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Dienstag, 23.07.2019

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Oti Schmelzer erobert mit schlitzohrigem Humor Münchsteinach

"Gschmarri statt Handball" in der Kulturscheune - 26.01.2019 18:22 Uhr

Mit einem Ministranten aus dem Publikum (r.) nahm Oti Schmelzer die Münchsteinacher Eigenheiten „ins Gebet“. © Harald Munzinger


War der Kulturarbeitskreis mit dem Kabarettisten und Parodisten Bernd Händel heiter in das Jahresprogramm 2018 gestartet, so konnte er nun daran anknüpfen, da es Ellen und Dr. Erich Zimmermann gelungen war, Oti (Otmar) Schmelzer nach Münchsteinach einzuladen, nachdem er sie live auf der Bühne mit seinem flotten Soloprogramm noch mehr begeistert hatte, als bei seinen TV-Auftritten mit Millionenpublikum. Klein aber fein sollte dagegen der Saal der „Kulturscheune“ mit seinem ganz besonderen Ambiente dem kernig-heiteren Steigerwälder Original ganz offensichtlich nicht weniger Spaß machen, als Gastspiele auf großen Bühnen, etwa in der „Comödie Fürth“, in der er ebenso „zum Inventar“ gehört, wie bei der „Fastnacht in Franken“.

„Oti“ als Rosenkavalier

Dabei sorgte der Wortspieler und Verwandlungskünstler aus Oberschwappach für eine doppelte Premiere. Denn bei seinem ersten Soloauftritt in der Region, gab es Blumen schon vor der Show. Mit Rosen eroberte „Oti“ die Herzen der Gastgeberinnen, die für einen gemütlich-genussvollen Rahmen einer heiteren Nacht sorgten. Und die Sympathien des Publikums gewann er bei legeren Plaudereien vor und nach der Vorstellung sowie in deren Pause. So erlebte dieses einen Star ohne Allüren, einen geerdeten Franken und bekennenden Clubfan, der sich im Supermarkt damit outet, dass er „keine Punkte sammelt“.

Mit origineller Gestik und komödiantischem Mienenspiel hat Oti Schmelzer die TV-Bühne von Fastnacht in Franken“ erobert und weiß mit seinem schlitzohrigen Humor auch in Live-Programmen zu begeistern. © Harald Munzinger


Natürlich ist es für den Kabarettisten „der Ritterschlag“, bei der „Fastnacht in Franken“ mitzuwirken, doch wer Oti Schmelzer bisher nur bei diesen Auftritten gesehen hatte, sollte ihn auf der kleinen Bühne mit munterem Themen- und Rollenwechsel neu kennenlernen. Und dabei feststellen, dass er es nicht nur ausgezeichnet versteht, alte Witze auf originelle Weise zu recyceln, sondern auch die Situationskomik beherrscht, dabei auf das Publikum eingeht, es in das Geschehen einbezieht. Da wird aus diesem ein Ministrant rekrutiert, dem ehemaligen Bürgermeister Helmut Reiß zum Geburtstag gratuliert oder auf einen alles andere als fränkischen Zwischenruf reagiert.

Ein dankbares Stichwort für den Franken-Missionar mit der Sorge um den aussterbenden Dialekt, mit dem auch manch derber Spruch noch zu erheitern vermag, oder die Pointe verstärkt und den Franken als „Gefühlsfeuerwerker entfacht“. Und man am Ende zum Schluss kommt, dass sein „Gschmarri“ eine gute Alternative zum Handball-Halbfinale gewesen, er der Gewinner des Abends sein sollte. Zumal sich Oti Schmelzer mit den örtlichen Besonderheiten wie dem halben Pfarrer bei ganzer Kirchensteuer, den Straßen als Stoßdämpferprüfstrecken oder der Münstersanierung vertraut gemacht hatte, bei der die Tauben schneller ihre Nester bauen. Auch der legendäre Nachbarstreit Münchsteinach-Gutenstetten, oder dass man sich nach Mitternacht nur noch mit Blindenschrift im Ort zurechtfindet, trifft punktgenau die auch mit der großen Politik kräftig massierten Lachnerven. Wenn der Satiriker die Kuppel auf dem Reichstag etwa damit erklärt, dass es ohne diese nun mal keinen Zirkus gebe.

Gekonntes komödiantisches Mienenspiel

Plaudernd oder in Gstanzl verpackt, wird großzügig Fett verteilt, das mal die Frauen trifft, die „mehr Spaß vertragen“, mal das Seitz‘sche Elektroauto, die Kirche bei der Wallfahrt oder die Politiker, deren Schuhe vorne mit dem Absatz besohlt werden, dass sie immer dächten, aufwärts zu gehen. Oder wenn Aiwangers Gesicht mit einem Picasso-Gemälde verglichen wird, bei dem man auch nicht wusste, was es bedeutete. Der Wechsel der Kopfbedeckung genügt Schmelzer für den Rollentausch, den Rest besorgen Gestik und ein gekonntes komödiantisches Mienenspiel zum nicht unbedingt typisch fränkischen Redeschwall im Duell mit den rasanten Akkordeonklängen; wenn‘s läffd nacherd läffds eben!

Ohne Zugabe entließ man Oti Schmelzer nicht aus Münchsteinachs guter Kulturstube, durch die eine steife Brise Frankenfasching blies, ehe das originelle Frankenoriginal in die Winzerrolle wechselte und bewies, dass er sich auf Keltern ebenso versteht, wie auf den Humor, mit dem er das Clubberer-Schicksal nimmt, dass man ein Jahr zum Aufstieg auf den höchsten Berg der Welt in Nürnberg und eines für den Abstieg benötigt. Der kräftig-rhythmischen Applaus nach einem heiteren Ritt auf den Wellen von Blöd- und Frohsinn nahm Schmelzer als schöne Erinnerung an Münchsteinach mit, den Kulturarbeitskreis belohnte er für die Bereicherung der Region.

Erinnerung an Günter Strack

Die kann am 8. und 9. Juni stolz darauf sein, Heimat eines der besten deutschen Schauspieler gewesen zu sein, wenn im Rahmen von „Kunst und Kultur in alten Mauern“ an dessen 90. Geburtstag an Günter Strack erinnert wird. Am 27. Juli wird wiederum der „Slotkoor“ zu Gast sein, ein Termin, den sich Freunde von Chorgesang auf höchstem Niveau schon vorgemerkt haben. 

Harald J. Munzinger

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