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Die Black Elephant Band präsentiert ein feines neues Album

Jan Bratenstein hat sich zu seiner One-Man-Band diesmal Gäste eingeladen - 22.05.2020 14:03 Uhr

Jan Bratenstein ist die Black Elephant Band. Doch auf dem neuen Album ist er nicht allein.

© Stefan Schacher


Da ist zum einen die Herangehensweise. Als bekennender Controletti hat Bratenstein wieder alles alleine gemacht, hat Musik und Texte geschrieben und alles arrangiert – doch diesmal dazwischen immer wieder Lücken und Spielraum gelassen.

Die durften ausgewählte Gäste mit Kreativität und Spinnereien füllen: Sein langjähriger Wingman John Steam Jr. etwa, der Fürther Antifolk-Kollege Tjian, Schlagzeuger Jonas Hauselt von A Tale Of Golden Keys und die Sängerin Karin Rabhansl. "Vieles davon wird live nicht funktionieren", sagt Bratenstein, der aber auch gar nicht versuchen will, für seine Verhältnisse üppig instrumentierte Geschichten wie die Rockballade "Elbow Me" mit Gewalt in das bewährte Einzelkämpfer-Format zu pressen.


KulTour: Jan Bratenstein mag die Würde der Elefanten


Anders ist diesmal aber auch der Sound geraten. Wo die Grundzutaten dieselben geblieben sind (nerdig-näselnder Gesang zu preiswerter Holzgitarre und vereinzelter Mundharmonika), klingt "A Masterpiece Of Indecision" nicht mehr nur nach windschiefem LoFi, sondern mehr denn je nach Pop.

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Das ist eine gute Nachricht, zumal derselbe Mensch dahintersteckt, der auch schon das letzte TBEB-Album aufgenommen hat: Domi Back, Schlagzeuger unter anderem beim Hannes Stegmeier Trio und aufstrebender Produzent in der Stadt. "Es war die schönste, geplanteste und aufwändigste Aufnahmesession meines Lebens", sagt Bratenstein. "Seit unserer letzten Zusammenarbeit haben wir beide sehr viel dazugelernt. Und: Es war diesmal deutlich mehr Bier im Spiel."

Was seine Inspiration angeht, spricht der Elefant von einem schizophrenen Stilwechsel: "A Masterpiece Of Indecision" changiert zwischen dem Country/Folk der US-Südstaaten (Stichwort "Nashville") und einem aus der Garage rumpelnden LoFi-Indie-Sound, wie man ihn aus New York kennt, ohne dabei des Barden Wurzeln im minimalistischen Anti-Folk zu verleugnen. Dieser Spagat ist gut gelungen. Die Platte mit dem Comic-Kraken auf dem Cover klingt zu gleichen Teilen witzig und wütend, melancholisch und lebensfroh, albern und nachdenklich.

Purzelbäume im Rindenmulch

Textlich bleibt Jan Bratenstein ein Chronist seiner eigenen Lebenswirklichkeit, wobei die Themen immer wieder auch ihn finden. Wenn ihm im Netz gerade nichts ins Netz geht, dann singt er über alte Schuhe und Shampooflaschen, verstaubende Drucker und geheimnisvolle Partyinseln, aber auch über einen jungen Neo-Nazi, dem er beim Blutspenden begegnet – und zwar dort, wo es kein Geld gibt . . .

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"The Bruno Sammartino Of Drinking" – der Hit unter den vielen kleinen Perlen und Minitaturbetrachtungen – erzählt von einem namenlosen Helden des Trinksports, der auf dem "KNRD Fest", einem wunderbaren Punk-Open-Air unweit von Schnaittach, einst das Flunkyball-Turnier gewann und voller Freude Purzelbäume im Rindenmulch schlug, bis sein Gesicht blutig war. Wie er mit seinem Kopfverband wenig später schon wieder tanzend vor der Bühne anzutreffen war, nötigte Bratenstein Respekt ab – und zauberte Bilder in seinen Kopf.

Aktuelles Album: The Black Elephant Band, "A Masterpiece Of Indecision" (bandcamp). Da an eine Live-Präsentation vorerst nicht zu denken ist, wird Jan Bratenstein jeden Sonntag einen weiteren Song auf Bandcamp stellen.

STEFAN GNAD

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