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16. Oktober 1969: Ein Hengst für drei Stuten

Tiergarten erhielt wertvolle Leihgabe für die seltene Wildpferd-Gruppe - 16.10.2019 07:00 Uhr

Noch interessiert sich der klassisch schöne „Mack“ (links) nicht sonderlich für seinen Harem. © Holzknecht


Noch straft der selten schön gebaute Hengst – eine Leihgabe aus dem Karlsruher Zoo – die drei hübschen Stuten Mimosa, Vilma und Visla mit Nichtachtung. Selbst bei zögernden Annäherungsversuchen seines Harems bleibt er stur. Doch kann man nicht von Abneigung sprechen.

Die einzige Wildpferdart der Erde, die noch der Gegenwart angehört, ist in ihrem letzten natürlichen Wohngebiet in Innerasien wahrscheinlich gänzlich ausgestorben. In den Tiergärten der ganzen Welt gibt es nur noch 160 Abkommen der letzten Importe um die Jahrhundertwende. Die meisten „Przewalski-Pferde“ leben in Prag, von wo auch die vier Nürnberger Wildpferde stammen.

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Trotz idealer Umweltbedingungen stellte sich in Nürnberg kein Nachwuchs ein. Es gab nur eine Erklärung: „Lektor“ ist nicht zuchttauglich. Tiergartendirektor Dr. Alfred Seitz blieb nichts anderes übrig, als für seine Damengruppe einen Mann zu suchen. Dr. Birkmann, Zoodirektor in Karlsruhe, hatte ein Einsehen und schickte den neunjährigen Hengst Tichonov, ebenfalls aus der Prager Zuchtgruppe.

Fünf Monate teilte er mit den Stuten das Gehege, doch auch er schien kein sonderliches Interesse an ihnen zu haben. „Wahrscheinlich sind sie alle schon etwas degeneriert“, versicherte Dr. Seitz lächelnd. „Tichonov“ kehrte unverrichteter Dinge zurück und Dr. Birkmann machte ein weiteres Angebot: „Wie wär's denn mit Mack?“ Dieser sechsjährige Hengst wurde im Catskill-Zoo in Amerika geboren – er ist also zum Glück nicht mit den Nürnberger Stuten verwandt.

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Der Karlsruher Zoo gab ihn allerdings nur unter Vorbehalten ab. „Mack“ hat einen sehr schlechten Ruf. Der klassisch schöne Hengst ist auch besonders gefährlich. Nachdem er in Karlsruhe bereits eine Stute sehr schwer verletzt hatte, fürchtete Dr. Birkmann um den Nürnberger Harem. Doch „Mack“ benimmt sich in Nürnberg so manierlich wie ein gut erzogener Gast. Direktor Dr. Alfred Seitz hofft jedoch, daß er bald etwas temperamentvoller wird ...

„Lektor“ wurde in die Quarantänestation ausgesperrt. Die Prager Zoo-Leitung hat versprochen, ihn gegen einen anderen Hengst auszutauschen.

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