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29. Juni 1970: Alles rannte zum großen Noris-Rennen

Nur regenloses Gewitter stoppte die tollkühnen Fahrer und die 60.000 Zuschauer - 29.06.2020 07:00 Uhr

Das ist der Gigant aus England, der 8,3 Liter March 707, dem vor dem zweiten Lauf eine Frischluft-Apparatur auf den Kühler gebaut werden mußte, weil der Fahrer Kelleners keine Luft mehr bekam. Sie ist auf dem Bild vorne in der Mitte deutlich sichtbar. Nach rundenlanger Führung fiel das Fahrzeug, als es zu nieseln begann, zurück und schließlich gab Kelleners auf. © Ulrich


Was immer gestern in Nürnberg geschah, es stand im Schatten des Noris-Ring-Rennens. Und wenn der Weltklassefahrer Joakim Bonnier auf das Gaspedal trat, dann spitzten selbst die Viecherl im Tiergarten auf dem Schmausenbuck die Ohren.

Über Nürnberg brütete die Hitze; wieder waren es 30 Grad im Schatten. So schwitzte man bis zum Sonntagnachmittag. Dann kam mit 38 Knoten (oder 70 Stundenkilometern) eine kurze, aber regenfreie Gewitterfront. Sie stoppte selbst die Rennfahrer auf dem Noris-Ring vor dem zweiten Durchgang. 60.000 Zuschauer hatten für diese Zwangspause Verständnis, die tollkühnen Piloten sollten ja heil zu ihren Boxen zurückkommen.

Am Rand der Rennstrecke: Pedro Rodriguez mit einer Begleiterin, während der Mittagspause in seinem Maserati. © Ulrich


Redmans Bestleistung aus 1969 mit 183,49 km/st auf 186,3 km/st gedrückt – Rundenzeit jetzt 1:16,1 gegen vorher 1:17,3 Minuten – Der Wuppertaler Neuhaus stellte im Porsche 917 die neue Marke auf – Er wurde auch Gesamtsieger der 200 Meilen, nachdem er nach dem ersten Lauf hinter seinem Stallgefährten van Lennep-Belgien Zweiter gewesen war – Der 8,3-Liter-Bulle March 707 aus England konnte sich nicht durchsetzen – Unfallfreier Verlauf der Renntage

Das internationale Norisring-Rennen „200 Meilen von Nürnberg“, das gestern in zwei Läufen á 41 Runden auf der 3.940 m langen Strecke ausgetragen wurde, war ein voller Erfolg. Diese Bilanz konnten der Vorsitzende des veranstaltenden Motorsport-Clubs Nürnberg, Dr. Ficht, und seine Helfer nach dem Rennen ziehen, das sowohl in sportlicher als in finanzieller Hinsicht allen hochgespannten Erwartungen entsprach.

Die großen „Brummer“, hier nach dem Start noch ziemlich geschlossen beisammen, boten ein fesselndes Bild, wie sie im Höllentempo hintereinander über die Piste jagten. Wenige Minuten später hatte sich das Feld schon weit auseinandergezogen. © Ulrich


Gesamtsieger der „200 Meilen von Nürnberg“, bei denen Fahrzeuge von drei Klassen – über 3 Liter, bis 3 l und bis 2 l – zugelassen waren, wurde der Deutsche Neuhaus vor dem Holländer van Lennep, beide auf Porsche 907, und dem Mexikaner Rodriguez auf Porsche 908 sowie Schulze-Berlin auf Alfa Romeo.

Rund 60.000 Zuschauer hatten die einmalige Besetzung des Rennens mit Klassefahrern und tollen Fahrzeugen mit ihrem Erscheinen honoriert; schon am Trainingstag, dem Samstag, waren über 11 000 zahlende Besucher am Ring gewesen, um sich die schweren Renner anzusehen, die in dieser Zusammenstellung bisher in Europa noch nicht an einem Start gewesen sind.

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Erfreulicherweise verlief der Renntag ohne ernstlichen Unfall. Es gab auf der Strecke einige leichte Kollisionen, bei denen aber nur Sachschaden entstand. Er hatte zur Folge, daß zum zweiten Lauf nur noch 20 Fahrzeuge starteten, nachdem ursprünglich 24 Fahrzeuge auf den Kurs gegangen waren. 

Ausgeschieden waren u. a. Blatzheim auf einem Porsche 907, der den Porsche 908 von Dr. Moro touchiert hatte. Mit einem „Plattfuß“ kam dieser noch gut weg. Schon nach der dritten Runde war der Schwede Banaler mit seinem Lola T 70 an die Boxe gefahren. Ein Zylinderausfall brachte ihm das frühe Ende. In der 14. Runde suchte auch Elford die Boxe auf, weil ein Zündkabel nicht funktionierte, aber er kam wieder.

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Am Trainings-Samstag schon hatte sich Moretti in seinem Ferrari 512 S ohne Folgen in einer S-Kurve gedreht und war mit Elford im McLaren M 12 an Strohballen gestreift, die seine Karosserie leicht lädierten. Für beide Fahrer war das ein Grund, am Sonntag nicht zu starten. 

NN

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