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Parsberg: Aufzuchtstuben für Fledermäuse

Mit Kästen und künstlichen Höhlen soll Lebensraum für bedrohte Arten geschaffen werden - 08.07.2020 09:38 Uhr

Die Anbringung der Kästen überprüfen die Fledermaus-Beauftragten Bärbel Petz-Görgner, Hans Prün und Georg Knipfer sowie Förster Ernst Hautmann (von links).


Die Bechsteinfledermaus lebt in Laub-Misch-Wäldern, wie sie rund um Parsberg typisch sind. Als Waldfledermaus benötigt sie eine ausreichende Zahl an Baumhöhlen, in denen sie im Sommer ihre Jungen in sogenannten Wochenstuben großzieht. Besonders alte Buchen mit ihren vielen Baumhöhlen werden gerne von ihr besiedelt. Die Quartiere der Mopsfledermaus befinden sich in der Regel auch in Wäldern. Diese Tierart bevorzugt jedoch Verstecke hinter abstehender Rinde und in Spalten von Stammanrissen. Am häufigsten nutzt die Mopsfledermaus Quartiere in alten Eichen- und Buchenwäldern.

Laubholzreiche Gebiete findet man in den Waldungen der Bayerischen Staatsforsten, etwa im rund 1700 Hektar großen Forstrevier Breitenbrunn. Zu diesem Revier gehören die Staatswaldabteilungen Hatzengrün, Langholz und Schoppertanne bei Parsberg sowie das Haag bei Eichenhofen. Der Forstbetrieb Kelheim hat mit dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Neumarkt (AELF), dem Landesbund für Vogelschutz Neumarkt (LBV) und den Fledermaus-Beauftragten des Landkreises Neumarkt 250 Fledermauskästen und Fledermaushöhlen angebracht.

"Besondere Gemeinwohlleistung"

Geleitet wurde die Aktion vom Revierleiter Ernst Hautmann aus Dürn. Die Anbringung der Kästen sowie Dokumentation, Kontrolle und Pflege erfolgten durch die Fledermaus-Beauftragten Bärbel Petz-Görgner, Hans Prün und Georg Knipfer sowie durch weitere Mitglieder des LBV. Die Kosten von zirka 5600 Euro werden teilweise als "besondere Gemeinwohlleistung" vom AELF Neumarkt übernommen.

"Bei einem Fledermaus-Monitoring 2017 stellte sich heraus, dass in Zukunft mit einem Quartier-Notstand zu rechnen ist, da viele alte Fledermauskästen nicht mehr funktionsfähig sind", erklärte Knipfer. Nur mit neuen Kästen könne die Qualität und Nutzbarkeit des Lebensraumes erhalten werden. Die neuen Kästen habe man in Gruppen von jeweils fünf bis zehn Kästen an vier verschiedenen Waldorten angebracht.

An vier verschiedenen Orten

Insgesamt seien so im Landkreis Neumarkt zwischenzeitlich rund 1500 Giebelkästen und Flachkästen aufgehängt worden, auch im Forstrevier Burggriesbach des Forstbetriebs Kelheim. Flachkästen, die natürliche Spaltenquartiere ersetzen sollen, werden von den Tieren von unten angeflogen. Die Giebelkästen dagegen haben eine maximal 14 Millimeter breite Einflugöffnung. Das ist laut Förster Hautmann wichtig, denn wären die Öffnungen größer, würden die Kästen von den mittlerweile weit verbreiteten Siebenschläfern genutzt.

Knipfer unterstrich die große Bedeutung der nachtaktiven Jäger für den Naturkreislauf, denn eine Fledermaus vertilge mehrere tausend Insekten pro Nacht. Förster Hautmann bedankte sich bei seinen Mitstreitern und unterstrich, dass der Forstbetrieb Kelheim die Fledermäuse auch durch weitere Maßnahmen wie die Pflege von Tümpeln und offenen Flächen im Wald sowie durch Schaffung von blüten- und insektenreichen Waldinnenrändern als optimale Jagdreviere unterstützt.

WERNER STURM

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