Dienstag, 31.03.2020

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24. Februar 1970: Hochwasser sorgte für überflutete Straßen

Nürnbergs Hochwasser-Stollen und das Wehr haben sich bewährt - 24.02.2020 07:23 Uhr

Ein großer See: die Wöhrder Wiesen – aber das sollen sie ja ohnehin werden. © Ulrich


Die Nürnberger Hochwasser-Regulierung hat sich einmal mehr bewährt: "Wenn wir den Hochwasser-Stollen an der Fleischbrücke und das Wehr am Wöhrder Talübergang nicht hätten, wäre das Wasser meterhoch in der Innenstadt gestanden", bekräftigte Oberbaudirektor Otto Peter Görl. Bis zum frühen Nachmittag schwollen die Fluten dennoch bedrohlich an, um dann ganz plötzlich wieder zu fallen: die Gefahr war – zumindest einstweilen – gebannt.

Bauarbeiter mußten nachts um 4.20 Uhr aus Baracken, die an der Koppenhofer Straße im Wiesengrund stehen, gerettet und von der Feuerwehr per Schlauchboot an Land gebracht werden. Kinder aus Gerasmühle standen auf ihrem Schulweg plötzlich vor reißenden Fluten und gingen wieder heim und an der versunkenen Baustelle neben der Flußstraße ließen sich Lastwagen und Erdbewegungsmaschinen von lehmfarbenen Wellen umquirlen.

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So sah der gestrige Tag im Stadtgebiet aus, der Tag, an dem nicht nur der Regen, sondern auch das Hochwasser kam. Und wie es kam: das Rednitzwasser schwoll zehn Zentimeter über den bisherigen Höchststand von 1924 an und die Pegnitz wollte nicht zurückstehen. Ab 13 Uhr schob sie sich stündlich acht Zentimeter höher aufs Festland hinauf.

Die Folge waren überflutete Wiesen, Äcker, Gärten und Straßen. Die Stege unterhalb der Steubenbrücke endeten vorzeitig im uferlosen, die Muggenhof und Schniegling verbindende Fuchsstraße mußte schon morgens um zehn Uhr gesperrt werden und als einzige Verbindung zwischen Erlenstegen und Mögeldorf blieb die Flußstraße befahrbar. Wären die Fluten noch zwei Stunden lang gestiegen, hätte die Polizei auch hier die Sperrschilder aufstellen können.

Alle Hände voll zu tun

Sonst ein Freund des Wassers, hatte die Feuerwehr diesmal alle Hände und Schläuche voll zu tun, den zu reichlichen Guß aus vollgelaufenen Kellern zu pumpen. In der Schalkhaußerstraße standen gleich mehrere Wohnhäuser unter Wasser. Und schon gar nicht kümmerte sich die Pegnitz um die Schilder "Wasserschutzgebiet" der Wasserwerke in Erlenstegen: damit der Hinweis auch richtig war, ließ der zum Strom gewordene Fluß die Schilder gerade noch aus den Wellen herausschauen. Vorher hatte er die Verbindungsstraßen zwischen Erlenstegen und Mögeldorf/Laufamholz überschwemmt und ganze Zaunreihen umgelegt.

Übrigens: das Hochwasser hatte auch sein Gutes. Wer sich noch nicht vorstellen kann, wie der Wöhrder See im Endzustand einmal aussehen soll, der konnte gestern einen ungefähren Eindruck davon gewinnen.

H.D.

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