich einmal die Stars anzusehen: Sehr viele Schauspieler oder Sportler stellen von ihren Kindern keine Bilder ins Internet. "Da sieht man, wie es die Medienprofis machen – und die müssen es ja wissen", sagt Posset. Das größte Problem von Fotos im Internet ist: Es gibt kein Löschen. 

Judith Horn

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