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Donnerstag, 20.06.2019

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Langenthal: Motocrosser brettern durch den Unkenpfuhl

Illegale Rennen im Steinbruch bei Berg gefährden seltene Tierarten - 16.05.2019 15:00 Uhr

Die motorisierten Freizeitsportler haben Spuren hinterlassen: Über den ganzen Hang des ehemaligen Steinbruchs ziehen sich die Pisten der Motocrosser und Quadfahrer, die teilweise von weit her anreisen. Auf die Natur nehmen die Biker bei ihren illegalen Geländefahrten keine Rücksicht. © Hubert Schraml/lbv


Stillgelegte Steinbrüche sind ein Refugium für seltene Tierarten. An ihren steilen Abbau-Kanten finden geschützte Vogelarten Brutplätze – wie etwa der Uhu. Die schweren Bau-Fahrzeuge haben Löcher und Mulden im Boden hinterlassen, die sich nach Regen mit Wasser füllen und wieder austrocknen.

Sie bieten der Gelbbauchunke einen idealen Lebensraum. Am Höllberg bei Langenthal hat sich die seltene Amphibie angesiedelt. Er wurde deshalb als ein Flora-Fauna-Habitat (FFH) ausgewiesen, in dem europaweit bedrohte Tier- und Pflanzenarten besonders geschützt werden.

Doch der Landesbund für Vogelschutz (LBV) befürchtet, dass die Gelbbauchunke buchstäblich unter die Räder kommt: Denn seit längerer Zeit schon dient der vorläufig stillgelegte Steinbruch Langenthal als "wilde Piste" für Motocross-Freaks aus ganz Nordbayern. Die Halden und die Hänge sind von tiefen Furchen durchzogen. Auf die Natur nehmen die Freizeitsportler keine Rücksicht. "Ein untragbarer Zustand", meint dazu Bernd Söhnlein, Kreisvorsitzender des LBV.

Die Firma Bärnreuther und Deuerlein sichert das Gelände ab. Die Zufahrtsstraßen sind versperrt und mit zusätzlichen Hindernissen wird der Zugang erschwert. "Doch die biegen den Zaun auf und fahren trotzdem hinein", sagt Geschäftsführer Herbert Bärnreuther.

Aus der ganzen Region

Die Motocrosser kämen aus der ganzen Region, transportieren ihre Sportgeräte auf Anhängern. Im vergangenen Jahr habe man einen Sicherheitsdienst engagiert, um das illegale Treiben einzudämmen. "Aber jetzt geht es wieder los wie vorher."

Die Gelbbauchunke heißt so wegen ihrer markanten Flecken an der Unterseite. © Foto: Andreas Hartl/lbv


Der LBV sieht die Verantwortung auch bei den zuständigen Naturschutzbehörden am Landratsamt und der Regierung der Oberpfalz. "Das Gelände muss ringsum wirklich abgesperrt werden", sagen die Naturschützer. Sie fordern ein Schutz- und Pflegekonzept für das Gebiet. Die Naturschutzbehörden sollten einen Runden Tisch einberufen mit Eigentümer, Naturschutzverbänden und der Gemeinde Berg, um dem europäischen Naturschutzrecht Geltung zu verschaffen. "Wir stehen dem offen gegenüber", meint dazu Anja Kreitmeier, am Landratsamt zuständig für Naturschutz und Wasserrecht. Die Regierung der Oberpfalz ist derzeit dabei, für alle FFH-Gebiete im Regierungsbezirk Managementpläne aufzustellen.

Dabei werden Erhaltungsmaßnahmen festgelegt, die notwendig sind, um die Lebensräume und Arten zu gewährleisten, die zur Aufnahme in das Europäische Netz "Natura 2000" geführt haben. Die Auftaktveranstaltung für den Managementplan zum FFH-Gebiet "Höllberg" soll noch in diesem Jahr stattfinden.

Rettungshubschrauber flog ein

Doch weshalb kann man den illegalen Abfahrten nicht Einhalt gebieten, wenn sie ein so offenes Geheimnis sind? Sie sind ja nicht nur für die Gelbbauchunke gefährlich: Im August 2009 stürzte am Höllberg ein Motocrosser, als er eine Geröllhalde voller faust- bis schuhgroßer, kantiger Kalksteine hinauf bretterte. Der schwer verletzte Mann wurde mit dem Rettungshubschrauber in eine Notfallklinik geflogen. "Unsere Möglichkeiten sind beschränkt", sagt Neumarkts Polizeichef Michael Danninger. Denn die Motocrosser sind geländegängig, anders als ein Streifenwagen. Außerdem haben sie oft kein Kennzeichen an der Maschine oder haben es unkenntlich gemacht.

Wenn die Beamten also überhaupt einen Motocross-Fahrer auf frischer Tat ertappen, macht dieser sich schnell aus dem Staub. Die Polizeistreife kann ihm in der Regel nicht folgen. Zumal die Polizisten bei der Verfolgung zur Besonnenheit verpflichtet sind und den Biker nicht gefährden dürfen. "In dieser psychischen Ausnahmesituation überschätzen viele Fahrer ihre Fähigkeiten, so dass es zu schlimmen Unfällen kommen kann", sagt Danninger.

Vergangene Woche schnappte die Polizei beim Dillberg dennoch einen Motocrosser – dank einer Mischung aus Zufall und Ortskenntnis. Die Beamten brachen die Verfolgung scheinbar ab und warteten auf den Motorradfahrer am Waldrand. 

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