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Montag, 21.09.2020

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Tango und "Satchmo" im Neustädter Schlosshof

Sommerliche Neustädter Konzertreihe begeisterte im „kleinen Kreis“ - 02.08.2020 15:41 Uhr

„So leer sieht ausverkauft in Coronazeiten aus“. Zum Glück wird dennoch die Neustädter Schlosshof-Konzert-Tradition bewahrt.

© o.n.


Schlosshof-Konzertreihe ihr 50-jähriges Bestehen feiern. Initiiert worden war sie von Dr. Dieter Geißendörfer mit zunächst stattlichen 16 Gastspielen in der Saison. Lange Zeit waren es dann 12 Konzerte und schließlich acht, seit einigen Jahren sechs. Geblieben ist das Ziel, den Menschen in der Region die Vielfalt der Stilrichtungen zu bieten, ihnen die faszinierende Welt der Musik zu öffnen. Andreas Herzog, einstiger Leiter der Stadtverwaltung, bewahrt diese Tradition mit seinen Konzertvorschlägen, bei denen er seine profunden Kenntnisse in der Musikszene sowie das feine Gefühl für die Wünsche des Publikums einbringt und auch manchen Rat aus diesem aufgreift.

So haben sich die Neustädter Schlosshofkonzerte im „Musikzauber Frankens“ etabliert, in dem sie neben der ausgewählten Qualität der Interpreten und dem breiten Fächer der Musikrichtungen auch mit der ganz besonderen Atmosphäre des romantischen Schlosshofes einen überregional guten Ruf genießen. Die Corona-Pandemie drohte nun auch durch diese Erfolgsgeschichte einen dicken Strich zu machen. Doch der erfolgte zum Glück nur bei den Besucherzahlen, die man auf 60 drastisch beschränkte, um die Konzertreihe mit allen Maßgaben des Infektionsschutzes durchzuführen.

„So leer ist ausverkauft“

Das führte zur Feststellung „so leer ist ausverkauft“, als der Mundartdichter Stefan Thumann beim Auftritt der „Blechernen Sait’n“ auf die vielen Lücken im Publikum blickte. Ein für die Interpreten schon gewohntes, für die Schlosshofbesucher noch befremdliches Bild, die volle Sitzreihen im Geviert des Markgrafenschlosses mit Spitzen von über 200 Musikfreunden aus der ganzen Region gewöhnt sind. Mit Mund- und Nasenschutz sich registrieren und auf Sitzplätze zuweisen zu lassen, erfolgt ebenso problemlos, wie die versiert-freundliche Bewirtung durch Markus Schielke und charmante Assistenz, der für diese im verwaisten „Schloss-Café“ sorgt.

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Tango und Musikkabarett im Neustädter Schlosshof

Die Vielfalt ist das Markenzeichen der Neustädter Schlosshof-Konzertreihe. Diese bestätigte auch das dritte Wochenende der Saison 2020, das bislang unbekannte Tangoklänge und Musikkabarett mit Erinnerungen an Satchmo Louis Armstrong bot. Die Gäste aus der Oberpfalz sorgten für ein Wechselbad der Gefühle. Jenes des Wetters blieb ihnen und dem begeisterten Publikum erspart.


Nach dem Auftakt mit afrikanischer Weltmusik, ausdrucksstark dargeboten von Adjiri Odametey und seiner Band, sowie nach einer temperamentvollen Jazznacht mit der Bigband der Musikschule im Landkreis, faszinierten Norbert Gabla und sein Trio mit ganz anderen Tangoklängen, als in dem von ihm beschriebenen „TrackterackTackTack“-Rhythmus der gewohnten Tanzstunden-Standards. So wird dem Publikum der Tango - eine der ganz großen Musiken der Welt – mit bekannten aber bearbeiteten Stücken etwa von Astor Piazolla, Carlos Cardel oder Anibal Troilo und Eigenkompositionen von Norbert Gabla neu erschlossen. Es sollte dabei erfahren, dass „Tango auch grooven, nicht nur das Herz zerreißen kann“, so Gabla, der sein speziell entwickeltes Bandoneon ebenso auch zur sanften Percussion einzusetzen versteht, wie Tobias Kalisch seinen perfekt gezupften oder gestrichenen Kontrabass.

Wenn die Zither groovt

Ein neuerlicher Stimmungswechsel im sommerlichen Schlosshof dann mit dem Gastspiel der „Blechernen Sait´n“, wie Gabla zwar auch aus der Oberpfalz, aber aus einem ganz anderen Genre. Dem Musikkabarett haben sich Ingrid und Franz Gericke verschrieben, seit 25 Jahren ein Paar auch auf internationalen Bühnen, auf denen Ingrid Gericke die Zither grooven lässt und wie Franz Gericke an der gefühlvoll geblasenen Tube mit ihren Instrumenten ebenso begeistern, wie mit ihren ausdrucksstarken Stimmen. Mit Gitarrist (Sänger und Komponist) Sepp Dornhauser haben sie schon zahlreiche Auszeichnungen für ihre variationsreichen Darbietungen erhalten, die Franz Gericke mit der von „great old Satchmo“ entliehenen Stimme krönt. Mit Songs von Louis Armstrong im Originalton versteht er es nicht nur, das Publikum auch in Neustadt zu begeistern, sondern selbst drohende Gewitterwolken nach dem berühmten Neustädter „Drei-Tropfen-Regen“ zu vertreiben, um schließlich unterm Sternenzelt bei Vollmond „a wonderful world“ zu besingen.

Ruhe im angrenzenden Schulhof gewünscht

Der Dank des Publikums wie auch insbesondere der sich hier „sehr wohl“ fühlenden Interpreten ging am vorletzten Schlosshof-Wochenende an den engagierten Kulturmanager Bastian Haas und sein Team. Es sollte gelingen, „in schweren Zeiten etwas loszulassen“, wie es der Mundartautor Stefan Thumann auch mit seinen „Gschichten aus dem alltäglichen Leben“ wünschte. Dem Veranstalter, wie auch den Künstlern wünschte man in dem von lärmenden Cliquen zeitweise erheblich gestörten Publikum, dass es der Stadt im Zusammenspiel mit der Polizei gelingen möge, bei den Konzerten für Ruhe im angrenzenden Schulhof zu sorgen.

Mit „Austropop vom Alleinfeinsten“, dargeboten von „Ménage à Trois“, einer der besten Coverbands Österreichs, sowie dem Trio „Doc Taylor & the Red-Haired Girl“ und seiner musikalisch-heiteren Reise „along the Irish Sea“ klingen die Schlosshof-Konzerte 2020 am 15. und 16. August aus.

o.n.

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