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Wie Berger Eigengewächse im Handball durchstarteten

Frühere Trainerin spricht über erfolgreiche Jungtalente und Herausforderungen der Jugendarbeit - 03.07.2020 10:22 Uhr

Aus der Jugend (gelbe Trikots) der DJK-SV Berg reiften zwei Talente des Jahrgangs 2001 inzwischen zu Bundesliga-Sternchen.


Bei Teresa von Prittwitz, seit 2016 in der Weltstadt Hamburg heimisch und auf Linksaußen beim Buxtehuder SV zur U20-Nationalspielerin aufgestiegen, "war schon zu vermuten, dass der Weg nicht beim 1. FC Nürnberg endet." Immerhin bis zur C-Jugend konnte Pia Nießlbeck dabei zusehen, wie ihr Schützling "immer wieder aufgestanden" ist und eine herausragende Willensstärke an den Tag legte.

Überraschender vollzog sich dagegen der rasante Reifeprozess von Laura Kuske, die nun beim Thüringer HC eine Chance als Perspektiv-Torhüterin erhält. Kaum ein Jahr im Bambini-Training dabei und koordinativ mitunter noch etwas ungelenk, wurde die heute 18-Jährige aus Mangel an Gleichaltrigen in der D-Jugend ins kalte Wasser geworfen und avancierte zwischen den Pfosten zum wertvollen Rückhalt. In der dritten Saison erhielt sie die Auszeichnung zur besten Torhüterin in der Bezirksoberliga. "Laura hatte nie Angst vor dem Ball und brauchte im Training keine Matte, um sich abzurollen. Dazu hat sie Ratschläge stets angenommen", erinnert sich Nießlbeck, die zu ihrer Zeit in Berching selbst die unerschrockene Torfrau gab.

Während beide Spielerinnen bis zum Wechsel in höherklassige Gefilde ihre Ausnahmestellung durch freiwillige private Übungen untermauerten und regelmäßig zu Besuchen bei der B-Jugend aufwarteten, wachsen die Talente in Berg freilich nicht massenhaft auf den Bäumen. "Der Sprung von den Minis zur D-Jugend ist eine große Herausforderung, erstmals geht es auf das ganze Feld", erklärt Abteilungsleiterin Nießlbeck. Vom reinen Fokus auf Spiel und Spaß verschieben sich die Inhalte. Nicht jedem Kind gefällt es, wenn plötzlich Kondition, Technik bei der Ballführung und taktische Spielzüge auf dem Programm stehen. Gleichzeitig hält das Ergebnis-Denken mit der Einführung von Tabellen Einzug, wobei das mannschaftliche Zusammenspiel bis zur C-Jugend noch dadurch gefördert wird, dass eine höhere Anzahl verschiedener Torschützen belohnt wird.

Beschränkt auf weiblichen Nachwuchs

Mit beharrlichen Schnupper-Auftritten in der Grundschule und einer profierfahrenen Stephanie Subke (geborene Ofenböck) im Trainerteam gelingt es dem Dorfklub bisweilen, den Unterbau stabil zu halten. "Wir sind unter dem Strich mit dem zufrieden, was wir haben", betont Nießlbeck. Schließlich waren die Möglichkeiten in der alten Einfach-Turnhalle lange beschränkt. In den 2019 bezogenen Räumlichkeiten, die man sich des Winters weiterhin mit den Fußballern teilt, können sich heute knapp 60 Nachwuchsköpfe — durchgehend weiblich — besser entfalten.

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Allein die Abkehr von gemischten Formationen, die der Verband nur bis zur D-Jugend im Spielbetrieb erlaubt, bereitete vor wenigen Jahren Bauchschmerzen. Seitdem lässt man die seltenen männlichen Exemplare zur partnerschaftlich verbundenen Nachbarschaft in Altdorf oder Winkelhaid ziehen. "Der Fußball reizt bei den Jungs eben wohl immer noch am stärksten", konstatiert Patrick Güldiken, der um eine verwandte Problematik in Pyrbaum oder Neumarkt weiß und in Berg seit über zehn Jahren für die Damenmannschaft zuständig zeichnet.

Was da an reinem, nie höher als in der BOL ausgebildeten Mädels-Nachschub durch die nächste heikle Absprung-Phase in der Pubertät ankam, reichte zwischenzeitlich jedoch quantitativ nicht für die Teilnahme am Ligageschehen. Seit 2014 zurück im Geschäft, führte Güldiken eine von jungen Eigengewächsen und wenigen reaktivierten Kräften getragene Auswahl 2018 zur Meisterschaft in der Bezirksklasse. Weil im Vergleich zur Konkurrenz eine Etage höher "die Erfahrung fehlte", stand am Ende der vorletzten Saison der Abstieg in die unterste Spielklasse.

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Nach einem vierten Rang bis zum Abbruch der Runde im Frühjahr 2020 sieht der Trainer im auf 17 Spielerinnen erweiterten Aufgebot wieder genug Potenzial für ambitioniertere Ziele. "Unser Anspruch ist es, Spaß zu haben und attraktiv zu spielen, aber jetzt natürlich sportlich auch einen Schritt weiterzukommen. Wenn wir den Aufstieg schaffen, wollen wir uns daher diesmal in der Bezirksliga halten." Aktuell trifft sich die Gruppe seit Ende Juni regulär zweimal pro Woche in der Halle.

Der langfristige Erfolg, so Güldiken, stehe und falle allerdings damit, in jedem Jahr frische Verstärkungen aus den eigenen Reihen hervorzubringen. Wohlwissend, dass sich im heimischen Stall ohne A-Jugend eben schon die nächste Lücke auftut und "alle kleinen Vereine mit unseren Sorgen kämpfen", beneidet Güldiken jene regionalen Topvereine wie Erlangen, die selbst in älteren Jahrgängen zwei Teams bilden können. Für andernorts aus ähnlichen Motiven praktizierten Modellen einer Landkreis-Spielgemeinschaft hegt Güldiken tatsächlich Sympathien, würde für diese schöne Vision aber nicht die Berger Identität aufgeben wollen. Lieber freuen sie sich aus der Ferne über erfolgreiche Karrieren früherer Rohdiamanten.

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