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Fall 18: Weder Licht noch Heizung

Energieschulden des Ex-Partners brockten einer Mutter eine Stromsperre ein - 28.11.2019 19:56 Uhr

Fluch statt Segen: Eine Familie muss seit Monaten mit Kerzenlicht auskommen. © Foto: epd


Ob Wohnzimmer, Küche oder Bad: Überall muss sich die Familie nach Einbruch der Dunkelheit mit einem fahlen Flackern begnügen.

"Die langen Stunden ohne richtiges Licht, schon das ist einfach furchtbar", sagt die Frau. Dass kein Bildschirm läuft und kein Ladegerät funktioniert, mag anderen noch urtümlich-romantisch erscheinen und helfen, auch innerlich abzuschalten. Der Familie von Nadine P. kann das dagegen nicht gelingen.

Im Gegenteil: Die Nerven liegen blank. Denn es hängt noch viel mehr daran, aktuell vor allem die Heizung. Denn in dem alten Häuschen verbreiten normalerweise Nachtspeicheröfen wohlige Wärme. Jetzt kriecht die feuchte Kälte in die Glieder, trotz aller Wolldecken. Duschen und (warm) baden fällt auch flach. Nur ein kleiner Gaskocher vom Campingurlaub steht zur Verfügung, um wenigstens Suppen oder Eintöpfe zuzubereiten oder Wasser für Tee oder Kaffee heiß zu machen.

Lebensmittel lagern auf Balkon

Und mehrere Topfladungen ergeben gerade genug lauwarmes Wasser zum Haarewaschen oder für die notdürftigste Wäsche. Denn für die Wäscherei reicht das Geld nicht – und die Scham hält die Familie davon ab, zu Freunden oder Bekannten zu gehen. Am ehesten zu verkraften ist, dass auch der Kühlschrank nicht läuft – Butter, Milch und Käse lassen sich im November auch auf dem Balkon lagern. Aber Einkäufe auf Vorrat sind so nicht drin.

Dabei traf die Misere Nadine P. und ihre Kinder beinahe unvorbereitet und jedenfalls unschuldig. Denn es war ihr Ex-Mann, der die fälligen Abschlagszahlungen schuldig geblieben war. Trotz der Trennung hingen beide noch in einer gemeinsamen Stromversorgung; doch von den sich türmenden Rückständen wie von Mahnschreiben bekam die frühere Friseurin nichts mit, erst recht nicht von der drohenden Stromsperre.

Ständige Unsicherheit

Dem Ex-Partner indes war der Ernst der Lage offenbar bewusst, er machte sich rechtzeitig auf und davon. Als eines Morgens der Gerichtsvollzieher mit dem Elektriker des Stromversorgers vor der Tür stand, um die Leitung abzuklemmen und den Zähler auszubauen, traf das die Frau wie ein Blitzschlag. Ein traumatisierendes Erlebnis mit Nachwirkungen: "Ich schäme mich bis heute – und wir konnten nichts machen."

Auch vom Hinweis auf eine schwere Erkrankung eines Kindes ließ sich der Vertreter der Justiz nicht beeindrucken. "Dabei habe ich immer alle eigenen Bedürfnisse und Wünsche zurückgestellt, damit die Kinder nicht zu leiden haben", sagt die Mutter. Nun setzt ihr die Sorge und ständige Unsicherheit zu und Angst lässt sie oft keinen Schlaf finden. Auf Antrag eines psychosozialen Dienstes will die Weihnachtsaktion die Familie unterstützen und vor allem die Kosten für den Einbau eines separaten Stromzählers übernehmen.

Wolfgang Heilig-Achneck

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