Mittwoch, 11.12.2019

|

Bei "Choralle" und "Maybebop" KKC "aus dem Häuschen"

Konzert der Extraklasse in Bad Windsheim - 03.06.2019 16:47 Uhr

"Choralle" gemeinsam mit „Maybebop“ auf der Bühne! Damit ging für Chorleiter Dieter Weidemann beim „Konzert der Extraklasse“ ein Traum in Erfüllung. © Harald Munzinger


Mit Applaus wurde schon der Einzug von „Choralle“ in das binnen zwei Tagen für dieses Sonderkonzert ausverkaufte KKC begleitet. Ein "Vorschuss", den Chorleiter Dieter Weidemann mit der auf über 80 Sängerinnen und Sängern angewachsenen Chorgemeinschaft in gewohnter professioneller Qualität einmal mehr rechtfertigte. Dabei überraschte "Choralle“ mit einigen neuen Effekten in den immer wieder begeisternden Darbietungen, wie etwa dem akustischen „Vorspiel“ sich reibender Hände, knipsenden Fingern bis zum rhythmischen Schenkelklopfen. Hatte sich da schon das Coaching mit den vier Interpreten von "Maybebop“ ausgewirkt?

Bilderstrecke zum Thema

Männerstimmen und A-cappella: "Choralle" und "Maybe in Bad Windsheim

Rund 700 Gäste lauschten in Bad Windsheim den Männerstimmen von "Choralle" und der a-cappella-Formation "Maybebop", die ein gemeinsames Konzert gaben. Wir haben die Bilder aus dem Kur- und Kongress-Center.


Das hatte mit allerlei Ratschlägen für Stimmen wie Stimmungen (Performance) vor dem Konzert stattgefunden und nach Aussagen aus dem Chor "bis unter die Haarspitzen motiviert“. Was leicht nachzuvollziehen war, wenn man die vier Sänger mit dem faszinierendem Bandsound über die Bühne wirbeln sah.

Auf der zog jedoch zunächst „Choralle“ seine große Fanschar in den Bann der Songs von "Jump“ und „Afrika", was nicht besser auf das Hallenklima passen konnte. Im "Daft Punk-Style" überzeugten die vier bejubelten Solisten Michaela Billert und Nina Preiß sowie Simon Schoirerer und Fabian Schiefer und Evelyn Wedel brachte mit Kristina Spohner eine heitere Note mit dem in Fränkische übersetzten Song "Geh schau doch“ nur für die Frauenstimmen in das Konzert, wobei Johannes Fleischmann eine "Außenseiterrolle“ gelassen spielte.

Die Männer wussten mit dem leidenschaftlich-zärtlichen, aus den Herzen gesungenen "Ich seh Dich“ genauso mit perfekter Darbietung zu überzeugen, wie "Choralle“ mit dem ganz neu interpretierten „Deutschlied“ mit dem vom Publikum lautstark bestätigten Bekenntnis zum friedvollen Miteinander und gegen zerstörerische Tendenzen, bei dem der Komponist und Songwriter Oliver Gies zeitkritisch die Feder führte. Mit "Engel“ aus dem Wettbewerbsprogramm in Dortmund belegte "Choralle“ noch einmal seine Stärke in der populären Chormusik, ehe die Besucher vor dem KKC buchstäblich „Luft schnappen“ und sich angeregt über den neuerlichen Genuss perfekten Chorgesangs austauschen konnten.

Empfehlung für europäischen Wettbewerb

Dass mit diesem "Choralle das Zeug für den größten europäischen Chorwettbewerb“ habe, zeigte sich die Landtagsabgeordnete Gabi Schmidt überzeugt und empfahl die Teilnahme daran im Baltikum, aus dem sie nach Bad Windsheim angereist war. Man könnte damit auch endlich einmal Mittel aus dem Kulturfonds abrufen, was sie schon ebenso häufig wie erfolglos vorgeschlagen habe. Als bekennender „Choralle-Fan“ sollte das Konzert ihre Leidenschaft für Chorgesang noch verstärken. Und ganz offenbar nicht nur ihre, denn „die Halle stand“ bereits beim Auszug von Dieter Weidemann und seiner singend-swingenden Großfamilie zur Pause.

Hatte sie die Bühne des KKC ausgefüllt, sollte das auch dem Quartett "Maybebop“ mühelos gelingen, das pausenlos in Bewegung war und zu den akustischen Genüssen raffiniert abgestimmte optische Reize bot. Dieter Weidemann sollte mit den „tollen Typen“, die zum Besten zählten, was a cappella-Gruppen derzeit in Deutschland zu bieten und dazu auch noch einen der erfolgreichsten Sänger, Komponisten und Songwriter in ihren Reihen hätten, nicht zu viel versprochen haben. Für ihn sollte sich denn auch ein lange gehegter Wunsch erfüllt haben, einmal ein Konzert mit dem Quartett aus Hamburg zu gestalten.

Zwar gaben Gründungsmitglied Oliver Gies, der die meisten Lieder geschrieben und arrangiert hatte, Jan Malte Bürger, Lukas Teske und Sebastian Schröder an, in ihrem neuen Programm „ziellos“ unterwegs zu sein, doch dies war ebenso geflunkert, wie manche Aussagen ihrer eigenwilligen Songs. Denn sie zielten außerordentlich treffsicher auf die Freude der Besucher an musikalischen Darbietungen auf hohem Niveau in zugleich heiter-gelösten Stimmung ab. Da spielten vier Individualisten in faszinierender Harmonie mit ihren versierten Stimmen, mal buchstäblich „ton“- aber ebenso gekonnt den Takt zum eingehenden Sound angebend. Bei zahlreichen auch internationalen Auszeichnungen nahm „Maybebop“ die Juroren wohl ebenso wie ihr Publikum bei ihrer "Bad Windsheim-Premiere“ mit ansteckendem Humor für sich ein, mit dem das Quartett unter anderem einen Songquiz veranstaltete. Oder beim improvisierten Lied auf den Zuruf von Begriffen über den per Ablassbrief erstandenen Urlaub in Franken, bei dem eine "Arschbombe“ mit "blauen Zipfeln“ endet.

Laut sein gegen üble Geister

Bei all dem Spaß, den die vier Interpreten mit breit angelegtem stilistischen Repertoire vom Jazz bis zum Volkslied, Klassiker bis zum Pop ausstrahlen, streuen sie geschickt ernste Gedanken, wie beim Plädoyer gegen den Plastikmüll oder dem Schutz des nun mal nur einen Planeten ein und hatten den vollen Rückhalt des Publikums beim Appell, „laut zu sein“ gegen üble Geister. Bei rhythmischem Applaus des stehenden Publikums kommt „Maybebop“ nicht ohne Zugabe von der Bühne und war schließlich das "KKC“ bei der gemeinsamen "Bohemian Rhapsody“ von "Choralle“ und dem quirligen Quartett "völlig aus dem Häuschen“. Dieter Weidemann dürfte sich über den Applaus für dieses "Konzert der Extraklasse“ und viele Komplimente freuen, während die Käufer von "Maybebop“-CD’s zugleich den Brunnenbau in Afrika fördern.

Dass Bad Windsheim beim Klimawandel besonders unter Zugzwang gerät, nahm Bürgermeister Bernhard Kisch den Auftrag der international tourenden Vocalband nach dem Auftritt im KKC mit: "An der Luft ist noch zu arbeiten“. Bei der "Luther“-Neuauflage am 13. Oktober mag diese frischer sein, für die "Choralle“ den Vorverkauf beim Konzert starten wollte. Doch die Karten blieben im Nürnberger Postzentrum stecken, werden aber auf Wunsch in den verschiedenen Sparkassenfilialen reserviert, um beim vermutlich erneut schnellen "Ausverkauf“ gesichert zu sein.

Harald J. Munzinger

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Neustadt, Bad Windsheim