Mittwoch, 20.11.2019

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"Strack-Museum" vorgeschlagen

Große Dokumentation - Sitzecke mit Informationstafeln - 10.06.2019 17:35 Uhr

Bürgermeister Jürgen Riedel enthüllte mit Strack-Tochter Susanne Tietze die Informationstafeln. © Harald Munzinger


Anlass für diesen Platz und lebendige Erinnerungen an den „größten Sohn Münchsteinachs“ war der 90. Geburtstag von Günter Strack. Der wurde in der Freude über die vielen gemeinsamen Jahre und unvergesslichen Erlebnisse mit einer überwältigenden Sammlung von Dokumenten eines reichen Lebens und Wirkens, einem heiteren Anekdotenabend sowie einem Konzert mit dem Vermächtnis Stracks gefeiert, „den Spaß am Leben zu erhalten und mit Lebensfreude Andere anzustecken“.

Das war einem der besten Schauspieler Deutschlands in über 400 Rollen auf den großen Theaterbühnen wie vor den Kameras in Film- und TV-Studios in einer beispiellosen Karriere vom vorwitzigen jungen Statisten bis zum Träger internationaler Auszeichnungen unter anderem mit „Goldenen Kameras“ und den begehrten „Bambis“ gelungen. Dass Günter Strack alles spielen konnte, belegen Figuren wie die des jugendlichen Liebhabers oder gütigen Seelsorgers, des cleveren Anwaltes oder scharfsinnigen Kommissars in spannenden Fällen ohne grausame brutale Gewalt und zahllosen weiteren. Selbst Alfred Hitchcock hatte dies erkannt, den damals noch relativ unbekannten Schauspieler nach Hollywood geholt und ihn mit dem Filmklassiker „Der zerrissene Vorhang“ an der Seite von Paul Newman und Julie Andrews in die Erfolgslaufbahn katapultiert.

Diese zeigte eine Ausstellung in der Münchsteinacher „Kulturscheune“ auf, für die nach Schilderung von Susanne Tietze ein Jahr lang – „drei wären besser gewesen“ – Kisten von Dokumenten gesichtet, Stapel von Fotoalben durchgeblättert wurden. Maßgeblich zum großen Lebensportrait von Günter Strack hatte Wolfgang Lorenz mit seinem zu imposanten Collagen zusammengestellten Bilderschatz von den bekanntesten Produktionen beitragen. Ergänzt durch viele andere Exponate vom „Blauen Bock“ bis zum „Bambi“-Olymp und zahlreichen Bildern von dem „Münchsteinacher mit Leib und Seele“ bei vielen örtlichen Festlichkeiten böte sich diese Ausstellung eins-zu-eins für ein „Strack-Museum“ an.

MdL Helmut Markwort (r.) freute sich, dass Günter Strack 20 Jahre nach seinem Tod so große Ehre von seinem Heimatort zuteil wird. © Harald Munzinger


Damit griff Wolfgang Lorenz, der persönliche Vertraute des Schauspielers, der ihm seine vielfältigen Identitäten buchstäblich „auf den Leib geschneidert“ hatte, seine frühere Idee wieder auf, Günter Strack damit die verdiente Ehre zu erweisen, woraus Münchsteinach auch touristisches Kapital schlagen könnte. Dass dafür nach dem Auszug des Kindergartens dieses Museum neben dem Rathaus denkbar wäre, löste der Vorschlag von Wolfgang Lorenz am Festwochenende schon erste Fantasien aus. Er war unter den zahlreichen Gästen einer der engsten Freunde Stracks, unter denen auch dessen Schauspielerkollegen Walter Renneisen und Wilfried Klaus ebenso der besondere Willkommensgruß von Bürgermeister Riede galt, wie dem Landtagsabgeordneten und ehemaligen Focus-Chefredakteur Helmut Markwort.

Bürgermeister Riedel schildete den berühmtesten Münchsteinacher als ideen-, facetten-, erfolg- und ruhmreich und zugleich als Persönlichkeit mit beispielhaftem Charakter. Jede Gemeinde könne sich „glücklich schätzen, Menschen wie Günter Strack in ihren Reihen zu wissen“. Sei doch jede Gemeinde darauf angewiesen, dass sich Bürgerinnen und Bürger für das, was um sie herum geschehe verantwortlich fühlten, initiativ und aktiv würden. Wie eng Strack trotz der beruflichen Verpflichtungen, die in der Ausstellung ein überfüllter Terminkalender deutlich machte, seiner Wahlheimat Münchsteinach von 1963 bis zu seinem Tod im Januar 1999 verbunden war, spiegelte sich an einem Anekdotenabend in der Kulturscheune wieder.

Dr. Erich Zimmermann vom Kulturarbeitskreis hatte dazu eine optische Zeitreise mit Bildern und Filmsequenzen von örtlichen Ereignissen mit Günter Strack, „der die große weite Welt ins kleine Dorf gebracht“ hatte, zusammengestellt, die von der ehemaligen Bürgermeisterin Ursula Schenke mit persönlichen Erinnerungen kommentiert wurde. Einblick in das Familienleben und die glückliche Kindheit gab offen und mit berührenden Erinnerungen den „sehr verständnisvollen“ Vater Tochter Susanne Tietze und an einen liebevollen Opa dachte Enkel Sascha Tietze unter anderem mit dem Vorlesen am Kaminfeuer zurück . Von Exoten zu guten Freunden Wie Günter Strack mit seiner Familie als „ziemliche Exoten“ nach Münchsteinach gekommen war und über anfängliche Berührungsängste wurde berichtet, von den zögerlichen Annäherungen und von der Freude des Schauspielers, in dem kleinen Steigerwaldort abseits des großen (Medien-)Trubels einfach loslassen zu können. Und auch über seinen massiven Protest gegen den Einbau eines das romanische Münster zerstörenden Podestes, für den er sich im darüber zerstritten Dorf einen „Maulkorb“ eingehandelt hatte. Natürlich mit dem entsprechenden Medienecho, das in der Rückschau auf „Sagen und Legenden“ mit manchen Stracks Landleben romantisierenden „Fakes“ erheiterte. Die Entfernung des Podestes erlebte dessen streitbarer Gegner nicht mehr.

Dass sich der berühmte Schauspieler in der knapp bemessenen Freizeit der Regie einer Schülertheatergruppe annahm, als Nikolaus beim Adventsmarkt oder bei einer Kutschenparade mitwirkte oder beim Jubiläum des Männergesangvereins mit einigen Vereinsmitgliedern einen Ausschnitt des „fröhlichen Weinbergs“ auf die Bühne brachte, erinnerten Höhepunkte im Dorfleben „an einen von uns“. Als solcher wurde Günter Strack auch in Gesprächen geschildert, etwa wenn er – jeden Montag zur Sparkasse – durch das Dorf ging, ohne jegliche Starallüren stets mit einem freundlichen Gruß und auch gerne mal einem kurzen „Plausch über den Gartenzaun“ sowie beim Bäcker. Oder über heitere Stunden am Stammtisch, die Strack nach der Schilderung aus dem Freundeskreis ebenso genoss, wie die Abgeschiedenheit Münchsteinachs, dem er gerne Touristen wünschte, aber nicht so viele, dass sie das Idyll störten.

Grandioser Schauspieler und Mensch

Als einer der wichtigsten Menschen in seinem Leben, dankte am Anekdotenabend der Schauspieler Walter Renneisen dem Freund Günter Strack für die Starthilfe der eigenen Karriere, würdigte ihn als „grandiosen Schauspieler und Mensch“. Ausgiebig widmete er sich dessen hessischen Wurzeln und wusste den Dialekt so „büttenreif“ auszuspielen, dass „der Günter ganz sicher seine Freude daran gehabt hätte“, und er sich nach der mit Beifall bestätigten Auffassung von Moderatorin Schenke für das „Kulturprogramm“ Münchsteinachs empfahl. Christian Böttcher und Jürgen Willner vom Ensemble „just for fun“ belebten die Erinnerungen an einen „sehr besonderen Menschen“ mit Stracks Lieblingsliedern.

Bürgermeister Jürgen Riedel stattete dem „Imageträger Münchsteinachs“ posthum bei der Enthüllung der Erinnerungstafeln Dank ab. Wer habe schon vor seiner Zeit den abgelegenen Steigerwaldort gekannt? Heute sei das ganz anders, habe Günter Strack doch Münchsteinach weit über die Grenzen der Region hinaus bekannt gemacht, werde es immer mit ihm in Verbindung gebracht. Dies sei für die Bemühungen der Gemeinde im touristischen Bereich hilfreich, „zieht er doch noch heute viele in unsere (seine) schöne Heimat“. Berichtet wird, dass immer wieder Busgruppen das Grab besuchten, das nun an „seinen Festtagen“ lange über den Tod hinaus währende Freundschaften dokumentierte.

Jede Begegnung ein persönlicher Gewinn

Günter Strack, so sprach Jürgen Riedel den vielen seiner Freunde im großen Gästekreis aus dem Herzen, habe sich durch „seine Vertrauenswürdigkeit, seine Zuverlässigkeit und die Menschlichkeit ausgezeichnet, die jede Begegnung mit ihm auch zu einem persönlichen Gewinn werden ließ“. Er habe, wie nur wenige, erkannt, „dass die Gemeinschaft Menschen braucht, die geben und nicht nur fordern“. Vom Geist dieser Menschen werde eine Gemeinschaft gestärkt und vom Vorbild solcher Menschen werde eine Gemeinschaft im besten Sinne gebildet. Riedel wünschte unter Beifall, „dass dieses Vorbild noch lange Zeit nachwirkt und seine Ausstrahlung nicht verliert“.

Dass dies Münchsteinach der Fall ist, sollte die Gestaltung der Feststage für Günter Strack zeigen, für die Tochter Susanne Tietze den Kulturarbeitskreis besonders würdigte. Der hatte sich nicht nur mit großem Engagement in die Vorbereitungen eingebracht, sondern sorgte auch für das Wohlbefinden von „Leibe und Seele“ der Gäste. Dass dazu im gemütlichen „Strackwinkel“ mit den Informationstafeln über das Leben und Wirken des großen Schauspielers und geschätzten Münchsteinachs „a Schoppe gehört“, meinte Helmut Markwort. An Strack-Schoppen mangelt es in der Kulturscheune nicht, in der mit dem Gedenken an Günter Strack und in seinem Sinn eine Spendenaktion für die Elterninitiative krebs- und chronisch kranker Kinder verbunden wurde.

Harald J. Munzinger

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