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24. Mai 1969: Kaufmannsprüfung in der Messehalle

Eine Krankenschwester, 41 Aufsichtspersonen und 1 700 Kandidaten - 24.05.2019 07:32 Uhr

1700 Lehrlinge 'fiebern' dem Gehilfenbrief entgegen: kaufmännisches Fachwissen ist Trumpf. © VNP / Ulrich


Wo noch vor wenigen Wochen für die bundesdeutsche Freizeit mit farbenprächtigen Segel- und Motorbooten, Hauszelten und Wohnwagen, verheißungsvollen Prospekten und posierenden Mannequins geworben wurde, herrschte gestern puritanische Nüchternheit: an jedem der rund 600 Tische, die in der Messehalle aufgestellt wurden, „schwitzten“ jeweils zwei bis drei junge Damen oder Herren über den Prüfungsaufgaben.

41 Kontrolleure paßten auf

Eine eisige Strenge, wohl die des königlichen Kaufmannsgeistes, fegte für wenige Stunden die moderne Geschäftsmoral „mehr scheinen als sein“ aus der schmucklosen Halle. Kaufmännisches Fachwissen ist allein Trumpf. Während gestern deutscher Aufsatz und Rechnen geprüft wurden, werden sich heute die hoffnungsfrohen Kaufmannsanwärter in den Fächern Buchführung, Schriftverkehr und Betriebswirtschaftslehre zu bewähren haben.

Und natürlich wurde die kaufmännische Grundregel „die Konkurrenz stets wachsam im Auge zu behalten“ für die Zeit der Prüfung suspendiert. 41 Kontrolleure, überwiegend Pensionisten, die früher in Großbetrieben tätig waren, wachen sorgsam, daß die Wissensströme des einen nicht unerlaubt auf die Prüfungsbögen des anderen fließen.

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Den „Ernst der Stunde“ unterstreicht die Anwesenheit einer Johanniter-Helferin, die mit geschultem Blick unter den blassen Gesichtern der Kandidaten nach Notfällen forscht, die ihrer Ersten Hilfe bedürfen. Schon unmittelbar nach Beginn der Prüfung machte eine junge Dame von dem wohltätigen Angebot der Schwesternhelferin Gebrauch. Ein zweites Mädchen, das krank zur Prüfung kam, wurde von Prüfungsleiter Dr. Ing. Wolfgang Lübsen nach Hause entlassen.

Nach den Angaben von Dr. Lübsen haben in den letzten Jahren rund 90 v. H. der Lehrlinge die Kaufmannsgehilfenprüfung bestanden. Die schriftlichen Prüfungsarbeiten werden von den Lehrkräften der beiden Berufsschulen „vorkorrigiert“ und durch die Prüfungsausschüsse der IHK „gegenkorrigiert“. Der schriftlichen Prüfung wird sich im Juli und August das mündliche Examen anschließen. Der überwiegende Teil der Prüflinge kommt aus den Fachsparten Einzelhandel, Großhandel und Industrie.  

K. St.

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