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Montag, 14.10.2019

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Mühlhausen: Denkmal der Bierkultur im Urzustand

Das Bierwärterhäuschen und Gewölbe sind mit großem Aufwand saniert und jetzt eingeweiht worden. - 17.06.2019 10:15 Uhr

Durch den Segen der Geistlichkeit in Gestalt von Pfarrerin Margit Walterham und Pfarrer Andreas Endriß wurden jetzt das Bierwärterhäuschen und der Bierkeller eingeweiht. © Foto: Anton Karg


Im Rahmen einer Feierstunde wurde das Gebäude mit dem ehemaligen Benderkeller durch die Pfarrer Margit Walterham und Andreas Endriß gesegnet und offiziell eröffnet. Die Feierstunde wurde durch den Posaunenchor Bachhausen/Mühlhausen unter der Leitung von Christian Langer musikalisch gestaltet.

Bürgermeister Martin Hundsdorfer freute sich, "dass wir zusammen die Idee der Restaurierung umgesetzt haben". Er bedankte sich bei seinem Gemeinderat, bei den fachlich und finanziell unterstützenden Behörden, bei der Gemeindeverwaltung, beim Bauhof sowie alle an der Sanierung beteiligten Firmen. Nach Auskunft des Bürgermeisters betrugen die Baukosten ohne Außenanlagen rund 520 000 Euro.

Der Landkreis Neumarkt hat aus Mitteln zur Förderung der Denkmalpflege sein Scherflein beigetragen. 150 000 Euro musste die Gemeinde Mühlhausen berappen. "Gut angelegtes Geld", wie Hundsdorfer befand. "Im Ergebnis waren sich alle einig", erklärte Landrat Willibald Gailler, "dass das Bierwächterhäuschen, erbaut einige Jahre vor dem bayerischen Reinheitsgebot 1516, als Denkmal erhalten werden muss."

Museumsleiter Ludwig Schiller gab einen kurzen geschichtlichen Überblick. Seinen Ausführungen zufolge ließ 1482 Graf Albrecht V. von Wolfstein die Brauerei mit Bierwächterhäuschen und Keller bauen. Nach dem Erlöschen des Geschlechts der Wolfsteiner 1740 gab es mehrere Besitzer der Immobilien, seit 1907 ist es die Familie Bender/Atzler. Die Keller dienten zum einen der Lagerung des Bieres, aber in den Sommermonaten auch zur Kühlung des Gerstensaftes. Dazu dienten Eisblöcke, die zunächst aus den Weihern rund um das Haus gewonnen wurden und später, ab Mitte des 19. Jahrhunderts, auch aus dem Ludwigskanal. Noch bis in die Anfänge des 20. Jahrhunderts hatte die Brauerei einen stattlichen Absatz, von Mühlhausen wurden bis hinein nach Franken fast 300 Gaststätten mit dem köstlichen Gerstensaft versorgt.

Abbruch wäre teuer geworden

Statiker Stephan Lerzer erinnerte an das Jahr 2013, als der Bierkeller an einer mit Ziegeln ausgemauerten Stelle einzubrechen drohte. Nach einigen Untersuchungen und Expertisen des Landesamts für Denkmalpflege wurde mit der Sanierung 2016 begonnen. Weitere Details lieferte die Architektin Gertraud Bayerl aus Parsberg. Wie weiterhin berichtet wurde, habe sich Bürgermeister Martin Hundsdorfer für den Erhalt durch Sanierung des Bierkellers und des Bierwächterhäuschens stark gemacht, was aber zunächst nicht bei allen Gremiumsmitgliedern im Gemeinderat auf Gegenliebe gestoßen sei.

Nach umfangreichen Ermittlungen wurde deutlich, dass ein Abbruch kostengleich mit einer Sanierung sei, vorausgesetzt die möglichen Fördergelder würden auch bezahlt. Eine große Aufgabe war es, die Gewölbe wieder in einen sicheren Zustand zu bringen. Hier konnte man mit Maurermeister Alois Scharpf und Sohn Andreas, der über Erfahrung als Restaurateur verfügte, zwei Handwerker gewinnen, die sich dieser Aufgabe mit Akribie annahmen und nun sind die Gewölbe laut dem ehemaligen Innungsobermeister Alois Scharpf wieder im Originalzustand. Im Beiprogramm engagierten sich der Museumsverein und der Tourismusverein Mühlhausen mit einer Ausstellung "altes Handwerk" mit praktischen Vorführungen und mit der Verköstigung der Gäste.

ANTON KARG

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