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Dienstag, 04.08.2020

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Klinikum Neumarkt ist auf dem Weg zu schwarzen Zahlen

Das Landkreis-Krankenhaus hat nach Millionenverlusten laut eigener Darstellung Weisungen rasch umgesetzt. - 03.07.2020 16:32 Uhr

Das Klinikum Neumarkt räumt Verluste in Millionenhöhe in der Vergangenheit ein, erwartet aber bereits für 2020 wieder schwarze Zahlen. © Foto: Kliniken des Landkreises Neumarkt


  Das geht aus einer Pressemitteilung des Klinikums hervor.  Die Neumarkter Nachrichten hatten über die interne Studie des Beratungsunternehmens Lohfert & Lohfert berichtet. Darin war der "Ergebnisverbesserungsbedarf" des Klinikums auf neun Millionen Euro beziffert worden, falls das Krankenhaus bis 2022 ein ausgeglichenes Betriebsergebnis anstrebe. In der Expertise — die lange Zeit nur wenigen Kommunalpolitikern und Verwaltungsverantwortlichen zugänglich war — ist von zu hohen Kosten, zu geringer Auslastung und Produktivitätsmängeln die Rede.

Und so reagierte das Klinikum: Wirtschaftlich habe das Unternehmen mit seinen 2000 Mitarbeitern die Weisung des Trägers rasch umgesetzt, heißt es in der Stellungnahme. "Das Betriebsergebnis ohne Parsberg und Sondereinflüsse ist bereits für 2019 wieder ausgeglichen, für 2020 sind schwarze Zahlen vor Corona prognostiziert, auch mit Corona wird die Wirtschaftlichkeit nicht gefährdet sein."

 

 

Gleichzeitig räumen die Klinikverantwortlichen ein, dass die letzten drei Jahre für das Krankenhausunternehmen "herausfordernd und spannend" gewesen seien. 2018 habe sich die Leistung des Unternehmens nicht wie geplant entwickelt. Die neu etablierten und mit Personal bestückten Bereiche der erweiterten Intensivstation und der Intermediate-Care-Einheit hätten das Krankenhaus auf einen guten Entwicklungsstand gehoben, jedoch seien die erforderlichen Patientenzahlen und Umsätze ausgeblieben, um diese Investition rasch zu refinanzieren. "Das Unternehmen erwirtschaftete einen Verlust in Millionenhöhe", heißt es in der Stellungnahme.

Die Reaktion des Trägers sei die deutliche Ansage gewesen, rasch in schwarze Zahlen zurückzukehren. Mit der größten und renommiertesten Unternehmensberatung im Gesundheitswesen seien mehrere Projekte angeschoben worden, um die Wirtschaftlichkeit zu verbessern.

"Belegung in Parsberg fiel Ins Bodenlose"

So habe allein beim medizinischen Sachbedarf über zwei Jahre ein Einspar-Volumen von über einer Million Euro gehoben werden können. 2019 seien die Patienten wieder in der erwartbaren Anzahl in das Klinikum Neumarkt geströmt, in Parsberg sei dagegen "die Belegung nach dem Umzug der Geriatrie ins Bodenlose" gefallen. Nach der Kündigung von acht Ärzten habe der Dienst dort nicht mehr aufrechterhalten werden können.

Die "große Leistung der Politik und des Trägers" sei es gewesen, trotz bevorstehender Kommunalwahlen einen einstimmigen Beschluss im Verwaltungsrat zu erreichen, die Parsberger Klinik "vom Netz zu nehmen". Alle Mitarbeiter hätten in Neumarkt integriert werden können. Die Schließung des Parsberger Krankenhauses hat vor allem im östlichen Landkreis für großen Unmut in der Bevölkerung gesorgt.Landrat Willibald Gailler bekam dann bei der Kommunalwahl die Quittung dafür und wäre um ein Haar in die Stichwahl gezwungen worden.

Eine Nachfolgelösung mit Ärztehaus und Pflegethemen sei mit dem neuen Management ab Oktober 2020 konkret in der Planung, so das Klinik-Statement.

Durch hohen medizinischen Standard in Pflege und Ärzteschaft hätten auch die Patienten wieder das Vertrauen gezeigt. "Durch die steigenden Patientenzahlen haben wir wieder einmal bewiesen, dass wir in Neumarkt den Versorgungsauftrag in exzellenter Qualität wahrnehmen und aus eigener Kraft die Wirtschaftlichkeit wieder erreicht haben." Soweit die Verlautbarung aus dem Klinikum Neumarkt.

Die Kliniken des Landkreises Neumarkt sind ein Schwerpunktkrankenhaus der Versorgungsstufe II mit 530 Planbetten und 23 teilstationären Behandlungsplätzen und haben den Status als Lehrkrankenhaus der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg.

Aktuell wird der Zentral-OP erweitert und modernisiert. Ein Hubschrauberlandeplatz auf dem Dach ist bereits förderrechtlich genehmigt. Das Klinikum bekam den Bescheid aus München, dass der Bedarf für 30 zusätzliche Betten anerkannt wird und nun zügig in eine Bauplanung umgesetzt werden kann.

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