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Werden die Übertrittszeugnisse abgeschafft?

Eine Bürgerinitiative fordert die Abschaffung der verbindlichen Schulempfehlung - 02.05.2019 10:32 Uhr

Eine Bürgerinitiative will die verbindliche Schulempfehlung in Bayern abschaffen. Im Landkreis Neumarkt bekamen zuletzt 46 Prozent der Grundschüler eine Eignung fürs Gymnasium bescheinigt und 16 Prozent für die Realschule.


Der prozentuale Anteil der Kinder mit einer Empfehlung für das Gymnasium ist zwischen den verschiedenen bayerischen Landkreisen extrem unterschiedlich. Er reicht von 38 Prozent in Schweinfurt über 50 Prozent in Eichstätt bis zu 65 Prozent in Erlangen und 71 Prozent in Starnberg. Im Landkreis Neumarkt bekommen 46 Prozent der Kinder eine Gymnasialeignung bescheinigt, das ist Platz 73 von allen bayerischen Landkreisen.

Ähnlich verhält es sich mit der Realschuleignung. Sie wird in Neumarkt 16 Prozent der Grundschüler bescheinigt, das ist Platz 80. "Bemerkenswert ist, dass diese Unterschiede zwischen den Landkreisen stabil sind", sagt Michael Zehetleitner von der Bürgerinitiative. "Es gibt innerhalb der Landkreise keinen wesentlichen Aufwärts- oder Abwärtstrend."

Das Kultusministerium rechtfertige sich seit Jahren, dass die verbindliche Empfehlung für die weiterführende Schulen dem Schutz der bildungsfernen Schichten diene. Eine Analyse der Zahlen nach Landkreisen zeige aber, dass dieses Ziel durch das bayerische Übertrittsverfahren nicht erreicht werde.

Analysen zeigten, dass Unterschiede zwischen Landkreisen zu 75 Prozent durch verschiedene sozioökonomische Faktoren aufgeklärt werden können.

Den größten Einfluss auf die Eignungsquote habe der Akademikeranteil im Landkreis: Je größer dieser ist, desto größer ist der Anteil der Kinder, die eine Gymnasial- oder Realschulempfehlung haben.

Deutlich weniger Stress

Wissenschaftliche Studien belegten, so die Bürgerinitiative, dass Kinder deutlich weniger Stress beim Übertritt erleiden, wenn sie in Bundesländern wohnen, in denen die Eltern das letzte Wort bei der Schulwahl haben.

Im Gegensatz zu Bayern dürfen in 13 von 16 Bundesländern nach einer Schulempfehlung oder einem Probeunterricht letztendlich die Eltern entscheiden, auf welche weiterführende Schule ihr Kind geht.

Die Erfahrung aus den anderen Bundesländern zeige: Den Eltern das letzte Wort bei der Wahl der weiterführenden Schule zu lassen, ziehe keine Bildungskatastrophe nach sich. Denn die meisten Eltern richten sich nach den unverbindlichen Schulempfehlungen der Grundschulen. In Baden-Württemberg stieg der Anteil der Schüler, die an das Gymnasium wechselten, um nur drei Prozent, nachdem 2012 der Elternwille bei der Wahl der weiterführenden Schule freigegeben wurde.

"Die Eignungsempfehlungen sind nicht ausreichend objektiv, verursachen eine Bildungsungerechtigkeit und vergiften die Bildungspartnerschaft zwischen Eltern und Lehrern. Leidtragende sind hierbei vor allem die Kinder, aber auch die Eltern und die Lehrer, die sich oft voller Misstrauen begegnen.

Daher fordert unsere Bürgerinitiative die Abschaffung der verbindlichen Schulempfehlung, so dass die Entscheidung über den weiteren Bildungsweg des Kindes letztendlich die Eltern nach einer ausführlichen Empfehlung und Beratung durch die Grundschulen treffen können", argumentiert Gabriele Elsinger.

Zum Thema läuft eine Online-Petition: http://chng.it/57NNvp6wwG

nn

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