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Eichenprozessionsspinner bei Rock im Park: 200 allergische Reaktionen

Hilfsorganisationen sprechen von ruhigem Festival - Weniger Alkohol-Verletzte - 10.06.2019 15:10 Uhr

So sieht er aus, der Eichenprozessionsspinner. Hier befällt er einen Baum auf dem Rock-im-Park-Gelände. © Michael Matejka


Eine kleine Raupe sorgte für großen Ärger bei Rock im Park. Der Eichenprozessionsspinner breitete sich seit Mitte vergangener Woche auf dem Festivalgelände aus, eine kleine Raupe, deren Brennhaare schwere allergische Reaktionen hervorrufen können. Der Grund: das Wetter. Die Hitze der vergangenen Tage sorgte dafür, dass de Spinner sich explosionsartig vermehren konnte. Er befiel Dutzende Bäume auf dem ganzen Gelände, die von der Stadt mit rot-gelben Bändern abgesperrt wurden. Für Camper habe man Ausweichflächen geschaffen, erklärte der Veranstalter Argo, der betont, alles mögliche gegen das giftige Insekt getan zu haben. Besucher, deren Zelt in einem betroffenen Areal stand, durften auf CP 8.3 in der Nähe des Luitpoldhains ausweichen. 

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Insgesamt seien mindestens 100 Bäume befallen gewesen, wie viele es genau sind, blieb zunächst unklar. Die Stadt, die für die Beseitigung verantwortlich ist, war am Montag nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Spezialisten in Ganzkörperanzügen werkelten über das komplette Festival hinweg auf dem Gelände an der Beseitigung des Insekts - stießen dabei aber an Grenzen.

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Mehr Vorfälle in diesem Jahr

"Der Eichenprozessionsspinner ist keine Überraschungserscheinung am und um das Zeppelinfeld herum", sagt Sohrab Taheri, Sprecher der Hilfsorganisationen bei Rock im Park. "In diesem Jahr aber hat er den Besuchern und auch uns besonders zu schaffen gemacht." Insgesamt habe man in gut 200 Fällen ärztliche Hilfe leisten müssen, meist ging es dabei um allergische Reaktionen ohne schwerwiegenden Verlauf. Zuvor warnten sowohl die Rettungsdienste als auch der Veranstalter mit Flyern und Informationskampagnen vor dem Eichenprozessionsspinner. Der Großteil der Besucher habe Verständnis gehabt, sagen die Verantwortlichen. Doch einige Camper schlugen ihr Zelt leichtfertig neben abgesperrten Bäumen auf - und begaben sich damit selbst in Gefahr. 

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Besonders schmerzhaft sind die Brennhaare des Eichenprozessionsspinners. Sie können bei Kontakt heftige allergische Reaktionen auslösen, die Härchen verfangen sich in der Haut. Je wärmer es ist, desto explosiver vermehrt sich der Schmetterling - und das Wetter der letzten Tage bot den Insekten beinahe ideale Bedingungen. "Am Freitag haben wir das Gelände von Rock im Park kontrolliert, da haben wir kein einziges Nest gefunden", sagt André Winkel vom städtischen Servicebetrieb öffentlicher Raum (Sör). "Am Montag waren dann schon 50 Eichen befallen." Wenig später zählten die Verantwortlichen 100 betroffene Bäume. 

Festival-Wahnsinn in Bildern: Alles zu Rock im Park 2019

Fast 2000 Einsatzkräfte waren über das gesamte Wochenende bei Rock im Park gefordert. 33 Mal musste ein Notarzt ausrücken, 189 Menschen ins Krankenhaus transportiert werden - das sind gut 45 mehr als im Vorjahr. 3518 Mal habe man sogenannte sanitätsdienstliche Hilfe leisten müssen, 387 Menschen mussten dabei ärztlich versorgt werden (426 in 2018). Doch es gibt auch erfreuliche Nachrichten: Man habe keinen einzigen Besucher unter 18 Jahren mit Alkoholproblemen behandeln müssen. Insgesamt tranken 108 Personen zu viel und waren damit ein Fall für die Retter, 2019 waren es noch 30 mehr. 

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"Wir blicken auf einen planmäßigen und größtenteils ruhigen Festivalverlauf", sagt Jürgen Kohl, Einsatzleiter der Hilfsorganisationen bei Rock im Park. "Durch ihren sehr umsichtigen Umgang mit Alkohol fielen die Besucherinnen und Besucher in diesem Jahr positiv auf." Er spricht von einem Kraftakt, einer, der nur durch eine Kooperation verschiedener Organisationen stemmbar gewesen sei. Er lobt den Einsatz der fast 2000 Ehrenamtlichen. 

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