Donnerstag, 12.12.2019

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Falsche Polizisten vor Gericht - selbst der Verteidiger spricht von "schäbiger Tat"

Die Täter wurden durch DNA-Spuren überführt - 20.11.2019 12:23 Uhr

Der Hauptangeklagte, ein gelernter Textilkaufmann, suchte auf der Straße gezielt nach gut gekleideten und vermögend wirkenden Männern und Frauen; er konzentrierte sich dabei auf ältere Menschen. Sie seien leichter einzuschüchtern, gab er vor der 2. Strafkammer zu.
Er verfolgte die potenziellen Opfer bis zu deren Haustür – Tage später kehrte er zurück, gab sich als Polizist aus und wedelte mit einem Pseudo-Dienstausweis.

Doch der Mann, er hat bereits 18 Vorstrafen (unter anderem Betrug, Diebstahl, Beleidigung), war alles andere als ein Freund und Helfer. Er erschreckte die Geschädigten mit wilden Räuberpistolen, behauptete, dass gerade eine Einbrecherbande dingfest gemacht wurde, und er deshalb Wertgegenstände wie Schmuck oder Münzsammlungen sehen wolle und auch gleich prüfe, ob das Bargeld in der Wohnung sicher sei.

Der 52-Jährige gab das Vermögen für Drogen aus

Zwischen Sommer 2017 und Sommer 2018 hatte der 52-Jährige 13 Mal mit dieser Vorstellung Erfolg – und bestahl Senioren und Seniorinnen in Nürnberg, Fürth und Köln, dem Wohnort seines 40-jährigen Schwagers. Der Schwager war als Helfer an vier Taten beteiligt, meist trug er ein T-Shirt mit dem Aufdruck "Polizei". Er wurde zu einer Freiheitsstrafe von 21 Monaten verurteilt, deren Verbüßung wurde zur Bewährung ausgesetzt. Am Rande verwickelte der 52-Jährige auch seine eigene Schwester (64) in seine Straftaten, sie wurde zu einem Jahr Freiheitsstrafe verurteilt, auch sie erhielt Bewährung.

Die falschen Polizisten wurden von echten Polizisten mit Hilfe von DNA-Spuren an den Tatorten überführt. Geschädigte erkannten die Verdächtigen auf Fotos und weitere Ermittlungen ergaben, dass die Handys der Trickbetrüger zum Tatzeitpunkt an den Tatorten eingeloggt waren.

Der 52-Jährige gab das erbeutete Vermögen vor allem dazu, seinen Lebensunterhalt und seine Drogensucht zu finanzieren. Weil sich Straftaten nicht lohnen dürfen und Kriminelle aus ihren Taten keinen Gewinn erzielen sollen, wurde im Urteil zwar Wertersatz in Höhe des angerichteten Schadens angeordnet, doch für die Geschädigten wird bei den Verurteilten nichts zu holen sein.
Die Richter ordneten die Einweisung des 52-Jährigen in eine Entziehungsanstalt an. Bliebe seine Alkoholsucht unbehandelt, besteht die Gefahr, dass er weitere, erhebliche Straftaten begeht.

Ulrike Löw

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