Dienstag, 19.11.2019

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Flüchtlingsrat stoppt Abschiebung eines Afghanen aus Franken

Mobin M. erhielt massive Drohungen wegen Teilnahme an Passionsspiel - 22.05.2019 18:46 Uhr

26 Männer sollten am Dienstagabend von Düsseldorf aus im Zuge einer Sammelabschiebung nach Kabul geflogen werden. © Daniel Roland/AFP


Zusammen mit 25 anderen abgelehnten Asylbewerbern sollte Mobin M. am Dienstagabend von Düsseldorf aus mit einer Chartermaschine nach Kabul geflogen werden. Er saß bereits im Flugzeug, als er zusammen mit einem weiteren Afghanen in letzter Minute aus der Maschine geholt wurde. Laut Stephan Dünnwald, Sprecher des Bayerischen Flüchtlingsrats, hätte der bayerische Innenminister Joachim Herrmann die Fälle der beiden Asylbewerber nochmals überprüft und dann entschieden, dass sie vorerst nicht abgeschoben werden. Wie Dünnwald konstatiert, sei die Gefährdungslage für die beiden Männer in ihrem Heimatland ziemlich groß.

Im vergangenen Sommer nahm Mobin M. an einem christlichen Passionsspiel in Scheinfeld teil, stand als römischer Soldat an der Seite des leidenden Christus. Über Facebook gelangten Fotos der Aufführung an Freunde und Verwandte in Afghanistan. Wie Dünnwald berichtet, machten die Aufnahmen schnell die Runde und Mobin M. erhielt massive Drohungen aus seinem Heimatland. Drei Wochen hatte der Afghane deswegen in der Psychiatrie verbracht.

Mobin M. hätte sich als "Christenfreund" gezeigt

Im Oktober folgte dann der Ablehnungsbescheid samt Abschiebeandrohung, worauf Mobin M. in Panik nach Frankreich flüchtete. "Ich habe dort zwei Monate auf der Straße geschlafen", erklärte der Afghane am Mittwoch gegenüber nordbayern.de. Vor zehn Tagen wurde er dann zurück nach Bayern geschickt, wo er laut dem Sprecher des Flüchtlingsrats postwendend in Erding in Abschiebehaft landete.

"Wenn bekannt wird, dass er wieder in Afghanistan ist, droht ihm der Tod", erklärt der Bayerische Flüchtlingsrat. Mobin M. hätte sich durch seine Teilnahme an den Passionsspielen als "Christenfreund" gezeigt.

Die drohende Abschiebung des 22-Jährigen zog weite Kreise: Wie Dünnwald berichtet, hätten sich unter anderem der Weihbischof Herwig Gössl aus Bamberg sowie der evangelische Landesbischof Bedford-Strohm, Alexander Hold, von den Freien Wählern und Alexandra Hiersemann, migrationspolitische Sprecherin der SPD, für den 22-Jährigen eingesetzt. Zudem hätten mehr als 100 Flüchtlingshelfer ihre Appelle an das Innenministerium und das Landesamt für Asyl und Rückführung gerichtet. Diese wurden dem bayerischen Innenminister laut Dünnwald am Dienstagabend persönlich vorgelegt, der letztendlich entschied, Mobin M. und einen weiteren Afghanen aus dem Flieger zu holen. "Ich hatte große Angst, es war schrecklich", schildert Mobin M. seine Gedanken, die ihm noch im Flugzeug durch den Kopf gingen.

Vorschuljahr in der Altenpflege

Mobin M. gilt mittlerweile als gut integriert, besuchte den Sozialpflegezweig am Berufsschulzentrum und begann im September ein Vorschuljahr in der Altenpflege, welches er wohl jederzeit wieder aufnehmen könne, so Betreuerin Gudrun Heilmann, bei der der 22-Jährige mit fünf weiteren Afghanen Deutsch und Englisch lernt. "Die Arbeit im Seniorenzentrum macht mir Spaß, es sind lauter nette Leute", erklärt der Afghane und hofft bald wieder das Praktikum antreten zu können.

Das bayerische Innenministerium hat sich bislang nicht dazu geäußert, wie es im Fall Mobin M. weitergeht. Dennoch zeigt sich der Bayerische Flüchtlingsrat vorsichtig optimistisch. "Wenn nun nichts Negatives passiert, dann sehen wir die Entscheidung des Innenministers auch als positives Signal für eine dauerhafte Bleibemöglichkeit", konstatierte Dünnwald.

Am Donnerstagvormittag sei Mobin M. bei der Zentralen Ausländerbehörde in Ansbach vorgeladen, er wird von Gudrun Heilmann begleitet.

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