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Aus Schussweste wird Rucksack: Upcycling bei der Polizei

In Gremsdorf werden alte Uniformen umgenäht und verkauft - 17.04.2019 18:47 Uhr

Die Werkstatt der Barmherzigen Brüder in Gremsdorf (Landkreis Erlangen-Höchstadt) produziert aus den alten bayerischen Polizeiuniformen Taschen, Rucksäcke, Decken und Co. © Ralf Rödel


Mit der schrittweisen Einführung des neuen, blauen Dresses, gaben die bayerischen Ordnungshüter ihre alte Dienstkleidung ab. "Freiwillig" betont Innenminister Joachim Herrmann (CSU) während einer Pressekonferenz im Polizeipräsidium Mittelfranken. Denn die Klamotten sind Eigentum der Beamtinnen und Beamten, für ihre Ausstattung erhalten sie vom Staat lediglich einen Zuschuss.

Bis heute sind mehr als 480 Tonnen alte Bekleidung zusammengekommen, die seit 2017 nach den Entwürfen der Designerin Birgit Strasser umgewandelt werden. Herausgekommen sind: Sporttaschen, Rucksäcke, Picknickdecken, Umhängetaschen, Brustbeutel, Mäppchen für Stifte, Laptoptaschen, Sitzkissen, Fahrradtaschen und, und, und. Selbst für die Knöpfe an den Hemden wurde eine Verwendung gefunden: Sie mutierten zu Armbändern.

35 Tonnen Kleidung umgearbeitet

Die Idee, der alten Uniform neues Leben einzuhauchen, hatte die Bezirksgruppe Niederbayern der Gewerkschaft der Polizei (GdP). Nachdem sie im Innenministerium regen Zuspruch fand, entschied man sich, die Produktion der Einrichtung "Barmherzige Brüder gemeinnützige Behindertenhilfe" zu überlassen. In vier Werkstätten arbeiten behinderte Menschen die ausgedienten Stoffe um. Auch in Gremsdorf im Kreis Erlangen-Höchstadt werden seit 2016 in einer Werkstatt der Barmherzigen Brüder alte Polizeiuniformen um gearbeitet. Als besondere Details dürfen an Taschen und Rucksäcken die Sterne der Dienstgrade nicht fehlen. Ab getrennt werden allerdings die Hoheitszeichen mit dem bayerischen Wappen. "Wir wollen einen Missbrauch damit verhindern", so Minister Herrmann. In Gremsdorf und in den anderen Werkstätten werden die Abzeichen eingesammelt und sicher verwahrt. Irgendwann kommen sie nach Straubing, wo sie verbrannt werden. Bis heute wurden 35 Tonnen Kleidung umgearbeitet. Mit Blick auf die insgesamt 480 Tonnen haben die Näherinnen und Näher noch einiges zu tun, die Produktion wird noch ein paar Jahre so weitergehen.

Vertrieb über Internetshop

Doch die Preise sind nicht ohne. 129 Euro kostet etwa eine Sporttasche, die aus zwei weißen Polizeimützen und aus dem Stoff von Hosen, Hemden und Blusen genäht wurde. Der Innenbeutel besteht aus einer schusssicheren Weste. "Immer wieder wird kritisiert, dass die Preise zu hoch seien. Aber der Aufwand ist groß, es sind handgefertigte Unikate. Bis eine Tasche herauskommt, ist das Material durch viele Hände gegangen", erklärt Geschäftsleiter Günther Allinger. Der übergab bei dieser Gelegenheit der Bayerischen Polizeistiftung einen symbolischen Scheck in Höhe von 7600 Euro – Geld aus dem Verkaufserlös. Polizisten, die im Einsatz verletzt wurden, erhalten von der Stiftung Zuwendungen. "Wer also der bayerischen Polizei schon immer mal an die Wäsche wollte, hat jetzt eine Gelegenheit dazu", scherzt Innenminister Herrmann. Unter www.110-shop.de finden sich die umgenähten Stücke. 

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