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Dienstag, 15.10.2019

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Fischer mit großen Sorgen

Ex-Karpfenkönigin Katrin Uano neue TG-Geschäftsführerin - 10.01.2019 14:01 Uhr

Die ehemalige Karpfenkönigin Katrin Uano übernimmt die Geschäftsführung der Teichgenossenschaft von Thomas Müller-Braun. © Harald Munzinger


Er war in den 45 Jahren der ehrenamtlichen Geschäftsführung zum Synonym der Teichgenossenschaft geworden, die nicht nur für Walter Jakob von der Höchstadter Genossenschaft "ohne Müller-Braun undenkbar" schien. Der wollte schon seit langem das Amt übergeben und sah nun dafür mit Katrin Uano eine sehr gute Nachfolge gefunden. Dem schloss die Mitgliederversammlung mit ihrer einstimmigen Wahl an.

Ebenso einstimmig wurden in rekordverdächtiger Zeit Landrat Helmut Weiß als Vorsitzender im Amt bestätigt und seine Stellvertreter Meinhard Fries, Paul Wehr, Karlheinz Kern, Walter Ziegelmeier und Fritz Bauer gewählt, ferner die Vertreter in den überregionalen Verbänden. Der Landrat würdigte die Verdienste Müller-Brauns, der "die Teichwirtschaft im Landkreis wesentlich vorangebracht hat, sei es in wirtschaftlicher, als auch in touristischer Hinsicht". Mit Unterstützung des ehemaligen Landtagsabgeordneten und Präsidenten des Fischereiverbandes Mittelfranken, Fritz Loscher-Frühwald, sei es seien "Bestrebungen zu verdanken, dass er Aischgründer Spiegelkarpfen als geographisch geschützte Angabe und besonderes Regionalprodukt weit über unsere Landkreisgrenzen hinaus bekannt ist".

Weiß dankte Thomas Müller-Braun mit einem Präsent für 45-jähriges ehrenamtliches Engagement, das auch in den Grußworten der benachbarten Geschäftsführerkollegen von Ansbach und Höchstadt als ebenso außergewöhnlich wie erfolgreich gewürdigt wurde. Enorm viel geleistet zu haben, womit die Teichwirtschaft im Landkreis immer gut aufgestellt gewesen sei, würdigte MdL Hans Herold den scheidenden Geschäftsführer.

Gleich zwei "riesige Verluste"

Abschied galt es im kleinen Saal der Uehlfelder Brauerei Prechtel auch von Ministerialrat Dr. Franz Geldhauser zu nehmen. Für die Fischerei bedeute das Ausscheiden von ihm wie von Thomas Müller-Braun "einen riesigen Verlust", so Walter Jakob. Als "richtiger Mann am richtigen Ort für die Teichwirtschaft großartige Arbeit geleistet" zu haben, dankte MdL Herold einem in Fischereibelangen immer guten Ansprechpartner. Als Vorsitzender der Teichgenossenschaft sprach Landrat Helmut Weiß den Dank für jahrzehntelange Unterstützung aus. Dr. Geldhauser sei "in all den Jahren nicht nur ein Helfer und Freund der bayerischen Fischerei, sondern auch dem Aischgrund und seinen Fischer besonders verbunden gewesen".

Dass er hier mit den 15 Jahren als Leiter der Außenstelle für Karpfenteichwirtschaft in Höchstadt seine fachlichen Wurzeln habe die Franken als "sympathische Gesellschaft" schätze, führte der Ministerialrat aus, der nun nach 22 Jahren in der Ministerialbürokratie in den Ruhestand geht. In einem Fachvortrag beleuchtete er "die Entwicklung der Fischereipolitik in Bayern". Dabei ging er auf die Aktualisierung der "Teichbauempfehlungen" ein und sah dazu "vernünftige bodenständige Formulierungen" gefunden.

"Von niemand beirren lassen"

Um keine Angriffsflächen zu bieten, sei "vor und während des Abfischens der Vorrang des Tierwohls zu beachten". Beim Abfischen seien Fischverluste so weit wie möglich zu vermeiden und tote Fische am Damm einzusammeln. Der Geschäftsführer des Verbandes der Bayerischen Berufsfischer, Harald Siller, rief in diesem Zusammenhang die Kritiker auf, "unsere Arbeit wie seit Jahrhunderten machen" und die Teichwirte, "sich von niemand beirren zu lassen".

Ein Keramik-Karpfen soll Ministerialrat Dr. Franz Geldhauser (l.) an den Aischgrund erinnern. Der im Amt des Vorsitzenden bestätigte Landrat Helmut Weiß überreichte ihn zum Ruhestand des Fischereiexperten. © Harald Munzinger


Bei dessen Qualität hielt Dr. Geldhauser ein spezielles Siegel für den Karpfen für "leicht überflüssig", zudem mit viel Zeit, Geld und Bürokratie verbunden. Auch das Etikett "Öko-Erzeuger" betrachtete er distanziert, sei die Erzeugung von Grund auf Öko und bei dem guten Ruf des Karpfens "Überzeugungsarbeit überflüssig". Das sieht man offenbar auch in den 10.000 Fischereibetrieben in Bayern ebenso, von denen bislang lediglich 20 das Etikett beantragt haben.

Dass die Fischerei ganz andere Probleme hat, zeigte der Experte, der den Europäischen Meeres- und Fischereifonds zu nutzen empfahl, mit den von Kormoranen und Bibern verursachten Schäden auf, die man mit gezieltem Management und Beratung vor Ort zu mindern versucht. Neue "sehr große Sorgen" bereitet der Fischotter mit einer "von Osten nach Westen ziehenden Gewitterwolke"- Aktuell breite er sich in Oberfranken aus. Lagen die erfassten Schäden 2016 noch bei 280.000 Euro stiegen sie 2018 auf 1,04 Millionen Euro.

Der Staat werde "irgendwann die Schäden nicht mehr ausgleichen können", befürchtete Dr. Franz Geldhauser, der in der "Entnahme", also Reduzierung der Tiere, die einzige wirksame Maßnahme sah, sollen dramatische Fischverluste vermieden und die Kulturlandschaft erhalten werden. "Da kann einem schon ein wenig Angst werden", schloss der TG-Vorsitzende aus den Ausführungen Geldhausers und hoffte, dass die Otterregulierung dem Jagdrecht zugeordnet wird.

Nach dem trockenen und heißen Sommern, in dem mit vernünftiger Fütterung, Belüftung der Teiche oder Notfallumsetzungen der Fische größere Verluste vermieden worden seien, freute sich Weiß über reichlich Regen und Schnee. Der nasse Winter 2017/18 sei "ein Glücksfall gewesen, der sich durchaus heuer wiederholen darf". Erfreuliches berichtete er über die Präsenz der Teichgenossenschaft ebenso wie deren Geschäftsführer Thomas Müller-Braun in seinem letzten Bericht, den er mit einem 4000-Euro-Polster für 2019 beschloss.

30 Jahre Karpfenland Aischgrund

Neben dem erneut großen Anklang der "Aischgründer Karpfenschmeckerwochen" sollte deren Doppeljubiläum mit der "Mittelfränkischen Bocksbeutelstraße" bei einem "Festival der Genüsse" das herausragende Ereignis gewesen sein. Auch in diesem Jahr wird ein Jubiläum – 30 Jahre "Karpfenland Aischgrund" - gefeiert, was Gelegenheit bietet, "verstärkt an die Öffentlichkeit zu treten". Dabei soll auch bei jungen Teichwirten für den Eintritt in die Teichgenossenschaft geworben werden. So etwa Anfang September beim Karpfenland-Jubiläum in Höchstadt und dann auf dem "KarpfenMarktPlatz" in Neustadt.

Harald J. Munzinger

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