10°

Montag, 16.12.2019

|

Bluepingu-Projekt: Nachhaltiges Leben auf der Straße

Mehr Grün, mehr kulturelle Begegnungsstätten, mehr Aufenthaltsorte - 20.11.2019 14:33 Uhr

Das Projekt „Essbare Stadt“ auf dem Egidienplatz und andere „Urban-Gardening“-Projekte sind nur ein Anfang. Jetzt will Bluepingu aufzeigen, wie jeder etwas für eine klimafreundlichere Welt tun kann. © Foto: Roland Fengler


"Wir wollen die Welt verändern – mit den Menschen vor Ort." Mit einem einzigen Satz skizzieren Kerstin Seeger und Katrin Schwanke den Rahmen für ein umfassendes Projekt. Die Welt muss sich ändern, daran lässt der Klimawandel keinerlei Zweifel. Genauer gesagt: Unser Handeln auf der Welt muss sich fundamental verändern, wenn wir unsere Erde retten wollen. Und das fängt bei jedem einzelnen Menschen vor Ort an.

Eigentlich wäre vor allem auch die Politik gefragt. Schon 2015 wurde die Agenda 2030 mit den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen verabschiedet. Vertreter aus 193 Ländern setzten ihre Unterschrift unter die Entwicklungsziele – auch die der Bundesrepublik Deutschland. Doch passiert ist seither kaum Greifbares, sagen Seeger, Vorstandsmitglied bei Bluepingu, und ihre Mitstreiterin Schwanke. Also will der Verein jetzt nachhaltiges Handeln von der Basis aus in die Köpfe der Menschen und in deren Alltag bringen.

Bilderstrecke zum Thema

Zehn Dinge, die Sie über Plastik wissen müssen

Wussten Sie, dass in einer Plastiktüte mehr Erdöl steckt als in vier Schnapsgläser passt? Oder dass weit mehr als die Hälfte aller Fische in der Nordsee Kunststoffteile im Körper haben? Zehn Fakten rund um ein Material, das uns täglich in unserem Alltag begegnet - und das einige Überraschungen bereithält.


Nachhaltigkeit bedeutet dabei keineswegs Verzicht, unterstreichen die beiden Initiatorinnen. Vielmehr geht es um Bewusstwerdung, Umdenken und Handlungsveränderungen. Das beginnt mit der Entscheidung, zum Bäcker zu laufen bzw. zu radeln, statt das Auto auf dieser viel zu kurzen Strecke zu bewegen. Und das endet längst nicht mit der "Rettung" weggeworfener Lebensmittel oder "Urban-Gardening"-Projekten.

Das Gute soll normal werden

Überhaupt die zubetonierte Stadt: Mehr Grün, mehr kulturelle Begegnungsstätten mehr qualitative Aufenthaltsbereiche im städtischen Raum – solche Veränderungen gehören zum Zielekatalog dieses Projekts. Ebenso wie Begegnungsstätten ohne Konsumzwang, in denen Menschen zum Beispiel gemeinsam kochen können. Und vieles mehr, das zu mehr Gemeinschaft sowie zu Entschleunigung führt. Denn das bildet wiederum die Grundlage dafür, weitere Nachhaltigkeitsgedanken vor Ort umzusetzen.

17 fundamentale Nachhaltigkeitsziele stellten Seeger, Schwanke sowie weitere Mitstreiter während der Auftaktveranstaltung zu dem Projekt "SDGs go local" (etwa: Nachhaltigkeitsziele vor Ort umgesetzt) Auf AEG vor. Sauberes Wasser gehört dazu – weltweit für Hunderte von Millionen Menschen unerreichbar. Aber auch im reichen Deutschland gerät das Wasser in Gefahr. Durch Mikroplastik. Oder durch den Gewinnhunger einiger Konzerne, die Wasser am liebsten privatisieren würden.

Kein Hunger, lautet ein anderes Ziel. Rund zwei Milliarden Menschen weltweit sind unterernährt, während in Deutschland 300 Kilo Lebensmittel pro Sekunde (!) im Müll landen.

Bilderstrecke zum Thema

Plastik, nein danke! Zehn Alternativen für ein Leben ohne Kunststoff

Knapp 25 Kilo Plastikmüll hinterlässt jeder Deutsche im Jahr. Lediglich aus der Hälfte dessen, was im gelben Sack landet, entstehen neue Produkte. Der Rest wird verbrannt und belastet unsere Umwelt. Allerdings kann jeder dazu beitragen, dass weniger Plastikmüll anfällt. Welche plastiksparenden Alternativen es gibt, verraten wir hier!


Die Teilnehmer dieses bundesweit einzigartigen Projekts – allein zur Auftaktveranstaltung kamen etwa 80 Interessierte – sollen in Johannis und in der alten Fürther Südstadt Nachhaltigkeitsideen alltagstauglich umsetzen. Bluepingu moderiert und begleitet die Ideen und deren Umsetzung, die vom Umweltbundesamt gefördert sowie wissenschaftlich begleitet wird. Am Ende des Modellprojekts soll ein Katalog entstehen, mit dessen Hilfe Menschen andernorts entsprechende Projekte umsetzen können – und der eine Handlungsanleitung für die Politik liefern soll. Das Ganze braucht natürlich Zeit.

Nach dem Startschuss müssen sich die "Change Agenten" zunächst vernetzen und dabei Ideen entwickeln bzw. fortentwickeln: zum Konsumverhalten, zum Thema Bildung, zur Entschleunigung, zu kritischem Denken und vielem mehr. Daher ist das Projekt auf zwei Jahre angelegt. Im Idealfall entsteht dabei ein Feuer aus Leidenschaft und Spaß für Nachhaltigkeitsprojekte, wünschen sich Seeger und Schwanke. "Wir wollen, dass das Gute irgendwann normal wird."

Testen Sie Ihr Wissen in unserem Nachhaltigkeits-Quiz

© Patrick Pleul dpa

Finden Sie heraus, wie gut Sie sich in Sachen Umweltschutz, Klimawandel oder Nachhaltigkeit auskennen. Wir haben acht Fragen aus unserem Alltag herausgepickt mit jeweils drei Antwortmöglichkeiten - aber nur eine davon stimmt. Am Ende sehen Sie, wie Sie abgeschnitten haben.

© Julius-Maximilians-Universität Würzburg (dpa)

© Julius-Maximilians-Universität Würzburg (dpa)

Frage 1/8:

Wie lange dauert es, bis ein Kaugummi verrottet?

Mehrere Jahre - wenn überhaupt. Denn damit Kaugummi so schön gummiartig ist, braucht es sogenannte Polymere - und die basieren auf Erdölbasis. Zusammen mit Zucker oder Zuckerersatzstoffen, künstlichen Farbstoffen, Verdickungsmitteln und Geschmacksverstärkern kauen wir am Ende auf einer Substanz, die biologisch nur schwer abbaubar ist. Die ökologisch bessere Alternative sind also Lutschpastillen.

© Lukas Schulze, NZ

© Lukas Schulze, NZ

Frage 2/8:

In welche Mülltonne gehören leere Tiefkühl-Verpackungen?

In den Gelben Sack - wenn nichts anderes auf dem Karton steht. Denn oft ist die Verpackung mit Kunststoff beschichtet.

© dpa

© dpa

Frage 3/8:

Und wohin gehören Kassenbons?

Kassenbons (wie auch Lotteriezettel, Automatenbelege oder manche Kontoauszüge) bestehen aus sogenanntem Thermopapier, bei dem die Farbe durch Hitze erzeugt wird. Für die dafür nötige Beschichtung wird meistens Bisphenol A (BPA) verwendet, ein Weichmacher, der als krebserregend gilt. Deshalb dürfen Kassenbons nicht in den Recycling-Kreislauf gelangen.

© Colourbox.de

© Colourbox.de

Frage 4/8:

Ein Vollbad verbraucht ungefähr 140 Liter Wasser. Und eine Dusche?

Es sind im Schnitt 15 Liter. Inzwischen gibt es aber energiesparende Duschköpfe, bei denen z.B. Luft beigemischt wird. In der Anschaffung sind sie zwar teurer als herkömmliche Duschköpfe. Je nachdem, wie oft und wie viele Menschen in einem Haushalt duschen, kann sich so ein Kauf aber schnell rechnen.

© Ina Fassbender/dpa

© Ina Fassbender/dpa

Frage 5/8:

Wie viele Einweg-PET-Flaschen werden in Deutschland pro Stunde verbraucht?

Fast zwei Millionen! Laut Deutscher Umwelthilfe sind Einweg-Flaschen aus Plastik immer noch das am häufigsten verwendete Material bei Getränken. Weil für die Herstellung oft neuer Kunststoff verwendet wird, ist so viel Rohöl nötig, wie fast 400.000 Einfamilienhäusern genügen würde, um ein Jahr lang beheizt zu werden.

© Britta Pedersen/Archiv (dpa)

© Britta Pedersen/Archiv (dpa)

Frage 6/8:

Wo ist die Umweltbilanz beim Smartphone am schlechtesten?

In der Herstellung liegt der Verbrauch an Energie und CO2 immer noch 5 bis 10 Mal so hoch wie in der Nutzung. Das liegt vor allem an Rohstoffen (Erze, Gold oder seltene Erden), die energieintensiv abgebaut werden müssen. Laut Greenpeace verschlang die Smartphone-Produktion in den letzten zehn Jahren so viel, wie ganz Indien pro Jahr für die Energieversorgung braucht.

© Bodo Marks/Archiv (dpa)

© Bodo Marks/Archiv (dpa)

Frage 7/8:

Wir bestellen immer öfter Kleidung online. Wie viele Pakete gehen im Schnitt zurück?

Fast jedes Zweite! Laut Verbraucherzentrale macht das rund 800.000 Pakete - jeden Tag. Der Kohlendioxid, der dadurch entsteht, entspricht 255 Autofahrten von Frankfurt nach Peking.

© colourbox.de

© colourbox.de

Frage 8/8:

Ein Flug nach Teneriffa ist so schädlich wie ??? Autofahren.

Etwa ein Jahr lang. Diese Angabe stammt von der Umweltorganisation Germanwatch und beruft sich auf eine Studie internationaler Forscher (The carbon footprint of global tourism).

© Patrick Pleul dpa

Lust auf ein weiteres Quiz?

Dann hier entlang!

Tilmann Grewe

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Nürnberg