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Corona: Vorsichtiges aufatmen im Landkreis Neustadt/Aisch

Landrat beleuchtet Corona-Pandemie im Landkreis - 01.07.2020 18:06 Uhr

Über 3000 Anrufe hat das Bürgertelefon-Coronavirus des Landratsamtes entgegengenommen und verschiedenste Anliegen der Bürgerinnen und Bürger aus den Bereichen Wirtschaft, Gesundheit und Recht abgearbeitet.

© Sandra Hauck, Landratsamt


In der Lagebesprechung der letzten Woche wurde darüber berichtet, wie die Strukturen des Katastrophenschutzes im Landratsamt nach der Aufhebung des Katastrophenfalls weitergeführt werden. Bereits vor der Ausrufung des Katastrophenfalls (16. März 2020) hatte der Landkreis die "Koordinationsgruppe Corona" eingerichtet, die seit 28. Februar Strukturen für die Maßnahmen gegen die Pandemie aufbaute und umsetzte. Mit dem 16. März ist sie in der Führungsgruppe Katastrophenschutz (FüGK) aufgegangen.

Diese führte zeitweise täglich hausinterne Lagebesprechungen durch, teilweise auch in großer Besetzung mit Polizei, Kliniken, Hilfsorganisationen und Bundeswehr. "Die Lage wurde täglich gesichtet und bewertet, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Landratsamtes waren auch am Wochenende im Einsatz", gibt Pressesprecher Matthias Hirsch Einblick in dieses Wirken. Auch nach der Beendigung des Katastrophenfalls am 16. Juni werde die Lage weiterhin täglich aufgenommen und bewertet, um schnell auf eine mögliche weitere Pandemiewelle reagieren zu können.

Auch würden Abläufe und Strukturen beibehalten, so Hirsch. Derzeit seien immer noch etwa 40 Personen zumindest zeitweise – nun wieder in die "Koordinierungsgruppe" – eingebunden. Sie deckt die Bereiche Gesundheitsamt, Rechtsvollzug sowie Katastrophenschutz und Bevölkerungs- und Medienarbeit ab. Matthias Hirsch: "Die schrittweise Aufhebung der Beschränkungen bringt neue Arbeit mit sich, insbesondere weil der Bedarf an Bürgerinformation bestehen bleiben wird". Zu Beginn der Pandemie hätten vor allem Gesundheitsthemen im Vordergrund gestanden, jetzt seien die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Landratsamt "mit der sich ständig ändernden Rechtslage durch die schrittweisen Lockerungen stark beschäftigt".

635 Kontaktpersonen der Kategorie 1

"Im Landkreis wurden bis zur Aufhebung des Katastrophenfalls 243 Personen positiv getestet, Kontaktpersonen der Kategorie 1 wurden 635 identifiziert und jeweils unter häusliche Absonderung gestellt. Leider gab es bisher sechs Todesfälle zu beklagen" wird das Zwischenresümee gezogen. Der Personaleinsatz seitens des Landratsamtes habe die Zeit des Katastrophenfalls hinweg bei 84 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gelegen. Zudem waren 15 Beamtenanwärterinnen und -anwärter im" Contact-Tracing-Team" (Kontaktpersonennachverfolgung) tätig gewesen, drei Ehrenamtliche im Bereich Gesundheitsamt, ein sogenannter Versorgungsarzt mit Assistent als Berater und Verbindung in die Ärzteschaft außerhalb des öffentlichen Gesundheitsdienstes sowie fünf weitere zugeordnete Personen (Ärzte, Juristen, Medizinischer Dienst der Krankenkassen, RKI) im Einsatz.

Über 3000 Anrufe am Bürgertelefon

"Die Aufgaben waren umfangreich und vielfältig, darunter die Ermittlung der Infektionsketten und der Kontaktpersonen, die Erstellung von Bescheiden (z.B. häusliche Absonderung), der Erlass von ergänzenden Allgemeinverfügungen, das Bürgertelefon, das rund 3100 Anrufe in den Bereichen Medizin, Wirtschaft und Recht bearbeitete, sowie die Testzentren erforderten einen hohen Mitarbeitereinsatz" beschreibt Hirsch in einer Pressemitteilung die große Herausforderung seitens der Hauptverwaltung bei der Organisation des gesamten Personaleinsatzes.

Auch die Organisation und Verteilung von Schutzmitteln sei ein wichtiger Teil dieser Arbeit. So wurden im Landkreis über 175.000 Schutzmasken verschiedener Sicherheitsstufen (Einmalmasken, FFP2, FFP3), über 4.000 l Desinfektionsmittel, 430 Schutzanzüge, 900 Gesichtsvisiere, über 72.000 Einmal-Handschuhe sowie über 2800 Schutzkittel an 175 Bedarfsträger verteilt. An 35 Tagen wurde das Material ausgefahren. Zu Spitzenzeiten waren fünf Mitarbeiter mit der Auslieferung beschäftigt.

815 Test in den beiden Zentren

Das Fieberzelt an den Kreiskliniken in Neustadt war vom 9. März bis 6. April im Einsatz. Insgesamt wurden dort 301 Tests durchgeführt. Das Testzentrum in Bad Windsheim war vom 2. April bis 5. Juni in der dortigen alten Stadthalle untergebracht. Ein Arzt der Kassenärztlichen Vereinigung sowie drei ehrenamtliche Mitarbeiter des ASB testeten an 32 Betriebstagen insgesamt 514 Personen aller Altersgruppen. Da die alte Stadthalle ab Juni nicht mehr zur Verfügung stand, zog das Testzentrum um an das Gesundheitsamt in Neustadt. Bis Stand 19. Juni wurden dort 49 Personen getestet.

36 Covid-Patienten stationär

Die Kliniken des Landkreises hatten ebenfalls viel zu stemmen. So war jeweils die Vorhaltung von Intensivbetten und die Einrichtung einer Isolierstation nötig. Ab dem 16. März sagten die Kliniken alle planbaren Operationen und Untersuchungen ab, der Notfallbetrieb lief regulär weiter. Insgesamt waren 36 Patienten wegen einer Covid-19-Erkrankung stationär im Krankenhaus, intensivmedizinisch behandelt davon wurden fünf. Inzwischen gehen die Kliniken langsam wieder in den Regelbetrieb über. Weiter an die Vorschriften halten!

"Die vielen Übungen und der Ausbau des Personals im Katastrophenschutz in den letzten Jahren hat sich ausgezahlt. Wir konnten schnell reagieren, waren von Anfang an gut aufgestellt und auch die Kommunikation zwischen den einzelnen Organisationen und auch innerhalb des Hauses liefen weitgehend reibungslos. Bisher ist die Pandemie bei uns im bayernweiten Vergleich relativ glimpflich verlaufen, auch wenn jeder der sechs Todesfälle natürlich einer zu viel ist", so Landrat Weiß in der Rückschau auf die letzten vier Monate. Zwar seien in den letzten Tagen wieder einige Neuinfektionen zu verzeichnen gewesen, doch "lassen uns die aktuellen Fallzahlen erst einmal aufatmen. Wir wissen aber alle, dass es noch nicht vorbei ist. Wir müssen die Lage weiterhin beobachten und regelmäßig beurteilen. Deshalb rufe ich alle Bürgerinnen und Bürger dazu auf, sich auch weiterhin an die jeweils geltenden Vorschriften zu halten."

n.b./o.n.

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