Mittwoch, 20.11.2019

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Gelungene Premiere der "Uehlfelder MundArt-Nächte"

Vorstellung setzt ein Plädoyer für den Dialekt - 02.06.2019 11:48 Uhr

Harald Weigand und Helmut Haberkamm (v. r.) schöpften mit der „Aaschgrundbänd“ bei der ersten „Uehlfelder MundArt-Nacht“ schwärmerisch aus dem riesigen Wortschatz des Dialektes. © Harald Munzinger


Zu ihr sollte auch der vollbesetze „Prechtelsaal“ in bester Stimmung das "Bänkla“-Team ermuntert haben, das mit dem leidenschaftlichen Plädoyer für den Dialekt einem Tipp der "Aaschgrundbänd“ gefolgt war. Mit ihr sowie "den“ Mundartautoren Helmut Haberkamm und Harald Weigand brachte es Originale auf die Bühne, die tief in die Frankenseele blickten, um aus ihr die Hymnen auf eine wunderbare Heimat und die Menschen anzustimmen, die sie mit all ihren Eigenheiten auch in ihrer Sprache prägen.

"Wir lernen Euch Fränkisch“, kündigten es Dr. Wolfgang Gürtler, Bernd Adler (Gitarre) und Michael Klein (Cajon), zwei Dachsbacher "Herrgottsköpf“ und ein "Neischdädder“ in der "Aaschgrundbänd“ musikalisch an. Beim Großteil des Publikums weckten sie sowie die Autoren Weigand und Haberkamm mit "Hardcore-Fränkisch“ Erinnerungen und legten den vielfach vom "Umgangshochdeutsch“ überlagerten Wortschatz wieder frei. Die anderen Gäste "mussten“ erkennen, dass im Aisch- und Ehegrund nun mal der allerschönste Dialekt gesprochen wird.

"Socherer“ und "Verschli“

Genauer gesagt, wurde. Denn er droht zu verschwinden, wie Helmut Haberkamm – "von der Sprache geprägt, die mir ans Herz gewachsen ist“ – mahnte und zugleich deutlich machte, wie wertvoll plötzlich "Rares“ wird. In der ersten "MundArt-Nacht“ wurde dies schwärmerisch auf einem heiter-bunten Jahrmarkt des Dialektes ausgebreitet, lustvoll im üppigen Mundart-Wörterbuch geblättert. Mit "Socherern“ und "Verschli“, mit der Sammlung von Spitznamen oder Koseworten, Speisen oder Schimpftiraden bis hin zu Goethes „Abschied und willkommen“ auf Fränkisch zeigte Helmut Habermann aus seinen zahlreichen Publikationen "den Klangkosmos“ der "Aaschgrinder“ Mundart aus.

Feinfühlig und geradezu erotisch

Wer sie als raubeinig oder grobschlächtig bezeichnet, belehrte Haberkamm mit den Verkürzungen, Verkleinerungen und Verweichligungen eines Besseren, spielte mit einer feinfühligen, ja geradezu erotischen Mundart "mit der melodischen Vielfalt aus dem Bauch und Gefühl“ beim Blick in eine Zeit, als Shopping noch nicht Trend war, sondern man "was für den Übergang“ kaufte. Und als noch typisch fränkische Gerichte auf den Tisch kamen, die „Sehnsucht nach der Taiga“ besungen wurde. Die weckte Haberkamm kurzerhand ebenso nach Franken, wie die "Aaschgrundbänd“ in den Hymnen auf die Heimat, in der es sich doch so gut leben lässt, wie nirgendwo auf der Welt.

"Zwaa Doch nix als gjammerd“

Der musikalische Appell, sich aufzuraffen, war nicht eben Harald Weigand Sache, wie er es mit einem vom Freundeskreis erzwungenen Weinfestbesuch mit fatalen Folgen schilderte. Herrlich "pfopfernd“, wie es (eben auch) eine fränkische Eigenart ist, über alles und in sich hinein zu granteln. Da versteht es Weigand trefflich, wortmalerisch Bilder von Zeitgenossen entstehen zu lassen, die "zwaa Dooch nix als gjammerd hem“, die nichts aus tiefsten Depressionen zu lösen vermag oder die selbst auf höchstem Niveau mit zwei Häusern und Autos im Selbstmitleid zergehen.

Den Konsumwahn mit immer größeren und gierigeren Augen oder die verlogene Moral spießt er auf die spitze Satirefeder und lässt beim Sinnieren über den Aufbruch mit "könnert, müssert, sollert“ und dem Fazit "aber ned glei“ spontan an die Politik denken. In seinem feurigen Plädoyer für die "Freiheit des Karpfens“, dem er schließlich doch genüsslich an die knusprig gebackenen Flossen geht, spiegelt sich Weigands Hang zum hintergründigen Humor. Auch wenn er als Grund einer dramatisch geschilderten Dauerpression zwei Jahre Leben mit der gleichen Frau ausmachte. Der Protest aus dem Publikum, in dem man sich immer wieder die Lachtränen aus den Augen wischt, fällt da heiter aus.

Die von der "Aaschgrundbänd“ besungene zu schnell vergangene Zeit empfand man besonders in der kurzweiligen ersten „Uehlfelder MundArtNacht“. Allerdings mit anderer Schlussfolgerung, denn sie ist schließlich nicht unwiederbringlich. Und der fränkische Sprachschatz unerschöpflich, die Vorfreude auf die zweite "Uehlfelder MundArtNacht“ durch eine perfekte Premiere – "bassd scho“ mit fünf Sternen - genährt.

Mit fränkischer Lebensart in die neue Saison Mit fränkischer Lebensart startet das "Bänkla“ nach der Sommerpause am 28. September auch in sein Herbstprogramm, wenn "Häisd’n’däisd vomm mee“ auf der Prechtel-Bühne das Beste aus 20 Jahren darbietet. Franziska Wanninger wird auf der am 26. Oktober "furchtlos glücklich“ zu Gast sein und am 23. November Philipp Weber. Zu einer „fröhlichen Kinderbühne“ lädt das Bänkla am 4. Dezember ein, „Wenn der Kaschber dem Nik aus der Patsche half“. Schon am 6. Oktober öffnet das "Uehlfelder Lesebänkla“ seine Torhaus-Pforte zu "Weinlese – Lesewein“ und am 16. November ist das Tanz-Parkett gebohnert für eine "Bänkla Oldie Nacht“.

Harald Munzinger

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