Mittwoch, 11.12.2019

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Erstmals öffentlich: Graböffnung in St. Sebald stößt auf riesiges Interesse

Pfarrer Martin Brons sieht in dem Ritual eine "Atempause in unserem Leben" - 20.07.2019 13:36 Uhr

Auch OB Ulrich Maly begutachtete den Zustand der Reliquien. © Stefan Hippel


Die sogenannte Visitation (latein.: Besichtigung) findet seit Jahrhunderten alle 30 bis 50 Jahre statt, bis jetzt unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Der Schrein mit den Knochen des Stadtheiligen wird geöffnet und überprüft, ob alles noch vorhanden ist. Die erste Visitation fand 1463 statt, als kurz zuvor in St. Sebald eingebrochen worden war.

Diesmal waren neben politischer Prominenz auch viele Gläubige und Neugierige dabei. Mit einer feierlichen Liturgie und von Orgelklängen eingerahmt führte Pfarrer Martin Brons das Ritual durch.

Teil der Stadtgeschichte

"Rituale sind wie eine Atempause in unserem Leben", meinte der Geistliche, "auch wenn sie uns manchmal auf den ersten Blick fremd geworden sind." Er bezeichnete die Reliquien als "Geschenk an uns". Dieses Geschenk sei mehr als eine bloße Ansammlung von Knochen, vielmehr stelle es einen Teil der Stadtgeschichte dar. In der Person Sebalds begegne man der Gründungsgeschichte Nürnbergs.

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Graböffnung in St. Sebald: Nürnberger bestaunen historische Knochen

Zum allerersten Mal wurde in St. Sebald das Grab für die Öffentlichkeit geöffnet. Zahlreiche Gläubige und Schaulustige drängten sich um die Knochen aus alten Zeiten. In der Person Sebalds begegnet man der Gründungsgeschichte Nürnbergs.


Im Mittelalter war Sebald ein "Publikumsmagnet und Exportschlager", so Brons. Unzählige Pilger strömten nach Nürnberg, um dem Heiligen nahe zu sein. Nunmehr komme dieses Bumerang, das Nürnberg in die Welt geschickt habe, wieder zurück, so der Geistliche. An der Feier nahmen nämlich auch Mitglieder von Sebalder Gemeinden aus Österreich und vom Starnberger See teil.

Führungen ans Sebaldusgrab

"Einfach wunderbar, beeindruckend und sehr ergreifend" fand Josef Kellner aus der Eglinger Pfarrei, die in der Nähe des Starnberger Sees liegt, die religiöse Veranstaltung. Er bildete mit dem Diakon die Vorhut, ein Bus mit 45 Pilgern aus Egling kommt am morgigen Sonntag zum ökumenischen Gottesdienst.

Die Feier der Visitation und zugleich des 500-jährigen Bestehens des Sebaldusgrabs aus der Werkstatt von Peter Vischer gehen nämlich weiter. Am Sonntag um 10 Uhr mit einem ökumenischen Festgottesdienst und anschließend mit einem ökumenischen Gemeindefest rund um die Kirche. Außerdem gibt es Führungen mit Erklärungen am Sebaldusgrab, um 18 Uhr erfolgt dann die Grabschließung mit einer musikalischen Vesper. Bis dahin bleiben die purpurnen Knochensäckchen auf einem Tisch neben dem Schrein liegen.

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